Dieses Start-up bringt Valley-Größen nach Rumänien


Osteuropa ist für die Techbranche meist noch immer Niemandsland – zumindest wenn es um Start-ups geht. Die Szene schaut in Europa am liebsten nach Berlin, Paris oder London. Das weiß auch Roland Manger, Mitgründer und Partner bei Earlybird, einem europäischen Wagniskapitalgeber: „Manchmal geistert durch die Presse, dass es Start-ups in Polen gibt, aber das war es dann oft auch schon. Kaum einer denkt zum Beispiel an Rumänien.“

Das könnte sich nun ändern: Wie das Handelsblatt erfuhr, investieren der Accel Growth Fund, Kleiner Perkins und der Google-Investmentarm CapitalG in das rumänische Start-up UiPath, einen Anbieter für robotergesteuerte Prozessoptimierung. Diese Technologie nutzt Softwareroboter, um Benutzerschnittstellen von Software zu bedienen, die normalerweise von Menschen ausgeführt werden.

Was kompliziert klingt, vereinfacht nicht nur die Verwaltung in Unternehmen, sondern auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. An das milliardenschwere Marktpotenzial glauben nicht nur die drei Größen aus dem Silicon Valley, sondern auch der deutsche Wagniskapitalgeber Earlybird, der bereits früh auf das Unternehmen setzte und sich auch erneut an der B-Finanzierung beteiligte. Insgesamt kommt das Start-up damit auf eine Bewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar.


Der Tech-Blog „Techcrunch“ bezeichnete Rumänien als „The Silicon Valley of Transylvania“ und erkannte einen neu aufkeimenden Gründergeist: So sollen es im Jahr 2016 300 Start-ups gewesen sein, immerhin 250 mehr als im Jahr davor. Genauso wachse auch die Zahl der Inkubatoren und Angel Investoren. Häufig entwickeln sie neue Software für Unternehmen auf der ganzen Welt.

Das es soweit gekommen ist, ist für Roland Manger von Earlybird kein Wunder: „In Osteuropa ist der Ingenieur und Naturwissenschaftler seit Sowjetzeiten hoch angesehen – und wer hier gründet, kommt meist aus diesem Bereich.“ Es gebe vielversprechende Unternehmen und engagierte Teams, „die von Anfang an auf den Weltmarkt setzen“, so Manger. Und Earlybird sicherte sich früh einen Marktzugang.

Denn professionelles Wagniskapital fehlt bisher häufig. Eine gewaltige Chance für Investoren wie Earlybird, der 2013 den ersten seiner Digital East Fonds auflegten. An Bord sind zum Beispiel EBRD, IFC (Weltbank), Europäischer Investmentfonds, ein großer europäischer Versicherungskonzern und ein japanischer Technologiekonzern: Das Kapital beläuft sich auf 150 Millionen Dollar. Insgesamt investierte der Fonds bereits in 14 Unternehmen in Osteuropa und der Türkei: „Wir orientieren uns nicht an Geografie, sondern am Talent – und das gibt es überall in dieser Region“, sagt Manger.

UiPath, gegründet 2015 von Daniel Dines in Bukarest, entwickelt Softwareroboter, um Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen: „Einen solcher Roboter muss man sich ein wenig so wie einen Autopiloten vorstellen“, erklärt Investor Roland Manger.


Ziel sei es, menschliches Handeln zu imitieren: „Software bedient also andere Software zum Beispiel in Buchhaltung, Schadensregulierung, Kundendienst oder Rechnungsprüfung. Und nicht nur die Optimierung von streng regelbasierten Geschäftsprozessen kann dadurch optimiert werden, so Manger: „Diese Softwareroboter können in Zukunft auch weitere Fähigkeiten aus dem Bereich der künstliche Intelligenz erwerben.“ Denn während die Roboter Prozesse lernen, könnten sie am Ende aufgrund ihres Wissens eigenständig die beste Entscheidung auswählen und dem Verwender vorstellen. „Das ist ein weiter Milliardenmarkt“, glaubt Manger.

Zu den Partnern zählen dann auch Unternehmen wie EY, Deloitte oder IBM. Laut eigenen Angaben wuchs der Kundenstamm des Unternehmens von 100 auf 700 im Jahr 2017, darunter Unternehmen wie BMW, Dentsu oder Huawei. Und nun auch Investoren die drei Schwergewichte. Das Valley von Transsilvanien hat nun sein erstes Einhorn.