Star-Autor Houellebecq veröffentlicht Zukunftsroman über Frankreich im Niedergang

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Buch von Michel Houellebecq (AFP/Thomas COEX)

Im neuen Roman des französischen Star-Autors Michel Houellebecq trägt eine der Hauptfiguren die Züge des amtierenden Wirtschaftsministers Bruno Le Maire. Das Werk "Vernichten" (im Original: "Anéantir") spielt in der nahen Zukunft und erzählt die Familiengeschichte eines Beraters des Wirtschaftsministers. Houellebecq, der mit dem Litaraturliebhaber Le Maire befreundet ist, habe für den Roman die Gänge des Ministeriums ausgiebig erkundet, berichtet die Zeitung "Le Monde".

Der gut 700 Seiten lange Roman ist am Freitag in Frankreich erschienen, die deutsche Ausgabe soll am Dienstag herauskommen. "Le Monde" nennt den Roman einen "politischen Thriller, der zur metaphysischen Meditation wird".

"Es ist wie in einem Märchen von (Hans Christian) Andersen. Man versteht sofort, wer die Guten und die Bösen sind", sagte Houellebecq in "Le Monde". Es geht in dem Roman um die Leere, die der Berater in seinem Leben empfindet, und um dessen Verhältnis zu seinem vom Tod bedrohten Vater. "Ich klinge wie ein alter Idiot, wenn ich das sage, aber das Ziel meiner Romane war immer, zum Lachen und zum Weinen zu bringen", sagte Houellebecq.

Nach eigener Aussage schreibt er am besten am frühen Morgen, vor dem Duschen. "Wenn man erstmal gewaschen ist, ist man zu nichts mehr zu gebrauchen", sagte er.

Houellebecq gilt als Skandal-Autor, weil er in seinen Romanen oft islam- und frauenfeindliche Vorstellungen transportiert und sein Image als depressiver Reaktionär pflegt. Die französischen Kritiker reagierten gespalten auf den Roman, der auf Wunsch des Autors nach dem Vorbild deutscher Hardcover-Bücher mit festem Einband und Lesebändchen versehen ist.

Houellebecq war mit den Romanen "Ausweitung der Kampfzone" (1994) und "Elementarteilchen" (1998) bekannt geworden. 2019 veröffentlichte er "Serotonin".

kol/yb

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