Darum stagniert der BVB

Holger Luhmann

Auch das doch! Nach dem verspielten Sieg in Frankfurt steckte Borussia Dortmund auf dem Heimweg auf der Autobahn fest. Nichts ging mehr, Vollsperrung.

Immerhin: Die BVB-Fans verkürzten sich und den Spielern die Wartezeit mit einer improvisierten Party direkt vor dem Mannschaftsbus. Doch was für die Sauerlandlinie A45 galt - alles dicht - wünscht sich die Borussia vielmehr für die eigene Abwehr.

Erst die Niederlage gegen RB Leipzig, dann das blamable Remis in der Champions League bei APOEL Nikosia, nun das 2:2 nach 2:0-Führung bei Eintracht Frankfurt - die so famos in die Saison gestarteten Dortmunder stagnieren derzeit.


Zwar ist der BVB aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem FC Bayern noch Tabellenführer der Bundesliga, doch die Nerven der noch vor Wochen frei auftrumpfenden Spieler sind dünnhäutiger geworden.

"Wenn hier auch nur einer nach einer Krise fragt, gehe ich sofort", sagte etwa Nuri Sahin nach dem Remis in Frankfurt zu den Journalisten.

Doch kritische Fragen bleiben. Die Borussia bekommt einfach nicht ihre Defensive dicht - ein Problem, dass sich durch alle Mannschaftsteile zieht.

- Der Angriff

Dass der BVB einmal mehr zahlreiche hochkarätige Chancen ungenutzt ließ, ist eine Sache. Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang agierte wie schon in Nikosia unter Form. Sahin vergab kurz vor Schluss eine hundertprozentige Möglichkeit, als er wenige Meter vor dem Tor Frankfurts Makoto Hasebe anschoss.

"Da hätte ich cooler sein müssen", zeigte sich Sahin selbstkritisch und fügte hinzu: "Wir hätten den Gegner schon vorher killen müssen."

Allerdings offenbarte die Offensive ein weiteres Problem. Bosz' Spielsystem ist eigentlich darauf ausgelegt, dass schon die Stürmer den Gegner mit aggressivem Pressing unter Druck setzen. Dies gelang Aubameyang, Christian Pulisic und Maximilian Philipp viel zu selten.

- Das Mittelfeld

Bosz setzt auf ein schnelles Umschaltspiel mit vertikalen Pässen in die Tiefe. Dadurch läuft der BVB aber Gefahr, die Spielkontrolle abzuschenken. In Frankfurt fehlte die Balance aus eben jenem schnellen Umschaltspiel und Ballbesitz. Die Folge: Riskante Fehlpässe wurden umgehend zum Bumerang, die Borussia geriet selbst in Bedrängnis.

Sahin und Subotic sprachen unisono von einem"wilden Spiel".

"Dass man ohne Mittelfeld spielt, habe ich zuletzt bei den Alten Herren erlebt", scherzte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic über die Partie. Die Dortmunder fanden das wohl nicht so lustig.


- Die Abwehr

Fakt ist: In Frankfurt fehlten dem BVB neben dem gesperrten Sokratis weiterhin zahlreiche angeschlagene defensive Spieler.

Bosz machte aus der Not eine Tugend, beorderte Julian Weigl neben Comebacker Neven Subotic in die Innenverteidigung. Das funktionierte ganz ordentlich.

Doch nach der 2:0-Führung durch Sahin (19.) und Philipp (57.) nahm Bosz neben Gonzalo Castro auch Weigl ohne Not vom Platz, brachte den jungen Dan-Axel Zagadou als Linksverteidiger und schob Marc Bartra in die Abwehrzentrale.

Die neu formierte Defensive war dem Frankfurter Ansturm nicht gewachsen. Innerhalb von vier Minuten glich die Eintracht durch einen Foulelfmeter von Sebastien Haller und Marius Wolf aus.

"Die Auswechslungen von Peter Bosz waren nicht glücklich. So hat sich das Spiel gedreht", übte SPORT1-Experte Thomas Strunz im CHECK24 Doppelpass deutliche Kritik am Doppelwechsel des BVB-Trainers.

- Der Torhüter

Unter der Woche hatte der BVB den Vertrag des zuletzt in der Kritik stehenden Roman Bürki verlängert. In Frankfurt agierte der Schweizer weitgehend sicher.

Im Gegensatz zum Spiel in Nikosia blieb diesmal ein leichter Querschläger in der ersten Halbzeit ohne Folgen. Vor dem 1:2 ging Bürki allerdings etwas ungestüm zu Werke, verursachte so den Strafstoß.

Am 2:2 war Bürki schuldlos.

Doch es ist die Summe der defensiven Nachlässigkeiten, die dem BVB derzeit zu schaffen macht.