Der steile Absturz eines NBA-Superstars

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Der steile Absturz eines NBA-Superstars
Der steile Absturz eines NBA-Superstars
Der steile Absturz eines NBA-Superstars

Nach diesem einen Moment in den Playoffs der vergangenen NBA-Saison war klar, dass die Beziehung zwischen Ben Simmons und den Philadelphia 76ers keine lange Zukunft mehr haben wird. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

Im Halbfinale der Eastern Conference stand das entscheidende Spiel 7 gegen die Atlanta Hawks an. Bei gut drei Minuten auf der Uhr bekam der 25-Jährige die Chance, einen verhältnismäßig einfachen und offenen Dunk im Korb des Gegners unterzubringen.

Doch anstatt die einfachen zwei Punkte mitzunehmen, gab Simmons den Ball an Teamkollege Matisse Thybulle ab, der direkt gefoult wurde. Anstatt der zwei sicheren Punkte, die den Ausgleich bedeutet hätten, landete so nur ein Freiwurf im Korb.

Nach der verlorenen Partie, die gleichzeitig das Playoff-Aus bedeutete, kritisierten sogar Head Coach Doc Rivers und Superstar Joel Embiid den wurfscheuen Australier. So sagte Rivers auf die Frage, ob Simmons überhaupt ein Point Guard auf Meister-Niveau ist: „Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht.“

Wiederholt frühes Playoff-Aus

Center Embiid äußerte sich sehr ähnlich auf die Frage, wieso die Partie verloren gegangen war: „Ich will ehrlich sein. Ich dachte, der Wendepunkt war, als wir - ich weiß nicht, wie ich es sagen soll - als wir diesen weit offenen Wurf hatten, aber nur einen Freiwurf daraus gemacht haben.“

Inzwischen liegt das bittere Playoff-Aus bereits Monate zurück - doch die Situation um Simmons ist verfahren wie nie zuvor, zumal dessen Marktwert niedrig wie nie zuvor ist.

Nun berichtet ESPN, dass der 25-Jährige nicht zum Trainingsauftakt der Sixers in der kommenden Woche erscheinen wird. Stattdessen bevorzugt er einen Streik, fordert einen Trade und möchte nie wieder für die Franchise auf dem Parkett stehen.

Was dies für den Sportler bedeuten würde, vor allem finanziell, ist ihm dabei durchaus bewusst.

Hohe finanzielle Strafen drohen

Laut Artikel VI, Abschnitt 1 des Tarifvertrags würde ein Spieler, der seine Leistungen nicht erbringt, suspendiert. Zudem könnte ihm für jeden Tag, an dem er nicht erscheint, 1/145 seiner Grundvergütung als Strafe auferlegt werden.

Hochgerechnet auf das Gehalt des Guards würde er pro Trainingstag gut 227.000 US-Dollar verlieren – bei einer Woche mit sechs Trainingstagen macht dies rund 1,3 Millionen Dollar. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

Dies dürfte ihn allerdings zunächst nicht allzu sehr kümmern. Dank seiner speziellen Vertragsstruktur hat er bereits am 1. Juli 25 Prozent seines jährlichen Gehalts und damit 8,25 Millionen Dollar bekommen. Alleine davon könnte er diverse Streik-Wochen bezahlen.

Wie aber kam es überhaupt dazu, dass das ehemalige Gesicht der Franchise - neben Embiid - die 76ers unbedingt verlassen will?

Streit zwischen Simmons und Embiid?

Schon seit längerem schwelt bei der Franchise aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania ein Konflikt.

Haupt-Streitpunkt: Immer wieder reicht es in den Playoffs nicht für den großen Wurf, dabei ist das Team eigentlich stark besetzt. Es sei angemerkt, dass mehrfach einer der beiden Topstars auch verletzt nicht zur Verfügung stand.

Doch über das Verhältnis der Superstars Embiid und Simmons zueinander wird dennoch seit Jahren spekuliert - und nicht erst seit Embiids Aussage nach dem Playoff-Aus gegen die Hawks.

Embiid: „Liebe es, mit Ben zu spielen“

Kürzlich äußerte sich der aus Afrika stammende Center auf Twitter klar und deutlich.

