Das steckt hinter Lewandowskis Transfer-Ansage

Robert Lewandowski ist ein ehrlicher Profi. Ein Profi, der sogar dann kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn ihn ein Vorgesetzter einbremst. Und schon einmal gar nicht, wenn er sich im Kreise seiner Nationalmannschaft aufhält und seine Meinung frei äußern kann, ohne dafür eine Genehmigung seines Arbeitgebers zu benötigen.

Der Pole hat den Beginn der Länderspielpause genutzt, um seiner viel diskutierten Generalkritik an der Transferphilosophie des FC Bayern vor zwei Monaten Nachdruck zu verleihen und gezielte Verstärkungen von seinem Arbeitgeber zu fordern.

Zwar betonte Lewandowski zu Beginn des Gesprächs mit der Nachrichtenagentur Reuters in Warschau, man habe aktuell "ein gutes Team". Doch dann folgte das große Aber: "Die Spieler werden älter. Wir sollten uns nichts vormachen, jeder Klub braucht alle zwei, drei Jahre Top-Spieler, um das Team zu erneuern. Um neues Blut, neue Qualität reinzubringen."

"Der FC Bayern muss sich etwas ausdenken"

Man müsse sich vor Augen führen, "wie viel manche Klubs für Spieler zahlen", sagte er und richtete sich direkt an den Vorstand: "Wenn der FC Bayern um die besten Spieler kämpfen will, muss er kreativer sein und sich etwas ausdenken."


Aussagen, die Erinnerungen an das umstrittene Interview von Lewandowski im Spiegel im September wach rufen. Damals monierte er am Rande des Länderspiels gegen Kasachstan, dass sein Klub bisher nie mehr als 40 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben habe.

Diese Summe sei "im internationalen Fußball heutzutage eher Durchschnitt als Spitzenwert", meinte Lewandowski. Es war die erste indirekte Aufforderung, Transfers in der Größenordnung zu tätigen, von denen sich der Klub stets distanziert hat. Sprich: für 80, 90 oder gar 100 Millionen.

Droht jetzt Ärger mit Rummenigge?

Die Verantwortlichen des Rekordmeisters reagierten auf das nicht autorisierte Interview sehr unterschiedlich. Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic spielten die Worte des Angreifers herunter, während Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihn öffentlich zurechtwies und ihm "Stress" drohte, sollte er seine Kritik erneuern.

Das tat er nun. Und doch muss Lewandowski keine Konsequenzen wie die von Rummenigge in Aussicht gestellte Verbannung auf die Tribüne der Allianz Arena befürchten. Unabhängig von seiner sportlichen Wichtigkeit ist seit dem Spiegel-Interview einfach viel zu viel Positives an der Säbener Straße passiert.

Der auch von Lewandowski angezählte Carlo Ancelotti musste sein Amt als Cheftrainer räumen. Und mit dessen Nachfolger Jupp Heynckes eroberte die Mannschaft dank sieben Siegen in Folge ihre kurzzeitig verlorene Vormachtstellung in Deutschland zurück.

Lewandowski trug mit seinen Toren einen Großteil zur Trendwende bei. Der vorläufige Saison-Höhepunkt war der dominante 3:1-Sieg in Dortmund, bei dem der Angreifer per Hacke traf.

Lewandowski sorgt sich um sein großes Ziel

Es gibt keinen Grund zum Ärger. Lewandowski geht es mit seiner neuerlichen Ansage auch gar nicht um die Gegenwart, sondern vielmehr um die Zukunft.

Schließlich ist der Vorstand darum bemüht, seinen kurzfristigen Wunsch zu erfüllen und im Winter einen weiteren Mittelstürmer zu verpflichten, der ihn entlastet und vor ermüdungsbedingten Verletzungen schützt.


Im kommenden Sommer aber droht erneut ein Umbruch, weil Verträge von Leistungsträgern wie Arjen Robben oder Franck Ribery auslaufen. Selbst wenn das Offensiv-Duo noch verlängert, wird sich die Frage nach Neuzugängen stellen. Acht Spieler im Kader kratzen an der 30 oder sind älter. Dazu zählt auch der 29 Jahre alte Lewandowski.

Der Torgarant sorgt sich um Bayerns sportliche Wettbewerbsfähigkeit - und sein großes persönliches Ziel: die Champions League.

Deshalb hat er die Bayern-Bosse erneut darauf aufmerksam gemacht, aufzurüsten. Kreativer zu sein. Oder anders gesagt: "Den Wahnsinn", wie Uli Hoeneß ihn nennen würde, bis zu einem gewissen Grad mitzumachen.