Stark-Watzinger: Schulen müssen an erster Stelle mit Gas versorgt werden

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) dringt darauf, die Schulen im Fall von Energieknappheit vorrangig mit Gas zu versorgen. "Schulen müssen als Teil der kritischen Infrastruktur gelten und auch, wenn Energie knapp wird, an erster Stelle mit Gas versorgt werden", sagte Stark-Watzinger den RND-Zeitungen vom Mittwoch. Der Deutsche Lehrerverband reagierte mit Unverständnis auf die Ankündigung einzelner Kommunen und Landkreise, die Raumtemperatur an Schulen absenken und teilweise das Warmwasser abstellen zu wollen.

"Der Unterricht muss stattfinden, und es darf nicht sein, dass die Schülerinnen und Schüler dabei frieren müssen", sagte die Bildungsministerin. Dafür werde sie am Kabinettstisch kämpfen. "Wir sind es der jungen Generation schuldig, ihr alle Chancen auf eine gute Entwicklung zu bieten, im Leben wie in der beruflichen Karriere."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte mit Blick auf die Corona-Pandemie davor, Schulkinder erneut "für die Versäumnisse der Politik büßen" zu lassen. "Wir wissen alle, dass Schülerinnen und Schüler bereits in den letzten beiden Pandemiejahren zu den Hauptleidtragenden zählten", erklärte Meidinger. Diese Benachteiligung dürfe sich nicht fortsetzen. Es gebe "andere und vor allem nachhaltigere Möglichkeiten, an Schulen Energiekosten zu sparen als dadurch, dass Kinder frieren müssen".

Meidinger verwies darauf, dass nach Erhebungen seines Verbandes das von den Schulministerien vorgeschriebene Stoßlüften möglichst alle 20 Minuten zu einem Heizenergiemehrverbrauch an Schulen gegenüber den Vor-Corona-Jahren von rund 20 Prozent geführt habe. "Und dies, obwohl in den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 für längere Zeit die meisten Schulen geschlossen waren."

Durch den Einbau der vom Bund mit 80 Prozent geförderten stationären Entlüftungsanlagen lasse sich der Heizenergiemehrverbrauch deutlich senken oder sogar halbieren, betonte Meidinger mit Blick auf eine Studie der RWTH Aachen. Seit zehn Jahren empfehle  das Umweltbundesamt dringend den Einbau solcher Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, getan habe sich "fast nichts".

Nur zehn Prozent aller Schulen seien mit solchen Systemen ausgestattet, "die neben der Energieeinsparung auch die Raumluft verbessern und die Aerosolbelastung reduzieren". Auch bei der Nutzung von Schuldächern für Solaranlagen gebe es "noch viel Luft nach oben".

cha/bk

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