Standard Chartered muss hohe Regulierungskosten verdauen

dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Die britische Großbank Standard Chartered profitiert von ihrer Ausrichtung auf Afrika und Asien. Anders als so mancher vom ruhigen Finanzmarkt gebeutelte Rivale konnte das Geldhaus im dritten Quartal die Erträge steigern. Allerdings litt Standard Chartered gleichzeitig unter höheren Kosten insbesondere für die strengere Regulierung. Analysten hatten letztlich mit einem besseren Abschneiden gerechnet. Der Kurs fiel am Mittwoch im frühen Londoner Handel um mehr als 5 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Erträge um 4 Prozent auf annähernd 3,6 Milliarden US-Dollar. Vor allem das China-Geschäft legte deutlich zu, etwa bei der Vermögensverwaltung. Auch in Afrika ging es aufwärts. Dagegen musste Standard Chartered in Südostasien einen deutlichen Rückgang hinnehmen - zum einen wegen des Rückzugs aus dem thailändischen und philippinischen Privatkundengeschäft, zum anderen wegen des ruhigen Finanzmarkts. Das vergleichsweise kleine Europa- und Amerikageschäft stagnierte praktisch.

Parallel zu den steigenden Erträgen stiegen allerdings auch die operativen Kosten an. Dagegen musste Standard Chartered deutlich weniger Geld für faule Kredite beiseitelegen; auch die Aufwendungen für den Konzernumbau waren rückläufig - so verdoppelte sich der Gewinn vor Steuern am Ende auf 774 Millionen Dollar.

Die große Frage ist nun, ob sich die Bank am Ende des Jahres finanziell stark genug für eine Dividende fühlt. Zur Jahresmitte hatte das Management eine Ausschüttung noch abgelehnt. Die Bank hatte im August 2015 zum vorerst letzten Mal eine Dividende ausgeschüttet, die Zahlungen an die Aktionäre danach aber wegen vieler Probleme und knappem Kapital gestoppt. Die harte Kernkapitalquote (CET1) - eine Messgröße für die Krisenfestigkeit einer Bank - lag zuletzt mit 13,6 Prozent etwas niedriger als noch zur Jahresmitte.

Standard Chartered war wegen der starken Ausrichtung auf das Geschäft in Afrika und Asien relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen, musste dann aber der starken Expansion unter dem damaligen Chef Peter Sands Tribut zollen. 2015 hatte die Bank unter anderem wegen hoher Kredite an Rohstoffunternehmen erstmals seit 1989 einen Verlust verbucht. Der aktuell amtierende Bill Winters hat das Kapital erhöht, die Dividende gestrichen, den Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen eingeleitet und sich von vielen risikoreichen Finanzanlagen getrennt.