Der steile Aufstieg von Porsche-Chef Oliver Blume

Porsche-Chef Oliver Blume rückt in den VW-Vorstand auf – und gilt bereits als CEO-Kandidat. Spannend wird sein Verhältnis zu VW-Chef Diess.


Es war ein Zeichen der Wertschätzung: Im Januar applaudierte Wolfgang Porsche, als Oliver Blume in seiner Rede zum Auftakt des 70-jährigen Porsche-Jubiläums im obersten Stock des Firmenmuseums den Mythos der Marke und den familiären Charakter des Unternehmens beschwor.

Nun traut das Oberhaupt des Porsche-Clans dem Porsche-Chef noch mehr zu. Der 49-Jährige Blume rückt – zusätzlich zu seinem Job beim Sportwagenbauer in Zuffenhausen – in den VW-Konzernvorstand auf. Damit steht Blume künftig noch häufiger im Fokus der Porsche-Erben: Die Familien Porsche/Piech sind Hauptaktionär des größten europäischen Autobauers.

Der Vorstandsumbau, den der VW-Aufsichtsrat im Lauf der Woche beschlossen hat, bringt ohnehin eine neue Dynamik in das Führungsgremium: Spannend wird, wie Oliver Blume mit dem neuen Konzernchef Herbert Diess zurechtkommt.

Denn der 1,90 Meter große Blume, ein Ex-Fußballer, ist ein kompletter Gegenentwurf zu Diess: Der neue VW-Chef hat mit kühler Härte seinen Wechsel auf den CEO-Posten durchgesetzt. Auch einen öffentlichen Schlagabtausch wie den Streit mit Betriebsratschef Bernd Osterloh über das Sparprogramm bei VW hat Diess nie gescheut.


Dagegen steht Blume für einen ganz anderen Führungsstil. Der 49-Jährige ist kein Polterer, aber wenn er in den Raum kommt, dann ist er nur schwer zu übersehen. Und er sagt in Interviews Sätze wie diesen: „Im Mittelpunkt steht der Mensch. Letzteres ist eine Philosophie, für die ich persönlich stehe.“ Mit guten Prozessen und Technologien lasse sich nichts erreichen, wenn man dafür nicht die richtigen Leute habe.

Blume ist ein echter Teamplayer, aber kein Kumpeltyp. Bei ihm ist das nicht gespielt. Wenn er kritisiert wird, dann weil so mancher Wegbegleiter fürchtet, es mangele ihm am letzten Quantum Härte. Doch man sollte sich auch nicht vom Äußeren täuschen lassen. Blume ist ein glänzender Stratege und Entscheider. In seinem ersten großen Interview noch als Produktionschef von Porsche hatte er bereits „einen klaren Fahrplan in der Porsche-Strategie“.

Als sein Vorgänger Matthias Müller nach Wolfsburg wechselte, konnte er seine Strategie für den Sportwagenbauer umsetzen. Knapp 240.000 verkaufte Porsche-Autos im vergangenen Jahr und ein Rekordumsatz von 22,3 Milliarden Euro sprechen für Blume.

Und noch wichtiger: Blume steigerte das operative Ergebnis überproportional um 14 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Allein in seiner Amtszeit stieg damit die Umsatzrendite von 15,8 auf 17,4 Prozent. Die Renditeperle des VW-Konzerns – den gleichzeitig wohl rentabelsten Autobauer auf der Welt – ließ Blume noch heller glänzen.

Gut vorbereitet ist er auch auf den VW-Konzernvorstand. Denn niemand, nicht einmal Diess, kennt wie Blume jedes einzelne der über 100 Volkswagenwerke auf der Welt von innen.

Diess nutzt das geschickt und gibt Blume die Konzernverantwortung für die Produktion. Der Umgang der beiden wird im Unternehmen als professionell bezeichnet, besonders in strategischen Fragen. Buddys sind beide nicht. Dafür ist Blume auch nicht der Typ. Auch zu Müller hielt Blume professionelle Distanz.


Seine diplomatischen Fähigkeiten nutzte Blume in der Diesel-Krise. Denn trotz der großen Probleme beim Diesel-Cayenne, der vom Markt genommen werden musste, hielten sich die Image-Schäden für Porsche in Grenzen. Blume übernahm die Verantwortung für die Fehler in der Motorsteuerung, aber den Hauptdruck konnte er geschickt zum Motorenlieferanten Audi ableiten, ohne mit dem Finger direkt auf die Konzernschwester zu zeigen.

Zudem verfügt er über einen guten Draht zur Porsche-Familie. Der Kontakt ist auch deshalb gewachsen, weil Blume in den vergangenen fünf Jahren vor allem Wolfgang Porsche häufiger zu Gesicht bekam als mancher VW-Manager in Wolfsburg. Diese Chancen, vor den Augen der Familie zu bestehen, nutzte Blume.

Der gebürtige Braunschweiger studierte in seiner Heimatstadt Maschinenbau und promovierte später in Schanghai. Er durchlief im VW-Konzern zunächst Stationen bei Audi und Seat. 2009 übernahm er die Produktionsplanung in der VW-Zentrale.  Daher die Kenntnis aller VW-Werke. 2013 wechselte er nach Zuffenhausen als Produktionschef. Seit Ende 2015 führt er das Unternehmen. Der mächtige Betriebsratschef Uwe Hück schätzt Blume sehr: „Ein Mann, der tut was er sagt.“ Auch bei Volkswagen wissen die Arbeitnehmer genau, was mit Blume auf sie zukommt.

Dem Manager kommt seine unaufgeregte Art zugute. Er kann Menschen mitnehmen. Doch Blume steigt nicht nur wegen seiner sozialen Kompetenz auf. Meriten hat sich der 49-Jährige durch den reibungslosen Aufbau der Fertigung des kleinen Geländewagens Macan in Leipzig verdient, den Absatzrekorden und den Ausbau des Hauptstandortes Zuffenhausen sowie den Einstieg in die Elektromobilität.

Und für das Porsche-Image auch nicht ganz unwichtig: Es gelang das Kunststück, die 24-Stunden von Le Mans und damit das wohl schwierigste Autorennen der Welt dreimal hintereinander zu gewinnen. Fortune und Geschick wird er auch in Wolfsburg brauchen, besonders im Umgang mit Herbert Diess. Und eines Tages auch noch das letzte Quantum Härte.