Was für Deutschland gegen Norwegen auf dem Spiel steht

Martin van de Flierdt, Jochen Stutzky
Mats Hummels (l.) erzielte gegen Tschechien den späten Siegtreffer für Deutschland

Joachim Löw gab sich erst gar keine Mühe, seinen Unmut zu verbergen. "Ich bin sehr, sehr angefressen, dass einige sogenannte Fans die Bühne des Fußballs benutzen, um mit ihrem oberpeinlichen Auftreten viel Schande über unser Land zu bringen", beschrieb der Bundestrainer sehr deutlich seine Gemütsverfassung.

Die Pöbeleien im deutschen Fanblock beim 2:1-Erfolg der DFB-Auswahl in Prag gegen Tschechien hatten die Schlagzeilen des Wochenendes bestimmt. Gegen Norwegen (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) gilt es, den hässlichen Eindruck zu korrigieren.

SPORT1 beantwortet die Fragen zum WM-Qualifikationsspiel in Stuttgart.

Ist in Stuttgart erneut mit Krawallmachern zu rechnen?

Das lässt sich weitgehend ausschließen. Denn der DFB hat über den Fanclub Nationalmannschaft bei der Kartenvergabe für Heimspiele den Daumen drauf. Wer mit einem Stadionverbot vorgemerkt ist, erhält keine Tickets.

Das Problem in Prag entstand daraus, dass der Fanclub nur das Kartenkontingent eines der beiden deutschen Fanblöcke verwaltete. Die deutschen Hooligans organisierten ihre Karten über eine tschechische Bezugsquelle.

Ob der DFB aufgrund der Vorfälle im Nachhinein noch eine Bestrafung seitens der FIFA erhält, wird derzeit geprüft. Die FIFA habe die Angelegenheit auf dem Schirm, versicherte eine Sprecherin des Weltverbands SPORT1. Die Fans in Stuttgart sind nun aufgerufen, der Fußballwelt wieder das von Löw hoch gehaltene Bild eines "respektvollen, toleranten, weltoffenen Deutschlands" zu präsentieren.

Wie wird Timo Werner empfangen?

Zu diesem Bild würde passen, dass die schwäbischen Fans den andauernden Pöbeleien gegen ihren ehemaligen großen Hoffnungsträger ein Ende setzen – trotz dessen Wechsels zu RB Leipzig vor einem Jahr.


"Timo ist nach dem Abstieg gegangen", sagte Löw. "Das mag VfB-Fans nicht gefallen, ist aber völlig legitim."

Dass er weiterhin für seine Schwalbe im Leipziger Spiel gegen Schalke ausgepfiffen wird, kann der Bundestrainer ohnehin nicht verstehen. "Oberpeinlich. Das ist nicht angebracht. Ich kann nur einen Appell richten, dass man Spieler, die für Deutschland spielen, respektvoll behandelt."

Experimentiert Löw erneut bei der Aufstellung?

Im Vergleich zum Spiel in Tschechien hat der Bundestrainer "auf jeden Fall zwei, drei Veränderungen" in der Startelf angekündigt. Dabei sei ihm "relativ wurscht, wer auf welcher Position ist. Aber die Positionen müssen besetzt sein."

Eine Einsatzgarantie hat Julian Draxler erhalten, der wohl für Mesut Özil oder Lars Stindl in die Mannschaft kommen wird.


Sami Khedira hat nach abgeklungener Kniereizung das Abschlusstraining mitgemacht und steht für einen Einsatz an alter Wirkungsstätte bereit. Versucht es Löw erneut mit dem in Prag getesteten 3-3-2-2, bekäme im Zweifel Toni Kroos eine Pause.

Offen ist zudem der dritte Verteidiger neben Joshua Kimmich und Mats Hummels. Auf der rechten Außenbahn könnte Amin Younes an Stelle von Julian Brandt eine Chance erhalten.

Die voraussichtliche Aufstellung: Ter Stegen - Kimmich, Hummels, Rüdiger - Younes, Khedira, Hector - Müller, Draxler - Stindl, Werner.

Kann sich Deutschland schon für die WM qualifizieren?

Ja, aber nicht ohne Schützenhilfe. Ein eigener Sieg ist die Grundlage. Lässt dann der Gruppenzweite Nordirland gegen Tschechien Punkte liegen, ist das deutsche Ticket für Russland 2018 gebucht.

Dass Norwegen für seine Mannschaft zum Stolperstein werden könnte, glaubt der Bundestrainer nicht: "Mich interessiert Norwegen bei allem Respekt nur bedingt."

Es geht ihm primär um eine Verbesserung des eigenen Auftretens im Vergleich zu Freitag - auf dem Platz und auf den Rängen.