Wie Starinvestorin Cathie Wood mit Bitcoin und Tesla-Aktien Millionen machte — und jetzt von Michael Burry angegriffen wird

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„The Godmother“, „Money Tree“ oder „Queen Cathie“: Die Spitznamen der Starinvestorin Catherine Duddy Wood aus den verschiedenen Teilen der Welt sind so vielfältig wie ehrerbietig. In den USA kursiert auch „Cathie Bea“ – „Cathie before anything else“, also vor allem anderen. Die 65-Jährige hat sich insbesondere unter jungen Menschen eine Fangemeinde erschlossen, die sie für ihre Tech-lastigen, auf Disruption und Innovation getrimmten Investments bewundern. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hat Wood nun aber einen nicht weniger prominenten Widersacher: Den „The big Short“-Investor Michael Burry, der sich durch aufsehenerregende Wetten und insbesondere seine Vorhersage der Finanzkrise Mitte der 2000er-Jahre einen Namen machte.

Burry setzt nun bei Cathie Woods Flagschiff-Fonds, dem Ark Innovation ETF, kurz ARKK, auf fallende Kurse. Laut „Handelsblatt“ hat der Börsenstar – stand Ende Juni – 2355 Put-Optionen auf den ETF gekauft und verwettet so 235.500 Anteilen im Wert von mehr als 30 Millionen Dollar. Put-Optionen geben Käufern – in diesem Fall Burrys Hedgefonds Scion Asset Management – die Möglichkeit, Aktien an einem festgelegten Zeitpunkt zu einem bestimmten Ausübungspreis zu verkaufen. Liegt der Kurs vor der Ablauffrist der Option unter diesem Ausübungspreis, kann der Inhaber von Put-Optionen die Aktien mit Gewinn abstoßen. Burry erwartet also fallende Kurse beim ARKK. Seit wann er gegen den ETF wettet, lasse sich aus den Unterlagen nicht ablesen, so das „Handelsblatt“.

Risikobehaftete Investitionen in disruptive Technologien

Das ganze wirkt insbesondere dann fast wie ein persönlicher Angriff, wenn man Arks ETF genauer anschaut. Als börsengehandelter Indexfonds bildet der ARKK nämlich nicht etwa die Wertentwicklung eines Börsenindizes wie beispielsweise des Dax' nach, sondern wird von Wood vielmehr aktiv verwaltet. Und so sind im Portfolio eben vornehmlich Techaktien enthalten. Aber nicht etwa etablierte Werte wie Apple oder Microsoft, sondern risikobehaftete, populäre oder umstrittene Gesellschaften wie der Elektroautobauer Tesla, das Streaming-Unternehmen Roku oder die Telemedizinfirma Teladoc, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Und natürlich Bitcoins, von denen Wood eine Wertsteigerung auf bis zu 500.000 Dollar erwarte.

Der Zeitung zufolge haben ihre Investments einen weitreichenden Einfluss auf ihre Anhänger. So habe Wood passenderweise in den Neobroker Robinhood investiert, nachdem der am ersten Börsentag verloren hatte. Ihren Einstieg habe sie öffentlich mitgeteilt – woraufhin ihre Anhänger nachgezogen hätten und Robinhood wieder ins Plus katapultierten.

Durchschnittlich 45 Prozent Rendite in den letzten fünf Jahren

Cathie Wood hat es also sehr schnell zu sehr viel Einfluss gebracht, mit einer Mischung aus gutem Timing und geschicktem Marketing, so die FAZ. Schon vor ihrem Erfolg als Unternehmerin hatte sie lange Jahre in der Investmentbranche gearbeitet, seit 2001 als Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein. Dort stieß sie jedoch mit ihrer Idee eines aktiv gemanagten ETFs für disruptive Technologien auf wenig Gegenliebe und gründete daher 2014 Ark Invest, so „Forbes“.

Ihre Investmentgesellschaft ist mittlerweile zu einem vollen Erfolg geworden. „Bloomberg“ zufolge verwaltet Ark seit Februar dieses Jahres ein Vermögen von mehr als 50 Milliarden Dollar, Wood selbst kommt laut „Forbes“ auf ein Nettovermögen von 400 Millionen Dollar. Und gerade das Aushängeschild, der Ark Innovation Fund, habe in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 45 Prozent Rendite gemacht.

Tesla-Investition als Schlüssel zum Erfolg

Nichtsdestotrotz sei es Wood anfangs schwergefallen, die Anleger zu begeistern, so die FAZ. 2017 habe die Investmentgesellschaft dann aber angefangen, abzuheben, wie „Forbes“ berichtet, durch den Aufstieg von Aktien wie Netflix, Salesforce, ­Illumina, Square und Athenahealth. Der FAZ zufolge erwies sich dann das Jahr 2018 mit einer Schlüsselinvestition in die Aktie des Elektroautobauers Tesla als endgültiger Durchbruch. Ganze 10 Prozent räumte Wood dem Unternehmen von Elon Musk in ihrem Portfolio ein und behauptete aller Kritik zum Trotz: „Die Tesla-Aktie ist unglaublich unterbewertet."

