Starker Euro drückt bei Zara-Mutter den Gewinn


Die Anleger werden zunehmend kritisch mit ihrem einstigen Liebling Inditex. Die Muttergesellschaft von so populären Marken wie Zara und Massimo Dutti hat im vergangenen Geschäftsjahr, das bis Ende Januar lief, zwar neun Prozent mehr verkauft und damit insgesamt 25,3 Milliarden Euro umgesetzt. Inditex erhöhte auch die Dividende um 10,3 Prozent auf 75 Cents pro Aktie. Dabei ist die Bruttomarge erneut gesunken – von 57 auf 56,3 Prozent.

Inditex hatte die Mode-Branche in den vergangenen Jahren mit kurzen Lieferwege und schnell wechselnden Kollektionen revolutioniert. Doch auch die Spanier sind nicht immun gegen den Druck, der auf der Branche lastet.

Die Aktie verlor am Mittwochmorgen zwischenzeitlich knapp vier Prozent, nachdem sie in den vergangenen zwölf Monaten bereits 22 Prozent nachgegeben hatte. Grund dafür ist unter anderem die sinkende Rendite. Währungseffekte, ein späterer Start der Frühlingskollektion im ersten Quartal und niedrigere Preisen in der zweiten Hälfte des vierten Quartals belasten die Bruttomarge, meint Richard Chamberlain von der Investmentbank RBC Capital.


Inditex produziert anders als die meisten Konkurrenten noch viel Kleidung in Portugal, Spanien und Marokko. Der Vorteil sind kurze Lieferwege und schnell wechselnde Kollektionen, die sich genau dem Stil anpassen, der sich an den eigenen Kassen gut verkauft. Der Nachteil aber ist, dass so ein Großteil der Kosten in Euro anfällt, während der Konzern rund die Hälfte des Umsatzes in anderen Währungen erzielt. Der starke Euro wird damit zur Last für die Spanier.

Zudem machen neue Rivalen im Internet den Modekonzernen das Leben schwer. Der Web-Gigant Amazon greift nach dem Lebensmittelhandel nun auch die Fashion-Branche an und hat im vergangenen Herbst eine eigene Modemarke namens „Find“ gegründet. Anders als Inditex bietet Amazon aber auch zahlreiche fremde Label an.

„Wir glauben, dass Online-Aggregatoren einen Wettbewerbsvorteil haben was die Kundenakquise und die Bequemlichkeit angeht“ schreiben die Analysten der Berenberg Bank. Die Abwesenheit der Inditex-Kernmarke Zara auf solchen Plattformen (mit Ausnahme von Alibabas Tmall in China) werde zum Problem.

Inditex versucht mit einem integrierten Modell zwischen den eigenen Läden und seinem Internet-Portal dagegenzuhalten. Kunden können Kleidung online kaufen, sie dann nach Hause oder in einen Shop liefern lassen und sie dort auch wieder zurückgegeben.

Inditex hatte seinen Online-Umsatz im abgelaufenen Jahr um 41 Prozent gesteigert und erzielt nun zehn Prozent der gesamten Verkäufe im Internet. Damit weisen die Spanier zum ersten Mal Online-Verkaufszahlen aus. Zum Vergleich: Der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz (H & M) erzielt zwölf Prozent seines Umsatzes im Internet.

Darum will Inditex auch in den Shops neue Verkaufserlebnisse schaffen. Ab April können Kunden in 122 Zara-Shops weltweit auf digitale Assistenten zugreifen. Es reicht, eine Grafik im Schaufenster mit dem Smartphone zu filmen – dann erscheint ein Model, das die Kleidung vorführt. Diese digitalen Möglichkeiten waren bisher Online-Käufern vorbehalten.