Stadtsparkasse München dünnt Filialnetz aus

Hoher Kostendruck und ein verändertes Nutzungsverhalten der Kunden führen bei der Stadtsparkasse München zu einem Filialumbau. Das Institut gibt 17 Standorte auf – und liegt damit bundesweit im Trend.


Im ländlichen Raum haben sich Bankkunden längst darauf eingestellt, dass sie flexibel sein müssen. Sie nehmen kilometerweite Fahrten bis zur nächsten Bankfiliale in Kauf - oder heben das nötige Bargeld einfach an der Supermarktkasse ab. Denn die Geldinstitute schließen seit Jahren immer mehr Geschäftsstellen. Der Trend zu Filialschließungen ist nun auch in Großstädten zu beobachten. Die Stadtsparkasse München kündigte jetzt an, dass sie 17 Filialen in der Landeshauptstadt aufgeben wird. Zwölf davon werden in sogenannte SB-Servicestellen umgewandelt – mit Geldautomaten, aber ohne Berater. Die übrigen mehr als 60 Filialen der Stadtsparkasse bleiben bestehen.


Der Überschuss des Geldhauses war – vor allem wegen eines deutlich niedrigeren Zinsergebnisses – im vergangenen Jahr um 13 Millionen Euro eingebrochen – auf 28 Millionen Euro. Durch die Filialschließungen sollen die Kosten der Sparkasse gesenkt werden, um den Rückgang der Margen abzumildern. „Der Margendruck betrifft fast alle Banken“, sagt Joachim Fröhler, Sprecher der Stadtsparkasse. Die Triebfeder für die Restrukturierung sei jedoch eine andere gewesen. „Wir haben das Nutzungsverhalten unserer Kunden analysiert. Dabei stellten wir fest, dass an vielen Standorten nur noch sehr wenige Kunden in der Filiale tatsächlich zu einem Berater wollen“, erklärt Fröhler.

Die Menschen würden immer mobiler und erwarteten zunehmend einen digitalen Service. So sei mittlerweile etwa eine Girokonto-Eröffnung möglich, ohne dass der Kunde auch nur einen Fuß in die Filiale setzen müsse. In diesem Zusammenhang errichte die Stadtsparkasse im nächsten Jahr auch eine sogenannte Direkt-Filiale. Hier sollen insgesamt 50 Kundenberater zwischen 8 und 20 Uhr telefonisch erreichbar sein.


Rund 120 Mitarbeiter vom Filialumbau betroffen

Die vom aktuellen Filialumbau betroffenen rund 120 Beschäftigten werden laut dem Sparkassen-Sprecher künftig in einem Beratungscenter arbeiten. Die Zahl der Center will das Geldhaus auf 17 erhöhen. Dort berät die Stadtsparkasse sowohl Privat- als auch Geschäftskunden. Das Konzept führte das Institut bereits vor drei Jahren ein, um die Zahl der Filialen zu reduzieren und Kosten zu senken. Die 1200 Beraterstellen bleiben Fröhler zufolge erhalten. Jedoch will die Stadtsparkasse in der Verwaltung bis 2019 rund 200 Arbeitsplätze abbauen. Rund 150 Stellen will das Geldhaus über einen vorzeitigen Renteneintritt regeln, 50 weitere sollen „sozialverträglich“ gestrichen werden.

Im Vergleich zur Entwicklung im gesamten Bundesland erscheinen die Umbaumaßnahmen der Stadtsparkasse München allerdings vergleichsweise moderat. So haben die Sparkassen in Bayern angekündigt, in diesem Jahr bis zu 220 ihrer 2200 Geschäftsstellen zu schließen. Dieser Trend lässt sich auch auf die Bundesrepublik übertragen. In Deutschland gibt es laut Bankenverband rund 36.000 Banken- und Sparkassen-Filialen. Das sind 22 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren.


Was halten Verbraucherschützer von diesem Trend? „Banken wollen ihre Geschäfte zunehmend online abwickeln. Auch, weil das für sie weniger arbeitsintensiv ist“, sagt etwa Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentrale. Aber auch, wenn sich der Trend stärker in Richtung Online-Banking bewege, würden etwa ältere und weniger technikaffine Menschen persönliche Unterstützung vor Ort immer zu schätzen wissen.

Das Argument des steigenden Kostendrucks lässt die Expertin ebenfalls nur bedingt gelten. „In Einzelfällen mag der Kostendruck eine Filialschließung rechtfertigen. Wir beobachten jedoch keinen dramatischen Einbruch der Zinseinnahmen, sondern nur einen leichten Rückgang“, sagt Mohn. Das Geschäftsmodell der Banken sei durch die niedrigeren Zinserträge keineswegs gefährdet.

So profitierten die Finanzhäuser etwa weiterhin stark durch den Verkauf von Restschuldversicherungen, Wertpapieren und sogenannten Vorfälligkeitsentschädigungen. Das sind Strafzahlungen, die anfallen, wenn Kunden einen Immobilienkredit zurückgeben müssen. Gleichzeitig drehen Banken und Sparkassen auch an der Gebührenschraube – und erhöhen beispielsweise die Kosten fürs Konto. Anders als Filialschließungen müssen Kunden dies jedoch keineswegs hinnehmen: „Wer sich über Gebühren ärgert, sollte einfach wechseln“, rät die Verbraucherschützerin.