Wie wir inzwischen wissen, hat sich der Tesla-Kurs seitdem tatsächlich vervielfacht. Wood ist das allerdings nicht genug: Der FAZ zufolge erwartet sie weitere Höhenflüge des Autobauers und legt das neue Kursziel bei 3000 Dollar im Jahr 2025 fest. Ein beinahe unglaublicher Wert, wenn man bedenkt, dass die Aktie zu ihrem bisherigen Allzeithoch im Januar dieses Jahres bei Börsenschluss etwa 883 Dollar wert war. Beim aktuellen Stand müsste sich der Kurs mehr als vervierfachen, um Woods Ziel zu erreichen.

Aus Sicht ihrer Fans spricht Teslas Entwicklung der vergangenen Jahre aber für Woods Fähigkeiten zur Marktprognose, so die FAZ. Und auch Tesla-Chef Elon Musk ist durch ihre großspurigen Vorhersagen auf die Investorin aufmerksam geworden. Öffentlich kommunizierten die beiden immer wieder über Twitter. Was bei einigen Stirnrunzeln auslösen dürfte, verschaffte Wood der FAZ zufolge aber mehr Öffentlichkeit und eine größere Anhängerschar.

Innovation mit Gottes Hilfe

Ausgerichtet bleibt die Ark Invest weiterhin auf Innovationen, die die Zukunft der Welt gestalten, auf „das nächste große Ding“, wie Wood laut FAZ sagt. Ein Kurs, den die Investorin eben nicht wie viele andere erst seit Beginn der Corona-Pandemie fährt. Obwohl eine solche Strategie mit einem hohen Risiko einhergeht, hat sie auch dazu geführt, dass Woods Fonds starke Gewinne verzeichnen konnte. Der ARKK beispielsweise konnte zwischen März 2020 und Februar 2021 um 350 Prozent zulegen. Mit dem schwächelnden Tech-Enthusiasmus folgte darauf aber auch wieder ein kleiner Einbruch.

Ark Invest spiegelt aber noch eine weitere Grundhaltung der Investorin wider: ihren Glauben. Wood ist evangelikale Christin und hat das auch im Namen ihrer Investmentgesellschaft verewigt. Ark ist zwar ein Akronym für „Active Research Knowledge“. Zugleich hat Wood aber auch erklärt, ihre Investmentgesellschaft nach der „Ark of Covenant“, also der Bundeslade benannt zu haben. Bei ihrem ganzen Projekt gehe es darum „Kapital so der göttlichen Schöpfung zukommen zu lassen, dass es so innovativ und kreativ wie möglich eingesetzt wird“, hat sie der FAZ zufolge einmal gesagt. Auch politisch drückt sich das aus: Wood ist Republikanerin und unterstützte bei der Präsidentschaftswahl 2020 den Ex-Präsidenten Donald Trump.

Nichtsdestotrotz kommt die Investorin gerade bei jungen Tech-Fans gut an. Während die studierte Ökonomin Arthur Laffer, den Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, ihren Mentor nennt, beschäftigt sie in ihrem Team vor allem junge Spezialisten, von denen die wenigsten aus der Wirtschaft kommen, so die FAZ. Das soll ihr eine frische Perspektive ermöglichen, frei vom normalen Blick des Finanzanalysten.

Gutes Marketing und zwiespältige Transparenz

Ein großer Teil ihres Erfolgs dürfte aber auch am geschickten Marketing liegen. ETFs sind mittlerweile sehr populär geworden, gerade mit den vielen neuen jungen Anlagern, die den Finanzmarkt während der Pandemie entdeckt haben. Gezielt setzt Wood auch auf Social-Media-Präsenz und Transparenz. So twittert sie ihre Analysen, stellt Recherchen kostenlos online und diskutiert ihre Anlageentscheidungen in Podcasts und Internetseminaren, so die FAZ. Das habe ihr auch Kritik eingebracht. Denn einige Anleger folgen ihren Ratschlägen blind, was dann natürlich die Frage aufwerfe, ob die Vorhersagen der „Prophetin“ („Forbes“) nicht auch selbsterfüllende Prophezeiungen seien.

Trotz alledem scheint das, was nun zwischen Wood und Burry ausgetragen wird, auch eine Meinungsverschiedenheit über das nachhaltige Anlagepotenzial innovativer Technologien zu sein. Denn passenderweise tragen sie diesen Zwist auch über die Tesla-Aktie aus. Während Wood dem Wertpapier öffentlichkeitswirksam Höhenflüge prognostiziert und ihm einen Teil ihres eigenen Erfolgs verdankt, hat der „Big Short“-Investor auch gegen Tesla gewettet. Laut „Handelsblatt“ besitzt Burry mittlerweile auf 1,1 Millionen Aktien des E-Autobauers Put-Optionen mit einem Wert von 730 Millionen Dollar – im ersten Quartal 2020 seien es noch 800.000 Put-Optionen gewesen.

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