Steinhoff-Tochter Kika/Leiner sieht Liquidität gesichert - Filialen in Gefahr

dpa-AFX

Wien/St. Pölten/Sandton (dpa-AFX) - Der österreichische Möbelhändler Kika/Leiner hat sich einen Millionenbetrag vom angeschlagenen Mutterkonzern Steinhoff gesichert. Die Liquidität sei dadurch für bis zu 24 Monate gesichert, so Kika/Leiner-Chef Gunnar George am Montag in Wien. Das Geld sei schon an die Steinhoff-Europe-Gruppe weitergeleitet worden und soll ab dieser Woche tranchenweise in die Kassen von Kika/Leiner fließen. Die Konditionen für das frische Geld seien "besser als am Markt", die Vorgaben von Steinhoff gering.

"Wir haben das Cash Pooling gekündigt", so George. Steinhoff habe keine Zugriffsmöglichkeit auf Gelder vom Kika/Leiner. Beim "Cash Pooling" werden flüssige Mittel zusammengefasst und vom Mutterkonzern zentral verteilt. Auch die Markenrechte liegen nach wie vor beim Unternehmen, versicherte der Kika/Leiner-Chef, dessen Vertrag noch bis Ende des Jahres läuft.

Der südafrikanische Möbelriese Steinhoff war wegen Bilanzunregelmäßigkeiten unter Druck geraten. Dadurch geriet auch die österreichische Tochter in die Bredouille, weil Konten kurzfristig eingefroren wurden. Um die Gehälter zu zahlen, wurde Ende Dezember der Leiner Flagshipstore auf der Wiener Mariahilferstraße in einer Blitzaktion an Rene Benko verkauft. "Kika/Leiner hat für das Haus einen bestehenden Mietvertrag bis zum Jahr 2030", hieß es.

Nun werden alle Filialen auf den Prüfstand gestellt. "Problematisch" seien fünf bis sechs Standorte, Insgesamt sollen in den nächsten 12 bis 18 Monaten 5 Prozent "in allen Bereichen" eingespart werden. "Schließen ist die schlechteste aller Alternativen", betonte George bei einer Pressekonferenz. Welche der österreichweit 50 Filialen mit rund 5400 Mitarbeitern konkret betroffen sind, sei noch nicht fix. "Wir gucken uns jeden Standort an", so George. Die kritischeren Filialen befänden sich aber eher in ländlichen Gebieten. Klarheit soll es in den kommenden sechs bis acht Wochen geben.

Ob an der Diskont-Schiene Lipo, die seit dem Vorjahr mit zwei Standorten auf dem österreichischen Markt vertreten ist, festgehalten wird, könne er nicht sagen. Auch die Zahl der Lieferanten soll weiter reduziert werden. In den letzten zwölf Monaten habe man diese schon von 1700 auf 1100 gesenkt. Ziel sei es, auf etwa 800 zu kommen. Da gehe es aber nicht um "Top-Lieferanten".

Wesentlich sei nun, dass wieder Ruhe einkehre, so George, der das Vertrauen der Konsumenten wieder gewinnen will. Bei teureren Anschaffungen wie Küchen seien die Umsätze aufgrund der Unsicherheit schon zurückgegangen. "Kunden werden ihre Möbel bekommen", so der Kika/Leiner-Chef und versicherte, dass die Anzahlungen der Kunden weiter auf einem Treuhandkonto liegen.

Insgesamt habe Kika/Leiner im abgelaufenen Geschäftsjahr eine schwarze Null erzielt, der Umsatz liege in Österreich bei etwa 800 Millionen Euro. Im osteuropäischen Raum wurden Erlöse in Höhe von 200 Millionen Euro erzielt - dort wolle man noch weiter wachsen. Die Bilanz zum Ende September 2017 abgelaufenen Geschäftsjahr liege aber noch nicht vor.

Im Vorjahr wurden 150 Millionen Euro in die Weiterentwicklung des Möbelhändlers gesteckt. Heuer sollen 50 bis 60 Millionen Euro investiert werden, um den Onlinehandel, die EDV sowie die Logistik voranzutreiben und effizienter zu machen. In drei bis fünf Jahren will George rund 5 Prozent des Umsatzes online erzielen, da gebe es noch Aufholbedarf.