Warum dieses Startup reihenweise Bestattungsunternehmen übernimmt

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Mymoria-Geschäftsführer Björn Wolff.
Mymoria-Geschäftsführer Björn Wolff.

Ein Startup mischt eine ganze Branche auf. Das klingt erst einmal nicht sonderlich ungewöhnlich. Immer wieder gibt es zuvor unbekannte Unternehmen, die in hastigem Tempo die Erfolgsleiter hinaufklettern. Doch diese Branche ist nicht so dynamisch wie viele andere Wirtschaftsbereiche. Es geht um Bestattungen. Hier wirbt das Startup Mymoria damit, Bestattern beim Digitalisieren und Vernetzen innerhalb der Branche zu helfen – und das mit Erfolg. Neue Kunden aus ganz Deutschland sollen gewonnen werden. Das Ziel von Mymoria: Nicht weniger als die Marktführung innerhalb der nächsten drei Jahre zu übernehmen.

2016 wurde das Bestattungshaus von Björn Wolff gegründet. Zu Beginn hat das Startup nur Partnerbetriebe vor Ort beauftragt. Nun will Mymoria eine Hausnummer in der Branche werden. Erste Filialen stehen bereits in Köln und München. Vier weitere sollen bis zum Jahresende dazukommen, wie die "Wirtschaftswoche" berichtet. Seit kurzem lautet die neue Strategie von Mymoria, etablierte Betriebe aufzukaufen und zu modernisieren. Und das im großen Stil. "Wir werden so ein deutschlandweites Filialnetz knüpfen", kündigt Gründer Wolff in der "Wirtschaftswoche" an.

Dabei spricht das Start-up ganz offen von "Marken" und "Qualitätsstandards". Ungewöhnlich für eine Branche, die sich eher zurückhält. Seit Juli 2021 hat das Startup bereits 20 Bestattungsfirmen übernommen. Geld erhält Mymoria von Investoren. In der letzten Finanzierungsrunde konnte das Unternehmen so stolze 15 Millionen Euro einnehmen.

Marktführer in den nächsten drei Jahren

Aus der Branche komme, wie bei einer solchen Übernahmewelle üblich, jedoch nicht nur Kritik. Zumindest, wenn man Geschäftsführer Wolff glaubt. Gerade Familienunternehmen haben ihm zufolge Probleme bei der Nachfolge. Sie seien dankbar für die angebotene Lösung Mymorias. "An uns verkaufen aber auch Firmeninhaber in den besten Jahren, denen das unternehmerische Risiko zu groß geworden ist oder die unsere Vision vom modernen Bestattungshaus des 21. Jahrhunderts teilen und gemeinsame Potenziale sehen", so der Mymoria-Chef in der "Wirtschaftswoche". Das Personal, die Einrichtung und der Name der aufgekauften Bestatter blieben dabei meistens erhalten – zumindest vorerst, erklärt Wolff.

Im Startup arbeiten mittlerweile über 100 Beschäftigte. Vor nicht einmal einem Jahr waren es noch 25. Und das ist erst der Anfang. Wolff hat ehrgeizige Pläne, in den nächsten drei Jahren will er mit Mymoria Marktführer werden. Ein Vorhaben, das nicht unmöglich ist. Denn in Deutschland ist die Bestattungsbranche sehr zersplittert. Schätzungsweise gibt es hierzulande 5.700 Bestattungsunternehmen. Und selbst die größten unter ihnen, wie die Ahorn AG, haben nur einen Marktanteil von knapp fünf Prozent. Ein weiterer Pluspunkt: Die Branche ist krisensicher. Denn "gestorben wird immer", wie es bei den Bestattern geläufig heißt. So haben auch die meisten Betriebe die Coronakrise unbeschadet überstanden.

Neben der Digitalisierung verspricht Mymoria auch ein Nachtschicht-Team, das für Kunden zu jeder Uhrzeit erreichbar ist. Über einen Slack-Kanal sollen sich die Bestatter zudem untereinander austauschen können. Diese Vernetzung soll es für Kunden bequemer machen, eine Bestattung zu organisieren. Die Bestattung der Zukunft soll dann vor Ort, am Telefon, online oder in einer der Filialen organisiert werden. Alle Kunden sollten dasselbe Erlebnis erhalten, so Wolff. Dazu gehöre jedoch auch, dass die aufgekauften Betriebe nach und nach modernisiert würden. Wie das aussieht, kann man bereits an den Mymoria-Filialen erkennen. Anstatt in düsteren Farben sind die Geschäfte Mymorias in hellen Tönen gehalten, noch dazu modern eingerichtet.

kh

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