Starbanker in China verschwunden, auch staatliche Banken besorgt

(Bloomberg) -- Das Verschwinden des chinesischen Spitzenbankers Bao Fan kam selbst für einige seiner staatlichen Kreditgeber überraschend. Wie zu hören ist, bitten mehrere von ihnen um weitere Informationen, da sie ihre geschäftlichen Risiken bewerten wollen.

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Die Entwicklung unterstreicht, wie undurchsichtig das Geschäfts- und Regulierungsumfeld in der Volksrepublik sein kann, selbst für Akteure wie staatliche Banken mit engen Verbindungen zum Regierungsapparat.

Informierten Kreisen zufolge gehören Shanghai Pudong Development Bank Co., Bank of Communications Co., China Citic Bank Corp. und China Merchants Bank Co. zu den Kreditinstituten, die auf weitere Einzelheiten zu Baos Situation drängen. Mit Blick auf die von ihm geleitete Investmentbank China Renaissance Holdings Ltd. sorgen sie sich um Risiken in Verbindung mit Krediten und anderen Geschäftsbeziehungen.

Einige Banken haben sich dem Vernehmen nach in den letzten Tagen auch an eigene Regierungskontakte gewandt, um etwas über den Verbleib von Bao in Erfahrung zu bringen.

Das plötzliche Verschwinden Baos in der vergangenen Woche — das wahrscheinlich mit einer staatlichen Untersuchung zusammenhängt — hat Chinas Wirtschaftselite verunsichert. Als Chef von Chinas führender auf Technologie fokussierter Investmentbank verfügt der erfahrene Geschäftsmann über weitreichende Verbindungen zu verschiedensten Wirtschaftssektoren. Für einige der größten Unternehmen ist er ein wichtiger Finanzier.

Die Behörden haben sich bisher nicht zu Baos Verbleib geäußert. Die Investmentbank gab am Donnerstag bekannt, dass sie den Kontakt zu ihrem CEO verloren habe. Daraufhin stürzte die Aktie von China Renaissance am nächsten Tag um 28% ab.

Der Familie des Bankers wurde nach Angaben einer informierten Person mitgeteilt, dass er an einer Untersuchung mitwirke. Der ehemalige Renaissance-Präsident Cong Lin sei seit September in eine behördliche Untersuchung verwickelt, hieß es.

In China deutet das plötzliche Fehlen eines Firmenchefs immer häufiger auf ein hartes Durchgreifen oder eine Untersuchung durch die Behörden hin. In vielen Fällen heißt es, dass die betreffende Person bei der Untersuchung von Bestechungsfällen “behilflich” sei. Börsennotierte Unternehmen melden in der Regel, dass sie den Kontakt zu dem Manager verloren haben — und müssen die Vorgänge innerhalb des undurchsichtigen Rechtssystems des Landes selbst untersuchen.

Ob Baos Verschwinden eine Verschärfung von Pekings Gangart gegenüber der Finanzbranche signalisiert, ist unklar. Am Freitag hatten die Behörden beim größten Immobilienversicherer des Landes den obersten Parteisekretär abgesetzt. Zuvor war Luo Xi im Internet vorgeworfen worden, eine Personenkult um sich aufgebaut zu haben.

Chinas Präsident Xi Jinping hat Ende 2021 eine breit angelegte Anti-Korruptionsuntersuchung eingeleitet, die sich gegen den 60 Billionen Dollar schweren Finanzsektor des Landes richtet und Dutzende von Personen zu Fall gebracht hat. In den Fokus geraten sind unter anderem Banker von Brokerhäusern wie Everbright Securities Co. und Guotai Junan Securities Co.

China Renaissance hat sich, wie zu hören ist, mit den um Baos Verbleib besorgten Banken in Verbindung gesetzt, aber keine Aufforderung zur sofortigen Rückzahlung von Krediten erhalten. Laut jüngsten Zahlen hatte die Investmentbank Ende Juni 2,3 Milliarden Yuan (314 Millionen Euro) an Bankkrediten und 4,97 Milliarden Yuan an Kreditfazilitäten ausstehen.

Sprecher von China Renaissance, Shanghai Pudong, Bank of Communications, Citic Bank und China Merchants Bank reagierten nicht umgehend auf Bitten um Stellungnahme.

Überschrift des Artikels im Original:Star Banker’s Disappearance Surprises Even China’s State Lenders

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