Das steckt hinter Bayerns Ärzte-Zoff

Kerry Hau, Martin Volkmar, Stefan Kumberger

4:0 gegen Mainz, 3:0 auf Schalke. Wenn so eine Krise aussieht, dann nimmt sie Carlo Ancelotti wohl mit einem zufriedenen "Grazie mille" entgegen.

Beim FC Bayern ist nach holprigen Wochen mit öffentlichen Unmutsbekundungen einiger Stars zumindest aus sportlicher Sicht wieder Ruhe eingekehrt.

Auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (Fr., ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) musste sich der Trainer dann aber doch eine kritische Frage gefallen lassen.

Gaben er und sein medizinischer Stab Manuel Neuer zu früh grünes Licht für ein Comeback?

Der Nationaltorwart hatte sich bekanntlich zu Wochenbeginn zum zweiten Mal binnen eines halben Jahrs einen Haarriss im linken Mittelfußknochen zugezogen.

"Wir treffen solche Entscheidungen immer gemeinsam. Und alle Beteiligten stimmten zu", beteuerte Ancelotti.


"Der beste Fitnesstrainer der Welt"

Neuers Ausfall sei eine "riesige Enttäuschung" für den Coach. Denn der 31-Jährige ist eben nicht nur der Kapitän, sondern auch "der beste Torhüter der Welt", sagte der Italiener, "und fehlt uns jetzt mindestens drei Monate".

Die Schuld an der Verletzung wollte er niemandem zuschieben. Schon gar nicht Giovanni Mauri.

Der Fitnesstrainer war von vielen Kritikern als Hauptverantwortlicher für das Neuer-Aus ausgemacht worden.

"Giovanni Mauri", sagte der zuvor noch ziemlich gut gelaunte Ancelotti mit finsterer Miene, "ist der beste Fitnesstrainer der Welt. Ich bin nicht von gestern. Ich habe 30 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft. Und es gibt keinen besseren Fitnesstrainer als Giovanni".


Chefarzt Braun stark in der Kritik

Mauri habe überhaupt keinen Einfluss auf Neuers Comeback gehabt, erklärte Ancelotti. Er, die Mannschaftsärzte und letztlich auch der ungeduldige Spieler selbst seien die Entscheidungsträger gewesen.

"Es ist unglücklich gelaufen. Wir müssen weitermachen", beendete Ancelotti die Neuer-Debatte. Zumindest in der Öffentlichkeit.

Intern, so viel ist sicher, wird die Verletzung weiter für Diskussionsstoff sorgen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei den Bayern-Bossen Unstimmigkeiten über die Aufstellung des Ärzteteams herrschen.


Präsident Uli Hoeneß, heißt es, würde gerne wieder Koryphäe Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zurückholen.

Seit dessen Abschied im Jahr 2015 nach mehreren Meinungsverschiedenheiten mit Ex-Coach Pep Guardiola ist Dr. Volker Braun der Chefarzt des Rekordmeisters.

Kehrt Müller-Wohlfahrt zurück?

Doch dieser wird skeptisch beäugt. Viele Stars wie Jerome Boateng oder Arjen Robben lassen sich nach wie vor in Müller-Wohlfahrts Praxis in der Münchner Innenstadt untersuchen.

Und Neuer entschied sich am Montag, nachdem er seinen letzten Mittelfußbruch unter Brauns Leitung konservativ behandelt hatte, für eine Operation bei Professor Dr. Ulrich Stöckle in Tübingen - auf Anraten von Müller-Wohlfahrt.

Wie der kicker berichtet, muss Braun vorerst nicht um seinen Stellung fürchten. Die Zukunft der aktuellen medizinischen Abteilung werde aber am Ende der Saison ein Thema sein.

Dann wird mit Sicherheit auch intern wieder mal über Ancelotti-Kumpel Mauri diskutiert. Der 60-Jährige steht nicht nur wegen seiner in die Jahre gekommenen Trainingsmethoden unter der strengen Beobachtung von Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Zigaretten-Ärger um Mauri

Dieser erwischte Mauri zuletzt beim Rauchen im Kabinentrakt und verbat dem gesamten Staff, sogar Ancelotti, das Rauchen von Zigaretten. Mauri legte sich daraufhin eine E-Zigarette zu.

Salihamidzic und den Bossen muss allerdings klar sein, dass Mauri für Ancelotti unantastbar ist. Er arbeitet seit Jahrzehnten mit ihm zusammen, vertraut ihm blind.


Als Real Madrids Präsident Florentino Perez ihm im Sommer 2015 anbot, als Trainer weiterzumachen, wenn Mauri geht, lehnte Ancelotti ab.

Seine "Familie", so nannte er sein Trainerteam einmal, ist ihm heilig.