Sein Startup lässt euch auf dem Berliner Fernsehturm arbeiten

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Glaubt an vielfältigere Arbeitsplätze: Independesk-Gründer Karsten Kossatz
Glaubt an vielfältigere Arbeitsplätze: Independesk-Gründer Karsten Kossatz

Eigentlich sollte man vermeiden, das Geschäftsmodell eines Startups über das eines bekannten anderen zu erklären. Ein Airbnb für Arbeitsplätze zum Beispiel. Beim Berliner Startup Independesk trifft aber genau das zu: Auf der Plattform können Firmen, Restaurants oder auch einfach jeder freie Schreibtischarbeitsplätze einstellen. Und die Kunden können sie dann per App buchen. Stundenweise, tageweise, wochenweise.

Zwischen zwei und fünf Euro koste ein durchschnittlicher Arbeitsplatz pro Stunde, erklärt Gründer Karsten Kossatz. Meetingräume seien merklich teurer, zwischen zehn und 200 Euro rangierten dort die Preise. Gleiches gilt für Arbeitsplätze an außergewöhnlichen Lagen. Wer es exklusiv haben möchte, kann zum Beispiel einen Schreibtisch im Restaurant des Berliner Fernsehturms mieten – für 39 Euro pro Stunde. Dafür gibt es aber auch Verpflegung mit dazu. Das sei zwar teurer als einfach einen Kaffee zu bestellen und lange sitzenzubleiben. Aber auch fairer. Insgesamt rund 600 Locations seien derzeit verfügbar.

Mit der Idee noch ganz am Anfang

Die Berliner Firma steht noch ganz am Anfang. Acht Mitarbeiter gebe es gerade, sagt Kossatz. Der ehemalige Werber hatte sich im Januar 2020 an die Umsetzung seiner Idee gemacht, zuerst mit einem Partner, der das Unternehmen allerdings verlassen hat. Vor einem Jahr ist Uwe Weinreich an dessen Stelle getreten, der nun zusammen mit Kossatz das Unternehmen führt. Er kümmere sich ums Marketing, sagt Kossatz, sein Mitgründer um die App.

Die Idee habe er aus seinem vorherigen Startup abgeleitet, das einen buchbaren Glascontainer anbot, in dem man Meetings mitten in der Natur abhalten konnte. „Ich habe immer gesagt, mit uns kann man überall arbeiten. Das stimmte nicht, aber ich dachte mir es wäre doch toll, wenn das möglich wäre“, sagt Kossatz.

Finanziert hat er sein Projekt aus der eigenen Tasche. Kossatz glaubt, dass die Pandemie einen Bruch in der Arbeitswelt verursacht hat. „Den Trend, nicht jeden Tag ins Büro zu gehen – und auch nicht immer ins gleiche Büro, den gab es auch vorher schon. Aber die Massentauglichkeit kam erst mit Corona.“ Das Pendeln zum Arbeitsplatz werde zum immer größeren Unzufriedenheitsfaktor. Für Arbeitgeber könne es deshalb vorteilhaft sein, auch Alternativen anzubieten. „Das kann ein guter Benefit für die Mitarbeiter sein“, glaubt der Gründer.

Firmenkunden im Fokus

Firmen als Kunden zu gewinnen, sei auch der zukünftige Fokus seiner Arbeit, sagt Kossatz. Was auch für das Berliner Unternehmen selbst ein einfacheres Geschäft sein dürfte. Denn derzeit läuft alles noch über Einzelbezahlungen, ein Abo für Arbeitsplatzsuchende möchte er bewusst nicht anbieten, das sei nicht kundenfreundlich. Allerdings denkt er deutlich weiter, eine Managementplattform für mobiles Arbeiten soll Independesk irgendwann werden, inklusive Analysemöglichkeiten für Arbeitgeber. Denen verspricht Kossatz unter anderem viel Flexibilität, weil weniger teurer Büroraum benötigt werde. Die allerdings sollen die Firmen dann mit einem monatlichen Betrag bezahlen.

Derzeit gebe es allerdings noch sehr wenige Firmenaccounts, erst einmal sei der Aufbau einer Community wichtig. Parallel werde die Software entwickelt. Dafür sucht Kossatz derzeit Geld, auch in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ will er mit seiner Idee punkten. Denn je größer das Geschäft, desto mehr Aufgaben kommen auf das Startup zu. Etwa, wenn es um die Abwicklung von Schadensfällen geht, um die will sich Independesk selbst kümmern.

Bei all dem ist Geschwindigkeit gefragt, immer mehr Anbieter für Arbeitsplatz-Alternativen drängen auf den Markt. Coworking-Plätze gibt es längst nicht mehr nur in Großstädten, das Startup Orangery etwa setzt auf Standorte mit Wochenend-Appeal wie Stralsund und Lübeck oder die wie Hildesheim eine gute Bahnanbindung haben. Mit dem Schweizer Startup Deskbird hat Independesk auch einen direkten Wettbewerber, der bereits im deutschen Markt aktiv ist. „Aber niemand ist so offen und breit aufgestellt, wie wir“, glaubt Kossatz. Wobei es insgesamt eine eher untergeordnete Rolle spiele, wie außergewöhnlich der Arbeitsplatz ist.

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