Starkes Wachstum, null Gewinn

Zalando hat im abgelaufenen Quartal kräftig an Umsatz zugelegt – doch der Gewinn fällt fast auf null. Denn Europas größter Online-Modehändler muss sich gewaltig strecken, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.


Wachstum oder Profit? Um diese Frage geht es, wenn Europas größter Online-Modehändler Zalando seine Zahlen vorlegt. Seit das ehemalige Start-up bewiesen hat, dass man mit dem Klamottenhandel im Internet tatsächlich Geld verdienen kann, präsentiert das Unternehmen regelmäßig Gewinne – und steigert seine Umsätze dabei immer noch stark. Zuletzt scheint sich die Gewichtung allerdings wieder verschoben zu haben: Der Fokus liegt auf dem Wachstum, die Gewinne schrumpfen.

So hat Zalando im dritten Quartal kaum etwas verdient. Der bereinigte Vorsteuergewinn (Ebit) lag bei 0,4 Millionen Euro. Die Marge sank damit auf 0,0 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 9,5 Millionen Euro gewesen. Hochgerechnet erwartet Zalando für 2017 ein Ergebnis rund um die 100 Millionen Euro, was einer Marge von drei bis 3,4 Prozent entspräche – und deutlich hinter das Ergebnis des Vorjahres (121 Millionen Euro) zurückfiele.


Der Fokus liegt offenbar wieder auf dem Wachstum. Bis 2020, hatten die Gründer zu Beginn dieses Jahres angekündigt, wolle man den Umsatz verdoppelt haben. Im dritten Quartal steigerte Zalando seinen Umsatz um knapp 29 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Euro. Das ist ein deutlich stärkeres Wachstum als erwartet. Im Vorjahr hatten die Umsätze im Vergleichszeitraum nur 835 Millionen Euro betragen, bei einer Wachstumsrate von 17 Prozent.

Die Strategie dahinter: Zalando muss wieder stärker investieren, um mit der Konkurrenz mithalten zu können, vor allem mit Amazon, die ebenfalls in Modegeschäft eingestiegen sind. Von Amazon dürften sich die Zalando-Gründer auch die Plattform-Strategie abgeschaut haben: Zalando will künftig nur einen Teil seiner Umsätze mit dem Verkauf von Klamotten machen. Darüber hinaus machen die Internet-Experten hausinterne Dienstleistungen wie Logistik, Datenanalyse und Online-Werbung mehr und mehr auch für Dritte verfügbar.

In den ersten neun Monaten 2017 belief sich der Investitionsaufwand für Zalando – ohne Unternehmenszukäufe – auf 175,6 Millionen Euro, für das Gesamtjahr wird mit Ausgaben in Höhe von rund 250 Millionen Euro geplant. So stellt der Konzern, der weltweit rund 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, immer mehr Personal ein, vor allem im Tech-Bereich: Gestiegen sein soll auch die Zahl der Tech-Mitarbeiter. Zuletzt waren es europaweit 1800 Leute.


Erst vor wenigen Tagen hat der Konzern verkündet, nach Dublin und Helsinki einen weiteren Tech-Hub in Europa zu eröffnen: Anfang 2018 sollen die ersten 50 Experten in Lissabon damit anfangen, das „digitale Erlebnis“ für den Kunden auf der Zalando-Plattform zu verbessern: „Sei es im Hinblick auf Personalisierung, Inspiration sowie ein reibungsloses Einkaufserlebnis“, sagt Marc Lamik, Head of Innovation and Partnerships bei Zalando.

Investiert wird auch in die Logistik: So hat das Unternehmen im September ein neues Logistikzentrum in Lahr eröffnet, in dem mittlerweile 700 Menschen beschäftigt sind. Auch die Standorte in Paris, Stettin und Stockholm sind noch relativ neu und werden kontinuierlich ausgebaut.

Neu ist der Fokus auf Kosmetik: Ab 2018 will Zalando auch Make-up, Parfüm und Antifaltencremes verkaufen. Mit Kosmetika, so wird intern gerechnet, werden in Europa jährlich 80 Milliarden Euro umgesetzt – und erst fünf Prozent davon online. Hier sieht das Unternehmen Potenzial. 2010 hatte sich Zalando allerdings schon einmal daran versucht, sein Sortiment in Richtung Beauty zu erweitern. Nur ein Jahr später wurde das Projekt mangels Erfolg wieder eingestellt.