„Star Wars“: Fan entdeckt Logikfehler bei den Jedi-Kostümen – und entfacht epische Diskussion

Warum trägt Obi-Wan Kenobi (Alec Guinness) im ersten Star-Wars-Film eine braune Kutte? (Bild: Lucasfilm/Fox/Kobal/REX/Shutterstock)

Ein „Star Wars“-Fan glaubt, eine Logiklücke bei den Jedi-Kostümen ausgemacht zu haben – und postete seine Sicht der Dinge auf Twitter. Ein anderer User nahm diesen Beitrag zum Anlass, um selbst über die Kostümwelt der „Star Wars“-Filme zu schreiben – und zwar in epischer Breite.

Wenige Phänomene der Kinowelt werden so intensiv diskutiert wie das „Star Wars“-Universum. Zu Jabba the Hutt, Jar Jar Binks, Meister Yoda und Chewbacca haben schließlich viele Menschen eine gut durchdachte Meinung. Auf Twitter hat nun der Schriftsteller Dennis DiClaudio („Der kleine Hypochonder – Lexikon der eingebildeten Krankheiten“) einige Gedanken über die Weltraum-Saga geäußert.

Und zwar geht es DiClaudio um den ersten „Star Wars“-Film aus dem Jahr 1977. In einer der Szenen, die auf dem Wüstenplaneten Tatooine spielt, taucht Alec Guinness als Obi-Wan Kenobi auf. Der Jedi-Meister trägt eine Art Franziskaner-Kutte und ist im ersten Moment nicht erkennbar. Als er Luke Skywalker und seinen beiden Druiden R2-D2 und C-3PO zur Hilfe kommt, lüftet er schließlich die Kapuze und zeigt sein Gesicht.

Für DiClaudio ergibt das retrospektiv keinen Sinn:


„Ich muss mal was loswerden: Im ersten Star-Wars-Film ist Obi-Wan Kenobi auf Tatooine verkleidet, damit niemand Verdacht schöpft, er sei ein Jedi.“


„Die gesamte Jedi-Mode von diesem einen gewöhnlichen Tatooine-Kostüm abzuleiten, ist total lächerlich.“


„Abgesehen davon, dass es keinen Sinn ergibt, bedeutet das ja, dass Obi-Wan 20 Jahre lang versteckt auf Tatooine lebte, als verdammter Jedi verkleidet.“

Ein wenig deutlicher ausgedrückt: DiClaudio bemängelt, dass die Kutte von Obi-Wan ja eigentlich als Verkleidung dienen sollte, um auf dem Wüstenplaneten nicht als Jedi erkannt zu werden. Doch in den anderen Filmen trugen alle Jedi-Ritter eine ebensolche Kutte, so DiClaudios Meinung – sprich, der Look hätte als Verkleidung auf Tatooine gar keinen Sinn gemacht, schon gar nicht über 20 Jahre hinweg, weil die braune Kutte die reguläre Jedi-Uniform war.

Diese Gedankenspiele spalten Twitter in zwei Lager. Eine Twitter-Userin erwiderte:


„Ich liebe es, meine Jedi-Klamotten zu tragen, aber das trifft es auf den Punkt. Ich sollte wohl eher sagen, ich liebe es, meine Tatooine-Klamotten zu tragen.“

Doch dann schaltete sich ein echter Kenner der Materie ein. Twitter-User und Star-Wars-Fan Kevin Tong zeigte in insgesamt zwölf Tweets auf, warum nicht die Filmreihe eine Logiklücke aufweist, sondern die Schlussfolgerung von DiClaudio.


„Ich stimme mit diesem Thread nicht überein und werde Schlüsselpunkte anführen, die zeigen, dass die offenkundige Farblosigkeit der Jedi-Kostümauswahl dem Film dient, sowohl was die Handlung als auch das Visuelle betrifft.“


„Zuerst einmal: Die Jedi haben keine spezifische Garderobe. Sie tragen hauptsächlich Erdtöne, aber das tun die meisten Leute in der Star-Wars-Galaxie. Luke und Rey kleiden sich ähnlich wie die Jedi, wenn wir ihnen das erste Mal begegnen.“


„Obi-Wan läuft nicht Gefahr, auf Tatooine wegen seiner Jedi-Kleidung erkannt zu werden, da sich Jedi mehr oder weniger wie alle anderen kleiden. Die einzig echte Jedi-Uniform sind sein Lichtschwert und sein Gürtel, die er unter seiner unbestimmten Kleidung trug, bis er sich mit Ponda Baba anlegte!“


„Yoda, Qiu Gon Jinn, Obi-Wan, Anakin und Luke kleiden sich alle sehr ähnlich, aber nicht identisch, weil sie alle vom jeweils anderen ausgebildet wurden, was mit Yoda begonnen hat. Es ergibt Sinn, dass Schüler ihre Meister nachahmen.“


