Startet Reals 100-Millionen-Rakete endlich durch?

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 4 Min.

Die Wertschätzung war keineswegs abgesprochen, zeitlich schlichtweg Zufall.

Dass Eden Hazard am Wochenende nun gar von André Schürrle den sportlichen Ritterschlag bekam, hatte nur am Rande damit zu tun, dass der Belgier am Samstag beim 4:1 (2:0)-Sieg von Real Madrid gegen Huesca so formidabel aufgetrumpft hatte.

Mit einem bemerkenswerten Distanzschuss aus 27 Metern hatte Hazard den Ball ins Tor des Aufsteigers geschweißt - erst sein zweiter La-Liga-Treffer in mehr als einem Jahr für die Königlichen, obendrein noch beim Liga-Comeback nach langer Verletzungspause.

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Unabhängig davon hatte Schürrle wiederum im schon zuvor geführten Interview den zuletzt so abgeschriebenen Mittelfeldstar über alle Maßen gewürdigt. "Bei Chelsea sicher Eden Hazard", antwortete der 2014-Weltmeister der Bild am Sonntag auf die Frage nach seinem besten Mitspieler.

"Wenn ich den im Training gesehen habe, dachte ich: Das wird doch hier alles nichts", so Schürrle weiter, der zwischen 2012 und 2019 in Diensten des FC Chelsea mit Hazard kickte und im Sommer nun sein Karriereende verkündete. "Und dann hat er im Spiel aufgedreht, dass ich dachte, er sei der beste Spieler der Welt."

100-Millionen-Mann als Moppel bei Real

Das, unterfüttert durch 110 Tore in 352 Pflichtspielen für die Blues binnen sieben Jahren, war es auch, weshalb Real im Sommer 2019 Hazard verpflichtete und dabei mehr als 100 Millionen Euro auf den Tisch blätterte, als teuerster Einkauf in der Geschichte der Blancos.

Die Erwartungen an den 29 Jahre alten Flügelspieler, variabel auch gern im offensiven Mittelfeld unterwegs, waren logischerweise groß - und sollten sich während der Debütsaison alles andere als erfüllen. Immer wieder warfen Hazard Verletzungsproblemen zurück, schon zum Trainingsauftakt begleiteten ihn zudem Moppel-Vorwürfe wegen angeblichen Übergewichts.

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Dabei war der zweimalige Europa-League-Sieger (2013, 2019) und WM-Dritte mit Belgien als das Gesicht des Real-Umbruchs geholt worden. Doch die Prophezeiung erfüllte sich nicht. Bis Hazard nun das erste Mal in dieser Saison in der Startelf stand und überzeugte. (SERVICE: Die Tabelle von La Liga).

Haken schlagen und Geschwindigkeit aufnehmen bei jeder Offensivaktion, ausgeführt in technisch-sauberer Präzision - Hazard wirbelte gegen Huesca beidfüßig, als habe er nichts von seinen Qualitäten verlernt. Zu bewundern vor allem bei seinem Treffer, als er den Ball mit rechts annahm, sich blitzschnell um die eigene Achse drehte, um dann mit dem schwächeren linken Fuß abzuschließen.

Spanien-Zeitungen feiern Hazard

"Hazard ist jetzt da", titelte die AS dazu und weckte Erinnerungen an längst vergessen geglaubte Premier-League-Zeiten des Belgiers. Die MARCA jubelte: "Wenn Hazard lacht, wird er unaufhaltsam sein. Er ist noch nicht in Top-Form, aber ein extrem guter Fußballer. Gegen Huesca hat er das getan, was man von ihm erwartet: entscheidend sein."

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Nach Abpfiff hatte bereits Real-Direktor Emilio Butragueño geschwärmt. "Das sah schon nach der Kategorie Spieler aus, auf die wir uns gefreut haben. Jetzt hoffen wir, dass er fit bleibt und so weitermacht. Er ist ein Unterschiedsspieler und dazu ein Gewinner-Typ, der große Lust auf große Erfolge mit uns hat."

Der Vielgelobte gab die Komplimente schnell zurück - und dankte den Fans für deren Geduld: "Ich bin so froh, zurück auf dem Rasen zu sein, und dann noch mit so einem schönen Tor. Das ist für Euch. Ich will mehr Spiele bestreiten. Die optimale Form kommt mit mehr Einsätzen."

Im März war sich Hazard bereits klar gewesen, leistungsmäßig allmählich zünden zu müssen angesichts seiner Mega-Ablösesumme: "Über mich wird in meiner zweiten Saison geurteilt. Es wird an mir liegen, in einer guten Form zu sein."

Immer wieder Rückschläge für Hazard bei Real

Den richtigen Weg hat Real mit der Nummer 7, die neben ihrem Tor bei 44 Ballkontakten auch noch an Federico Valverdes Treffer zum 3:0 beteiligt war, nun offenbar eingeschlagen, nach dem insgesamt erst 24. Einsatz für Real und 392 Tage nach dem Premieren-Tor am 5. Oktober 2019 gegen den FC Granada.

Doch schon im Vorjahr wirkte Hazard nah dran an alter Stärke, ehe er Ende November in der Champions League gegen Paris Saint-Germain eine schwerwiegende Knöchelblessur erlitt, sich die Verletzung im Februar erneut bemerkbar machte und immer wieder auch muskuläre Probleme folgten.

Kein Wunder also, dass sich viele Beobachter die bange Frage nach der Nachhaltigkeit der Leistungen stellen. Immerhin: Beim etwas überraschenden Auftritt in der Königsklasse gegen Borussia Mönchengladbach (2:2) war der Offensiv-Künstler zu einem 20-minütigen Einsatz gekommen, vergab dabei auch eine gute Chance.

In der Liga reichte die Luft nun schon für 60 Minuten. Und am Dienstag beim Duell in der Königsklasse mit Inter Mailand (21 Uhr im LIVETICKER)? Auch Schürrle dürfte genau hinschauen, ob bei Reals Rakete nun alles gut wird oder sich Geschichte wiederholt.