Starinvestor Ray Dalio ist größter Gewinner der Italien-Wahl

Wenn es an den Börsen kräftig ruckelt, kommt die Stunde der Leerverkäufer. Für den wohl mächtigsten unter ihnen – Ray Dalio – markiert die Italien-Wahl nun den Zahltag. Denn: Aktien italienischer Banken gehören zu den Werten, deren Niedergang der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater erwartet hat.

Und genau für die geht es kräftig nach unten seit bekannt wurde, dass der Anführer der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, mehr als 30 Prozent der Stimmen für seine Partei gewinnen konnte.

So verloren die Aktien von Intesa Sanpaolo am Montag gut 2,3 Prozent. Unicredit-Papiere rutschten 3,7 Prozent ab, Aktien von UBI Banca büßten 5,1 Prozent ein und die Anteilsscheine von Banca popolare dell’Emilia Romagna verloren sogar fast acht Prozent. Die Bankenwerte haben eines gemeinsam: Sie alle befinden sich im Leerverkaufsportfolio von Bridgewater.

Denn während sich in Italien die Kandidaten am rechten und linken politischen Spektrum in Stellung brachten, stimmte sich auch Dalio auf die Wahl in Südeuropa ein. Am vergangenen Freitag – unmittelbar vor den Parlamentswahlen – stockte Bridgewater seine Shortwetten gegen die Krisenbank Intesa Sanpaolo, gegen den italienischen Energiekonzern Eni sowie gegen die Fineco Bank auf, zeigen die Daten des italienischen Handelsregisters.


Insgesamt hat Dalio seit Mitte Februar Short-Positionen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro gegen italienische Banken aufgebaut. Das geht aus den Daten der italienischen Behörden hervor. Seitdem hat sich der Wert der von Dalio leerverkauften Aktien um knapp 40 Millionen Euro reduziert – was wiederum auf einen möglichen Gewinn für den Hedgefonds Bridgewater schließen lässt.

Mit einem geschätzten Volumen von 621 Millionen Euro hat Bridgewater gegen Intesa Sanpaolo die größte Wette laufen. Insgesamt hat Dalio 1,2 Prozent der Aktien des Bankhauses leerverkauft. An Platz zwei steht mit 523 Millionen Euro der Energiekonzern Enel, Platz drei belegt mit 498 Millionen Euro Eni gefolgt von Unicredit mit 302 Millionen Euro Leerverkaufsvolumen (ca. 0,8 Prozent der Unternehmensaktien).

Eher kleinere Wetten hatte Dalio gegen Banca popolare dell’Emilia Romagna (18,3 Millionen Euro), gegen Fineco Banca (30,9 Millionen Euro) sowie gegen die UBI Banca (30,7 Millionen Euro) laufen.

Allerdings dürfte Dalio noch mehr an der italienischen Regierungskrise verdient haben, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Denn Hedgefonds und andere institutionelle Investoren müssen Short-Positionen nur melden, wenn sie mehr als 0,5 Prozent aller Aktien eines börsennotierten Unternehmens leerverkaufen wollen. Theoretisch könnte Dalio immer wieder kleinere Aktienportionen leerverkauft haben.

Wer eine Short-Position eingeht, verpflichtet sich, zu einem festgelegten Termin Aktien zu einem vorher festgelegten Preis zu liefern. Je stärker der Preis der Wertpapiere zu dem vereinbarten Lieferpreis fällt, umso höher der Verdienst des Leerverkäufers.


Bereits im Vorfeld der Italien-Wahl wurden die Aktien der italienischen Unternehmen abgestoßen. So haben alle Werte, gegen die Bridgewater Short-Positionen aufgebaut hat, kräftig Federn gelassen. So büßte allein Intesa Sanpaolo seit dem 1. März – dem Datum der Dalio Short-Wette – rund 1,8 Millionen Euro an Börsenkapital ein. Eni und Fineco Banca, gegen die Dalio ebenfalls am 1. März wettete, büßten jeweils 909 und 241 Millionen Euro an Marktkapitalisierung ein.

Grund für den Ausverkauf ist die Unsicherheit rund um den Führer der italienischen Fünf-Sterne Bewegung Luigi Di Maio. Di Maio, dessen Partei vor allem von jungen Italienern gewählt wurde, versprach im Wahlkampf unter anderem, die Entschuldung des Bankensektors voranzutreiben. Dazu will Di Maio das Justizsystem Italiens reformieren. Derzeit haben die Banken des Landes ein Volumen von rund 270 Millionen Euro an faulen Krediten in ihren Portfolios.

Investoren scheinen dem jungen Wilden von der Fünf-Sterne-Bewegung allerdings keine besonders hohe Glaubwürdigkeit zu bescheinigen. Hinzu kommt: Die Koalitionsbildung dürfte in Italien nun erheblich erschwert werden. Denn obwohl die Fünf-Sterne-Bewegung mit ihren 30 Prozent als Sieger aus der Wahl hervorgeht – allein regieren kann die Partei nicht.


So fürchten Investoren und Ökonomen, dass es in den kommenden Wochen zu einer zähen Regierungsbildung und zum politischen Stillstand in Italien kommen könnte – ähnlich wie in Deutschland. Für Bridgewater wäre das gut. Denn – anders als die Parteien oder die italienische Bevölkerung – ist Ray Dalio schon jetzt Gewinner der Wahl.