„Weitere Anmerkung: Viele der Kostüme in Star Wars (speziell die der Jedi) basieren auf traditioneller japanischer Kleidung. Die Jedi tragen, was auch Samurai unter ihrer Rüstung getragen haben, aber sie [die Jedi, Anm.] tragen keine Rüstung, da in ihrem Konzept die Macht ihre Rüstung ist.“


„Eine witzige Anekdote hierzu: Der Vater eines Freundes stammt aus einem ländlichen Teil Japans und hat Star Wars bis vor kurzem nie gesehen (nicht einmal die Werbungen). Als er zum ersten Mal ‚Eine neue Hoffnung‘ mit seinem Sohn schaute, fragt er, warum in diesem amerikanischen Film alle japanische Kleidung trugen.“


„Die meisten in der Galaxie in Star Wars kleiden sich in glanzlosen Farben, denn die meisten Individuen, die wir sehen, stammen aus unteren Gesellschaftsschichten. Die wohlhabende Schicht in Star Wars kleidet sich aufwändiger und in leuchtenderen Farben (Handelsföderation, Königin Amidala, Lando).“


„Die farblichen Unterschiede zwischen den Armen und den Reichen sind volle Absicht, damit man optisch sofort erkennt, an welchem Ort man sich befindet oder mit welchem Volk man es zu tun hat, da einen die Geschichte in viele Welten und Zivilisationen führt.“


„Je weiter die Menschen von den Kernplaneten – wie in Tatooine oder Jakku – entfernt leben, desto eintöniger kleiden sie sich, da es sich um Leute handelt, die in Isolation in Wüstenwelten und weitab vom galaktischen Handelsgeschehen leben.“


„Obwohl die Jedi als Organisation über Macht und Ressourcen verfügen, führen sie ein asketisches Dasein und meiden Ausschweifungen wie Mode und das Zurschaustellen von Wohlstand. Ihre Kleiderwahl, mit den Erdtönen des Volkes, zeigt ihre Bescheidenheit und dass sie dem Volk angehören.“


„Die eintönige Farbpalette aus Erdtönen dient einem cinematischen Zweck, nämlich um die Lichtschwerter in höchstmöglichem Kontrast darstellen zu können. Es ist visuell beeindruckend, wenn man eine anspruchslose Person sieht, die plötzlich ein blendend helles Lichtschwert schwingt.“


„Star Wars präsentiert eine realistisch bevölkerte Welt. Die Kleiderwahl der Jedi wurde sorgfältig abgewogen und ist kein kreatives Manko. Filme sind eine Kunstform. Wie bei aller guter Kunst, ist jeder Teil gut überlegt und existiert aus einem Grund.“

Nach diesem epischen Twitter-Gewitter verstiegen sich die beiden Star-Wars-Fans noch in eine private Debatte.


„Das ist alles eine nachträglich sehr gute Rechtfertigung für etwas, was in den Prequels ursprünglich lausige Design-Entscheidungen von [George, Anm.] Lucas waren.“


„Hi Dennis, wow, du beweist aber Mut. Ich habe diesen Thread hauptsächlich deshalb verfasst, weil ich heute Morgen nicht aus dem Bett wollte und eine andere Sichtweise anbieten wollte. Freue mich schon auf deinen kosmischen Horror-Roman, ist eins meiner Lieblingsgenres in Literatur und Film.“

Dennis DiClaudio hat auf seinem Twitter-Profil geschrieben, dass er aktuell an einem „verrückten kosmischen Horror-Roman“ arbeite.

Ein Ende will die Diskussion aber nicht nehmen:


„Cool! Dachte schon, du hättest das vielleicht in den falschen Hals bekommen, wenn man die ganzen zornigen Reaktionen sieht. Deine Argumente sind exzellent und gut durchdacht, und ich weiß deine Darstellung sehr zu schätzen.“


„Haha, ich fand deinen Post witzig. Es war eine gute Möglichkeit, meine Fähigkeit zu trainieren, ein schlüssiges Gegenargument auf zivilisierte Weise zu präsentieren und dabei einige Stärken von Star Wars hervorzuheben, den Einfluss der japanischen Kultur und die geniale Kunst von Ralph McQuarrie.“


„Meinen Thread habe ich in fünf Minuten geschrieben, um meine eigentliche Arbeit vor mir herzuschieben. Habe nichts dergleichen erwartet. Genieße die Konversation seither aber. Nun, zu einem großen Teil.“


„Ehrlich, ich könnte den ganzen Tag über diesen Scheiß quatschen.“

Und mit diesen Worten endete eine der wohl ausuferndsten Internet-Fan-Diskussionen zum Thema Star Wars.