„Hört auf, meinen Namen zu benutzen, um die Agenda anderer Leute voranzutreiben. Ich liebe und hasse Dramen. Ich liebe es, mit Ben zu spielen. Die Statistiken lügen nicht. Er ist ein großartiger Spieler und wir alle haben unseren Job nicht erledigt. Ich hoffe, dass alle zurückkehren, denn wir wissen, das wir gut genug sind, um zu gewinnen“, schrieb er im Hinblick auf den baldigen Trainingsstart.

Doch auch wenn es zumeist positive Statistiken zu vermelden gibt, wenn beide gemeinsam auf dem Court stehen, wirkt das Duo vor allem in den Playoffs immer wieder wie eine Zweckgemeinschaft, die nicht so richtig funktioniert.

So muss Embiid wiederholt aus der Distanz werfen, weil der wurfscheue Simmons es von da gar nicht erst versucht und stattdessen oft unter dem Korb geparkt wird. Und das, obwohl Embiid selbst unter dem Korb am besten ist.

Warriors sagen Simmons ab

Fragt sich nur, wie es weitergehen kann.

Im Sommer führten die Sixers bereits mit diversen Teams Gespräche, darunter sollen die Timberwolves, Raptors, Cavaliers, Pacers, Kings und Spurs sein. Auch Golden State galt als Kandidat, von den Warriors setzte es aber nun eine klare Absage.

„In gewisser Weise passt er nicht zu dem, was wir haben“, erklärte Teambesitzer Joe Lacob: „Er verdient eine Menge Geld, aber kann er am Ende von Spielen auf dem Court stehen? Ich weiß es nicht.“

Lacob weiter: „Er ist sehr talentiert, das Problem ist aber: Wir haben Draymond (Green, Anm. d. Red.). Draymond und er sind sich sehr ähnlich in der Hinsicht, dass keiner von beiden wirklich wirft, aber beide viel Playmaking übernehmen. Das ist ein Problem. Das andere ist die Gehaltsstruktur.“

Streik bringt 76ers in prekäre Situation

Diese dürfte auch in den Verhandlungen mit anderen Teams zum Problem werden.

Simmons steht noch vier weitere Jahre in Philly unter Vertrag und wird in dieser Zeit knapp 147 Millionen Dollar verdienen. Viel Geld für einen Spieler, der wenige Würfe nimmt - aber selbstverständlich defensiv eine Klasse für sich ist und auch als Spielmacher hilft.

Für Philadelphia ist die Situation daher problematisch – und das in mehrerer Hinsicht. Durch die Streik-Androhung des Point Guards müssen sie wohl solange auf eine wichtige Stütze des Teams verzichten, bis sie Simmons getradet kriegen.

Doch da auch jedes andere Team um den Streik und die prekäre Situation weiß, wird die Franchise in ihrer Verhandlungsposition enorm geschwächt und kaum ein starkes Trade-Angebot herausschlagen können.

Der erweiterte Mitfavorit braucht jedoch zwingend einen zweiten Superstar neben Embiid, um den Titel spielen zu können.

Beal oder Lillard als Ersatz?

Aus der Erfahrung heraus ist im Hinblick auf 76ers-Manager Daryl Morey aber eines klar.

Ein Deal nur um des Deals willen, wird es bei ihm sehr wahrscheinlich nicht geben. Vielmehr dürfte er alles dafür tun, um für den Australier einen hervorragenden Gegenwert zu erzielen.

In Frage kommen dabei vor allem zwei Spieler. Neben Wizards-Guard Bradley Beal, der aktuell wohl nicht verfügbar ist, wird vor allem ein Name gehandelt: Damian Lillard.

Der Superstar der Portland Trail Blazers könnte mit Embiid den Osten das Fürchten lehren. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)

Philly will Simmons nicht „verschenken“

Aber wie steht Lillard zu einem Wechsel seines Arbeitgebers?

Zu Beginn des Sommers erklärte er, er habe nicht das Gefühl, dass die Blazers einen Titelkader hätten und forderte Verstärkungen. Passiert ist in der Offseason allerdings wenig, was Portland auch nur in den erweiterten Favoritenkreis bringt.

Solange sich an dieser Front allerdings nichts bewegt oder ein anders Team mit einem beachtlichen Angebot für Simmons aufwartet, kann es daher sein, dass der Australier auf absehbare Zeit in Philadelphia verweilen wird.

Denn mehr oder weniger verschenken werden die Sixers den dreimaligen All-Star mit Sicherheit nicht wollen.

Das Theater in Philadelphia dürfte also noch eine Weile weitergehen.

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