Stehen Staatsanleihen vor einem Crash und was sind die Alternativen?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Bär im Anzug steht vor sinkendem Kurs Börsencrash Crash an der Börse
Bär im Anzug steht vor sinkendem Kurs Börsencrash Crash an der Börse

Staatsanleihen waren lange Zeit ein sehr bequemer Weg, 6 % oder mehr Rendite zu erzielen. 1981 konnten sich Anleger sogar mehr als 11 % Rendite sichern. Sie mussten die Anleihen nur kaufen und bis zum Laufzeitende halten. Den hohen Zinsen ging in den 1970iger-Jahren eine stärkere Inflation voraus, die später über eine deutliche Zinsanhebung reguliert wurde.

Staatsanleihen werden immer unattraktiver

Staatsanleihen sind also in bestimmten Situationen sogar Aktien vorzuziehen, nämlich dann, wenn sie günstiger als Aktien bewertet sind. Seit 1981 sind die Zinsen allerdings im Zeitverlauf stetig immer weiter gesunken. Aktuell liegt die Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe bei -0,605 % (04.01.2021).

Wer also heute einsteigt, macht bis zum Laufzeitende sogar Verlust. Dennoch wird sie immer noch gekauft. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Rendite bisher stetig weiter sank, wovon der Anleihenkurs profitierte. Viele Anleger schauen wahrscheinlich auch einfach auf die vergangene Entwicklung und gehen davon aus, dass sie sich geradlinig in der Zukunft so fortsetzen wird. Dies könnte ein Irrtum sein.

Doch wie weit kann die Rendite noch in den Negativbereich fallen? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. So können sich beispielsweise hoch bewertete Aktien in einer Übertreibungsphase ebenfalls noch einmal im Wert verdoppeln, bevor sie letztendlich zu ihrem wahren inneren Wert zurückkehren.

Wann dreht die Entwicklung?

Eines ist jedoch klar: Je negativer die Rendite wird, desto weniger Investoren werden sich finden lassen, die Bundesanleihen weiterhin kaufen. Zudem werden viele Anleger im Laufe der Zeit bemerken, dass sie ein Fehlinvestment getätigt haben, und dann vielleicht vorzeitig mit Verlust verkaufen.

Staatsanleihen notieren derzeit nicht nur negativ, sie sind ebenfalls einem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt, wodurch sie zusätzlich an Wert verlieren könnten. Ob die Anleger ihre Anleihen in einem solchen Fall bis zum Laufzeitende halten, ist fraglich.

Oft entladen sich Blasen schlagartig. So könnte die Inflation in nächster Zeit infolge der enormen Stützungsprogramme sowie der Ausweitung der Zentralbankbilanz stärker steigen und so zu sprunghaft steigenden Leitzinsen führen. Sorgen bereiten ebenfalls die zunehmenden Staatsschulden, die infolge der Coronavirus-Krise angehäuft wurden. Ob sie so schnell wie erhofft wieder abgebaut werden können, muss die Zukunft zeigen.

Bisher taten sich allerdings viele Länder mit dem Abbau einer hohen Verschuldungsquote sehr schwer. So steigt mit zunehmenden Staatsschulden die Zinslast, sodass die Schuldenrückzahlung immer schwieriger wird. Ein Teufelskreis, der häufig unterschätzt wird.

Staatsanleihen könnten also langsam an einem Wendepunkt angekommen sein. Unklar ist nur, aus welchem Grund die Renditen wieder steigen werden und wie schnell dies geschehen wird.

Mögliche Alternativen

Doch welche Alternativen gibt es derzeit noch zu hoch bewerteten Staatsanleihen?

Da Investieren das Vergleichen von Anlagealternativen bedeutet, kommen grundsätzlich alle Werte infrage, die eine bessere Rendite beziehungsweise eine günstigere Bewertung aufweisen. Sie sind derzeit immer noch im Aktienbereich oder bei Immobilien zu finden. Wir präsentieren an dieser Stelle regelmäßig entsprechende Werte. So zahlen derzeit viele Aktien noch Dividendenrenditen von 2 % oder mehr und bieten zugleich ein stabiles Geschäftsmodell.

Gold scheint dagegen aktuell schon eine höhere Inflation und Staatsverschuldung einzupreisen. Es ist allerdings aufgrund der fehlenden Zinsen und Erträge mit herkömmlichen Methoden nicht bewertbar.

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