Steinhoff-Aktie legt mehr als 100 % zu: Zeit zu kaufen?

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ein Kursplus von mehr als 100 % in nur einer Woche, das kommt wahrlich nicht allzu oft vor. Schon gar nicht bei einem MDAX-Unternehmen. Genau das passierte aber in der ersten Januar-Woche: Die Steinhoff International Holdings (WKN:A14XB9)-Aktie stieg von gut 30 Cent auf zeitweise knapp 65 Cent.

Ist das für den durch einen Bilanzskandal angeschlagenen Möbelriesen die Trendwende hin zum Guten? Bietet sich langfristig agierenden Anlegern aktuell vielleicht sogar eine extrem günstige Kaufgelegenheit? Welche Meinung ich zur Erholung der Steinhoff-Aktie habe, erfährst du, wenn du weiterliest.

Das ist passiert

Anfang Dezember stürzte die Steinhoff-Aktie aufgrund des Verdachts auf Bilanzfälschung ab. Kostete eine Aktie Ende November noch knapp 3,50 Euro, waren es eine Woche später nur noch rund 0,50 Euro. Festzuhalten bleibt allerdings: Bisher handelt es sich um einen reinen Verdacht, bewiesen ist noch nichts.

So führen bereits kleine Erfolgsmeldungen zu solch starken Kursbewegungen wie eben in der ersten Januar-Woche: Die Meldung, dass Banken einer britischen Tochter des Steinhoff-Konzerns nicht die Kreditlinie gesenkt haben, reichte beispielsweise aus, um die Aktie 17 % steigen zu lassen.

Darum lasse ich trotzdem die Finger von der Steinhoff-Aktie

Auch wenn nichts bewiesen ist, einige Dinge sprechen dafür, dass das Management die Bilanzen manipuliert hat. So musste CEO Marcus Jooste ein paar Tage nach Bekanntwerden des Skandals seinen Posten räumen. Nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass die Anschuldigungen völlig aus der Luft gegriffen sind.

Außerdem werden die Bilanzen der letzten Jahren gerade neu aufgestellt, was ich fast schon als Schuldeingeständnis werte, auch wenn das Ausmaß der Fälschung noch unklar ist. Meiner Meinung nach ist daher davon auszugehen, dass das Management von Steinhoff seine Bilanz manipuliert hat. Damit hat es nicht nur den Fiskus oder die Banken betrogen, sondern auch seine Aktionäre.

Für mich ist es undenkbar, mein hart erspartes Geld einem Unternehmen anzuvertrauen, in dem solche Betrügereien und Täuschungen möglich waren. Meist treten solche Dinge bei Konzernen auf, in denen eine schlechte Unternehmenskultur herrscht. Und auch an kurzfristigen Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen, hier halte ich es wie Warren Buffett:

Wenn du nicht bereit bist, eine Aktie für zehn Jahre zu halten, solltest du auch nicht darüber nachdenken, sie für zehn Minuten zu besitzen.

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2018