Das steckt hinter dem neuen Berliner Asia-Liefermarkt Gotiger

Im Sortiment von Gotiger befinden sich Hunderte Lebensmittel aus dem asiatischen Raum. - Copyright: Gotiger
Im Sortiment von Gotiger befinden sich Hunderte Lebensmittel aus dem asiatischen Raum. - Copyright: Gotiger

Eigentlich ist das Berliner Startup Gotiger erst Anfang Juli offiziell gestartet. Davor war der Lieferdienst für asiatische Lebensmittel noch in der Testphase, Aufmerksamkeit bekam das Gründerteam dennoch genug. Von Influencern auf Instagram, von Medien und auch in der Startup-Szene. Denn einen Online-Supermarkt für Dumplings, Udon-Nudeln und Pak Choi gab es in Deutschland bislang nicht. Gotiger hat vorigen Monat obendrein den Berliner Lieferdienst Bring aufgekauft.

Der 10-Minuten-Lieferdienst Gorillas hat hierzulande eine Bewegung in Gang gesetzt, die immer neue Geschäftsmodelle hervorbringt. Ende letzten Jahres gingen mehrere Online-Supermärkte an den Start, die sich auf eine türkisch-arabische Kundschaft fokussieren. Mit Gotiger gibt es nun ein Startup, das lediglich asiatische Produkte im Sortiment listet. Zielgruppe seien allerdings nicht die drei Prozent der deutschen Bevölkerung, die asiatischer Herkunft sind, sagt Mitgründer Cathal Corcoran zu Gründerszene.

Gründerteam aus Ex-Gorillas-Managern

„Das große Potenzial sehen wir bei denjenigen, die asiatisch essen gehen und lieber in der asiatischen Abteilung von regulären Supermärkten einkaufen, anstatt in Fachgeschäften.“ Dem Unternehmen nach ein Multimillionenmarkt. Gotiger bietet daher Lebensmittel aus der asiatischen Küche in der App an und stellt obendrein passende Rezepte bereit.

Der gebürtige Ire Corcoran hat im Frühjahr das Gründungsteam von Gotiger ergänzt, als Initiatoren starteten wenige Wochen zuvor Moritz Fritzen, Yang Zou und David Damjakob. Corcoran hat 19 Jahre bei Lidl gearbeitet und dort zuletzt für den Einkauf im irischen Markt geleitet. Im Frühjahr letzten Jahres heuerte er bei Gorillas als Commercial Director an und sollte den deutschen Markt voranbringen. Sein Mitgründer Fritzen kommt ebenfalls von Gorillas und verantwortete dort das globale Brand Management, also den Markenauftritt. Zuvor arbeitete er bei Facebook. Zou hat mehrere Firmen gegründet und ist auch als Angel-Investor aktiv. Damjakob war Unternehmensberater bei McKinsey. Neu mit eingestiegen ins Gründerteam ist außerdem James Vosper-Robinson, ebenfalls vorher bei Gorillas tätig und unter anderem der Taxi-App Free Now.

Die ersten Bestellungen lieferte das Team im April aus. In der App listete Gotiger damals eigenen Angaben zufolge 370 Waren, vor allem Tiefkühlkost. Bis dato arbeitete sich das Liefer-Startup auf 800 Produkte hoch. In der Testphase habe das Unternehmen bis zu 60 Einkäufe am Tag ausgefahren. Kurierfahrer nutzt Gotiger dabei von Subunternehmen. Die fahren die Bestellungen innerhalb von zwei Stunden aus, so das Versprechen.

Höhere Margen als etwa Gorillas

Die Nahrungsmittel importieren die Berliner von diversen Händlern aus Asien, frisches Gemüse und Obst kommen aus Europa. Nicht selten sei der Warenkorb über 100 Euro groß – diesen Wert zu halten, das sei das mittelfristige Ziel, so Corcoran. Zum Vergleich: Bei Gorillas etwa lag der durchschnittliche Wert im vorigen Jahr bei rund 20 Euro. Nach etwa drei Monaten am Markt, überwiegend in der Testphase, will das Gotiger-Team noch keine Angaben zum Einkaufsverhalten und den Umsatzzahlen machen. Aber: „Der Warenkorbwert steigt signifikant“, sagt der ehemalige Gorillas-Director.

Der Vorteil des Startups sei, dass es keine direkten Wettbewerber gebe und die Kunden die Preise von Mochi-Eis und Tiefkühl-Dumplings in der Regel nicht kennen würden. Anders etwa als bei typischen Supermarktprodukten wie Butter oder Milch. Daher könne Gotiger höhere Margen als andere Online-Supermärkte verlangen. E-Commerce-Experten betrachten diese Nischenmodelle allerdings skeptisch, Gorillas und Flink listen solche Asia-Produkte beispielsweise auch. Dementsprechend hätten die Nutzer keinen Grund, die App zu wechseln.

Gotiger stört das nicht. In Zukunft will die Firma auch Eigenmarken anbieten. Diesen Weg sind bereits Gorillas und Flink gegangen, die eigenen Produkte können höhere Margen einbringen und auf dem Weg zum Break-even helfen. Obendrein müssen diese Produktkategorien nicht extra teuer aus dem asiatischen Ausland importiert werden. Und Kunden würden ohnehin kaum Marken aus Asien kennen, sodass es keine Bindung zu bestimmten Labels gebe, sagt Corcoran.

Übernahme eines Konkurrenten bringt Warenlager

Einen ersten großen Schritt in Richtung Wachstum ist Gotiger im Juni gegangen. Das junge Startup hat den Berliner Lieferdienst Bring übernommen. Der Online-Supermarkt ist im Gorillas-Hype entstanden und hat bis vor Kurzem Einkäufe in Berlin binnen 30 Minuten ausgeliefert, sowohl mit Autos als auch Fahrrädern. Gegründet wurde Bring Ende 2020 vom Taxiunternehmer Orhan Mertyüz. In Berlin betrieb Bring zwei zentral gelegene Warenhäuser, die nun in den Besitz von Gotiger übergehen. Das Asia-Startup hatte vorher nur einen kleinen Raum gemietet und kann sich somit vergrößern. Ein reiner Asset-Deal, wie der Gotiger-Mitgründer erklärt. Mehr möchte er nicht verraten, auch nicht über die Höhe des Deals. Bring will die Übernahme auf Gründerszene-Nachfrage nicht kommentieren.

Die Übernahme stemmte die Berliner Tech-Firma mithilfe ihres Seed-Investments. Im April holte sich das Gründerteam Geld vom Wiener Frühphasen-VC Speedinvest, Gorillas-Investor Shio Capital und Business Angels wie der Kitchen-Stories-Mitgründerin Mengting Gao. Wie lange die Finanzspritze reicht und wie viel Geld geflossen ist, darüber will sich Corcoran nicht äußern.

Das Marktumfeld für Wachstumsunternehmen ist gerade schwierig und auch Vorreiter wie Gorillas und Getir straucheln. Wagniskapitalgeber sind daher besonders vorsichtig, wenn es um kapitalintensiven Geschäftsmodelle im Liefergeschäft geht. Corcoran zeigt sich dennoch zuversichtlich, mit Gotiger weiter finanziert zu werden.

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