Das steckt hinter Keitas Brutalo-Foul

Kerry Hau, Rasmus Godau, Nico Pommerenke

Naby Keita war sichtlich gereizt.

Sein Mitspieler Diego Demme hatte ihn gerade während eines Trainingsspiels unsanft zu Fall gebracht.

Es war ein normales Foul, das Keita möglicherweise auch als solches interpretiert hätte, wäre der FC Liverpool nicht wenige Minuten zuvor offiziell aus dem Transfer-Rennen um ihn ausgestiegen.

Reagierte der Mittelfeld-Star von RB Leipzig deshalb mit einem überharten Revanchefoul an Demme? Kann sein, muss aber nicht.

Keita galt als Klopps Wunschspieler

Sicher ist nur: Sein Frust nach seinem geplatzten England-Wechsel ist groß.

Nach einer großartigen Saison, die ihn vom No Name zu einem der besten Bundesliga-Spieler katapultierte, wollte er seine Zelte in Leipzig unbedingt für das Abenteuer Premier League abbrechen.

Jürgen Klopp buhlte wochenlang um den 22-Jährigen. Er galt als absoluter Wunschspieler des Liverpool-Trainers, sollte das Herzstück des Mittelfelds der Reds werden.

Doch selbst eine 83 Millionen Euro schwere Offerte der Briten, die ihn zu einem der zehn teuersten Spieler aller Zeiten gemacht hätte, ließ die RB-Bosse kalt.


"Wir geben keinen Leistungsträger ab", stellte Ralf Rangnick immer wieder klar und verwies auf Keitas Vertrag bis 2020. Der Sportdirektor des Vizemeisters blieb - ebenso wie bei Emil Forsberg - standhaft. 

Mateschitz erklärt Nein zu Keita-Transfer

"Ihn zu verkaufen, wäre nicht nur ein Misstrauensbeweis für unsere Fans", betonte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zuletzt in der Sport Bild, "sondern auch ein falsches Zeichen für unsere anderen Spieler wie beispielsweise Timo Werner, der ebenfalls begehrt ist."

Dafür nehmen die RB-Bosse wohl auch das eine oder andere Scharmützel im Training in Kauf.

Demme hatte Glück im Unglück. Er erlitt nur eine Prellung am Knie und keine Bänder- oder Meniskusverletzung.


"Ich bin ein Fan davon, wenn es zur Sache geht, aber in dem Moment hat Naby ein bisschen über dem Limit agiert", übte Leipzigs Kapitän Willy Orban bei SPORT1 Kritik an dem Mann aus Guinea.

Um den Eklat im österreichischen Trainingslager schnell herunterzudimmen, veröffentlichte der Verein noch am Abend ein Video.

Es zeigte Keita, wieder entspannt statt empört, am Krankenbett von Demme sitzend und dessen Knie gelinde tätschelnd.

"Alles gut", sagte der Übeltäter und lächelte in die Kamera. 


Für Nationalspieler Demme mag nach der Entwarnung der Mannschaftsärzte wirklich "alles gut" sein. Für Keita eher nicht.