Was steckt hinter dem Umsatzrückgang von Amgen im dritten Quartal

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Als Amgen (WKN:867900) im Juli die Ergebnisse für das zweite Quartal bekannt gab, wurde das anämische Umsatzwachstum von der soliden Ertragssteigerung des Unternehmens und der verbesserten Prognose für das Gesamtjahr überschattet. CEO Robert Bradway zeigte sich optimistisch, dass die neueren Produkte von Amgen den Umsatzrückgang bei den älteren Medikamenten mehr als ausgleichen würden.

Dieser Optimismus wurde auf die Probe gestellt, als Amgen am Mittwoch die Ergebnisse für das dritte Quartal nach Börsenschluss bekanntgab. Diesmal gab es allerdings kein lauwarmes Umsatzwachstum und eine prozentual zweistellige Ergebnissteigerung. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, das Ergebnis wuchs weniger stark als im zweiten Quartal des Vorjahres. Hier die Gründe, warum sich die Zahlen so verschlechtert haben.

Nach Zahlen

Beginnen wir mit den Zahlen selbst. Amgen meldete einem Umsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal. Dies spiegelt einen Rückgang um 1 % gegenüber dem Vorjahresquartal wider. Der Umsatz lag ebenfalls auf dem Niveau des Vorjahresquartals.

Während der Umsatz stagnierte, verbesserte sich das Ergebnis des Unternehmens leicht. Der GAAP-Gewinn pro Aktie stieg gegenüber dem Vorjahr um 3 % auf 2,76 US-Dollar. Amgen erzielte einen Nicht-GAAP-Gewinn pro Aktie von 3,27 US-Dollar und lag damit 8 % über dem Vorjahresergebnis. Das lag jedoch deutlich unter dem GAAP-Gewinnanstieg pro Aktie von 18 % und der Steigerung des Nicht-GAAP-Gewinns je Aktie um 15 %, die das Unternehmen im zweiten Quartal angekündigt hatte.

Es gab einen Bereich, in dem Amgen im dritten Quartal gute Ergebnisse lieferte. Das Biotech erwirtschaftete im Berichtszeitraum einen freien Cashflow von 3,3 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum betrug der freie Cashflow von Amgen 2,5 Milliarden US-Dollar und in Q2 2017 2,1 Milliarden US-Dollar.

Hinter den Zahlen

Jetzt zu den Gründen. Der Umsatzrückgang resultierte vor allem aus rückläufigen Umsätzen bei den beiden Spitzenmedikamenten Enbrel und Neulasta. Der Umsatz von Enbrel sank im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 6 % auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Amgen verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatz von 1,1 Milliarden US-Dollar für Neulasta, ebenfalls 6 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Für die geringere Nachfrage nach den beiden Medikamenten führte das Unternehmen die geringere Nachfrage an.

Die Verkäufe von Epogen und Neupogen sanken um 21 % bzw. 25 % gegenüber dem gleichen Quartal 2016. Die Herausforderungen für Epogen resultieren im Wesentlichen aus niedrigeren Verkaufspreisen aufgrund eines ausgehandelten Vertrags mit einem großen Dialyseanbieter. Der Marktanteil von Neupogen wird durch den Wettbewerb mit Biosimilars untergraben. Darüber hinaus sank der Umsatz bei Aranesp und Xgeva im unteren einstelligen Prozentbereich.

Es gab aber auch Positives. Der Umsatz des Leukämiemedikaments Blincyto stieg um 79 % auf 52 Millionen US-Dollar. Amgen verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatz von464 Millionen US-Dollar für Prolia, ein Plus von 22 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz von Kyprolis stieg um 13 % auf 207 Millionen US-Dollar. Das Wachstum bei diesen Präparaten reichte jedoch nicht aus, um die Schwäche bei Amgens Spitzenprodukten auszugleichen.

Dennoch gelang es Amgen, die Ertragslage durch Ausgabenkonsolidierung zu verbessern. Die Forschungs- und Entwicklungskosten sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 %, während die Vertriebs- und allgemeinen Verwaltungskosten um 6 % zurückgingen.

Das Unternehmen verbesserte auch die Inkassoabwicklungen, was den Geldeingang und damit den freien Cashflow erhöhte. Zudem reduzierte das Unternehmen die Barausgaben, wodurch der Cashflow aus dem operativen Geschäft geringer ausfiel.

Blick nach vorn

Amgen erhöhte seine Nicht-GAAP-Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2017 auf 12,50 US-Dollar bis 12,70 US-Dollar. Zuvor war man von 12,15 auf 12,65 US-Dollar ausgegangen. Das Unternehmen reduzierte auch seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 22,7 bis 23 Milliarden US-Dollar. Das vorhergehende untere Ende des Ausblicks betrug 22.5 Milliarden US-Dollar.

Es gibt kurzfristig aber ein paar negative Einfüsse. Erwarte lieber nicht, dass sich die Situation für Enbrel, Epogen und Neupogen verbessern wird. Die Hoffnungen des Unternehmens, Amjevita, ein Biosimilar zu Humira,auf den Markt zu bringen, sind aufgrund eines Übereinkommens mit AbbVie gering. Amjevita wird im Oktober 2018 in Europa zum Verkauf angeboten, wird aber erst am 31. Januar 2023 in den USA.

Darüber hinaus gibt es offene Fragen. Robert Bradway sagte im September, dass Repatha für das Unternehmen nach wie vor eine große Chance sei. Das war bisher nicht der Fall. Jedoch soll die Food and Drug Administration eine vorrangige Überprüfung der Ergebnisse des hochpreisigen Cholesterin-Medikaments bis zum 2. Dezember 2017 vornehmen. Wenn alles gut läuft, könnte ein lang erwarteter großer Umsatzsprung für Repatha kommen. Amgen erwartet auch wichtige Entscheidungen der FDA für Kyprolis, Prolia und ein Biosimilar zu Herceptin.

Möglicherweise ist die größte Frage, was Amgen mit seinen Barmitteln in Höhe von 41,4 Milliarden US-Dollar vor hat. Ich erwarte, dass das Unternehmen damit einige Übernahmen vornehmen wird. Die richtigen Käufe könnten es Amgen ermöglichen, schneller neues Wachstum zu generieren.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 25.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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