Startup eines 21-Jährigen verkauft umgebauten VW-Käfer – für 570.000 Euro

Quietsch-Gelb und sauteuer: Eine mögliche Farbauswahl für den geplanten Käfer-Restomod des Leipziger Startups Milivié. Dahinter steckt der 21-Jährige Jonathan Engler. - Copyright: Milivie
Quietsch-Gelb und sauteuer: Eine mögliche Farbauswahl für den geplanten Käfer-Restomod des Leipziger Startups Milivié. Dahinter steckt der 21-Jährige Jonathan Engler. - Copyright: Milivie

In den letzten Wochen sorgte das Startup Milivié aus Leipzig in vielen Automagazinen für Schlagzeilen. Das Jungunternehmen will 22 alte VW-Käfermodelle (genau genommen den Käfer 1303) modernisieren und restaurieren. Für Aufmerksamkeit sorgte dabei vor allem der astronomische Verkaufspreis von 570.000 Euro, der gleichzeitig nur Einstiegspreis ist: Jeder Milivié-Käfer soll gegen einen Aufpreis farblich und technisch an seinen Käufer angepasst werden können.

Hinter der Idee des Luxus-Beetles steckt der 21-jährige Jonathan Engler. Der studierte Motorsport-Ingenieur restaurierte schon immer gerne Young- und Oldtimer, wie er Gründerszene gegenüber sagt.

Beim Milivié plant er allerdings nicht nur eine Restaurierung, sondern auch eine komplette Modernisierung, sowie Design-Anpassungen des In- und Exterieurs. Als Antrieb dient dem umgebauten Käfer dann der Motor eines Porsche 964 Carrera 2, am Lenkrad sollen sich Besitzer im manuellen Fahrmodus über an sie angepasste Carbon-Schaltwippen freuen. In der Autobranche sind solche nicht originalgetreu umgebauten Oldtimer bekannt als „Restomods”, einem Kunstwort, das sich aus Restaurieren und Modifizieren zusammensetzt.

Porsche-Restomods aus Kalifornien sind Verkaufsschlager

Die Oldies mit den modernen Upgrades und besserem Komfort liegen im Trend und das Geschäftsmodell dahinter gilt als äußerst lukrativ. Die wohl erfolgreichsten Restomods werden seit einiger Zeit in Kalifornien gebaut: Das amerikanische Unternehmen Singer restauriert und modernisiert hier schon seit 2009 alte Porsche Modelle der 911-Baureihe 964 aus den Jahren 1988 bis 1994. Die alten Fahrzeuge verlassen die Werkstatt in Los Angeles mit modernster Elektronik, leistungsstarken Motoren und frischgebackenen Karosserien aus Carbon.

Wer einen „Singer 911”-Restomod in die eigene Garage fahren will, kann mindestens mit einem Einstiegspreis wie dem des Milivié rechnen. Dafür bekommen Kunden allerdings ein Luxusauto, einen Porsche-Rennwagen mit Motorenleistungen jenseits der 400 PS. Der Milivié soll laut Engler mit einem 2,28 Liter Motor ausgestattet werden, mit einer geplanten Leistung von 175 PS.

„Sich als Trittbrettfahrer im Luxussegment zu bewegen, mit technischen Komponenten aus vorhandenen Fahrzeugen, ist gefährlich”, sagt der Geschäftsführer vom Institut für Automobilwirtschaft, Dr. Stefan Reindl. Im hochpreisigen Bereich seien Autokäufer in der Regel auch echte Kenner – und ob man diese von einem Angebot eines Startups überzeugen könne, bleibe zu sehen, sagt er. „Ein Manko bei dem Konzept ist auf jeden Fall, dass das Angebot nicht direkt von VW kommt”, so der IFA-Leiter.

Die weiteren Modernisierungsmaßnahmen, sowie Renderings des Designs, sind auf der Website des Unternehmens abgebildet. Diese Pläne hat sich auch Georg Memminger, der im oberbayrischen Reichertshofen seit 1998 originalgetreu alte VW-Käfer Cabrio- und Limousinen-Modelle des Typs 1302 und 1303 restauriert, angeschaut. Der gelernte Stahlbauer hält Englers Pläne für unrealistisch: „Technisch ist da Einiges gar nicht machbar”, meint der Käfer-Experte, der für seine originalgetreu nachgebauten „Memminger Käfer” Preise um die 200.000 Euro verlangt.

Auch die geplanten 22 Spendermodelle innerhalb solch kurzer Zeit aufzutreiben, schätzt er als extrem schwierig ein. „Einen 1303er in gutem Zustand aufzutreiben”, sagt Memminger, „ist wie ein Fünfer im Lotto.” Viele der Originale seien laut des Spezialisten wegen der damals fehlenden Rostvorsorge heute nur noch Ruinen.

Engler sieht darin aber keine Hürde. Sein Team besteht seinen Angaben nach derzeit aus fünf Angestellten, die passende Fahrzeuge auftreiben, bewerten und einkaufen. Auf der Website des Unternehmens werden sie namentlich nicht genannt und auch nicht abgebildet. Das „Team-Foto” zeigt Engler allerdings mit seinen externen Partnern, die für alles Weitere, beispielsweise das Entwerfen individueller Designkonzepte für die Besitzer und die Entrostungsarbeiten, verantwortlich sein sollen. Diese externen Partnern seien, wie Engler es formuliert, „nicht fest angestellt, aber man könnte sagen, dass sie fest angestellt sind.” Der finale Zusammenbau aller Teile und die Endabnahmen sollen dann aber wieder in Leipzig stattfinden, so der Gründer.

Milivié über „kleinere Investoren” und eigenes Geld finanziert

Finanziert habe er die bisherige Zusammenarbeit mit Partnern und sein Startup „über viele Wege,” sagt Engler, dazu gehöre einerseits finanzielle Unterstützung von kleineren Investoren und andererseits privates Geld aus Einnahmen vom Aktienhandel in seiner Studienzeit.

Zu aktuellen Bestellzahlen wollte der gebürtige Leipziger sich gegenüber Gründerszene nicht äußern. Nur so viel: Er habe Interessenten, die bereits die erste von vier Ratenzahlungen erbracht haben und sich jetzt im Designprozess ihres Luxus-Beetles befinden.

Profitabel ist das Startup deswegen aber noch nicht, sagt Engler. Das erwartet der Firmenchef erst mit der Fertigstellung des ersten Käfers, den er im Sommer 2023 vom Hof fahren lassen will. Die restlichen 21 sollen bis 2025 fertig sein. Vielleicht ja Zeit genug, um das Image des Käfers vom massentauglichen Standardfahrzeug zum exklusiven Luxusschlitten zu ändern.

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