Stadtentwicklung Köln: Ebertplatz muss dringend neu gestaltet werden

Im Interview erklärt der Leiter des Stadtentwicklungsausschusses die Probleme Kölns.

Herr Kienitz, die Diskussion um die Neugestaltung des  Ebertplatzes – der sich zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt hat –  läuft bereits seit Jahrzehnten. Wie soll es da jetzt weitergehen?

Die Stadt ist an verschiedenen prominenten Orten in die Jahre gekommen – wie bei einer Wohnung, die seit Jahrzehnten nicht renoviert worden ist. Das ist auch am Ebertplatz so. Der mag mal schön gewesen sein, muss aber dringend neugestaltet werden.  Die Situation in den Katakomben muss beendet werden, weil die total vermüllt sind. Das Ziel des geplanten Architektenwettbewerbs muss doch sein, die dunkle Kellersituation und damit den Kriminalitätsschwerpunkt zu beseitigen. Für die Galerien findet man vielleicht einen kreativen Ansatz auf dem Platz – zum Beispiel mit begehbaren Vitrinen und einer Gastronomie.  Denkbar wäre auch eine Art Arena, wie sie  gerade beim City-Leaks-Festival  ausprobiert wurde.

Der Ebertplatz ist nicht der einzige Ort in der Stadt, der  verbessert werden muss. Rund um den Dom hat sich bereits einiges getan, die Komödienstraße sieht aber verwahrlost aus...

Der Krempel vor den Geschäften an der Komödienstraße muss unbedingt weg. Einerseits haben wir mit dem Dom-Hotel und dem Hotel Excelsior dort edle Adressen, aber wenn es Richtung St.Andreas geht, wird es furchtbar. Das neu zu ordnen, etwa über eine Gestaltungssatzung oder die Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft, wäre ein deutlicher Gewinn. Und wir  müssen überlegen, wie wir mit den Reisebussen umgehen. Die Touristen müssen nicht unbedingt direkt am Dom aussteigen. Eine Verlagerung  in die Nähe der Siegburger Straße und Deutzer Werft wäre denkbar. Von dort aus gelangt man mit der KVB schnell in die Altstadt.

Auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs am Breslauer Platz sieht es auch nicht besser aus. Wann wird das einst als Provisorium gedachte Musicalzelt endlich verschwinden?

Die Situation müssen wir aufbrechen, den städtebaulichen Knoten durchschlagen. Die Uhr für das blaue Musicalzelt als Provisorium ist abgelaufen. Der Bereich hat einfach einen hässlichen Hinterhofcharakter und das an einem der Haupteingänge zu unserer Stadt.  Wegen des Opern-Interims im Staatenhaus befinden wir uns aber in einer Sackgasse. Zwei Wege könnten dort hinaus führen: Entweder integrieren wir das Muscialtheater in einen Neubau am etablierten Standort Breslauer Platz, oder wir schauen, ob es nicht im Rechtsrheinischen einen attraktiven Ort für etwas Neues gibt.

Dafür benötigt die Stadt aber erstmal einen neuen Baudezernenten, weil  Franz-Josef Höing nach Hamburg wechselt. Was erwarten Sie von seinem Nachfolger?

Wir brauchen jemanden, der weiß, wie die Stadt tickt und wie die Interessenlagen auf Seiten der Investoren, der Politik und in der Bürgerschaft aussehen. Es muss jemand sein, der Lust auf dieses Brot-und-Butter-Geschäft in der Verwaltung hat. Man muss als Chef dieses Dezernats  dafür werben, dass es Spaß macht, wenn die Baugenehmigungen nur ein halbes Jahr dauern. Und wir brauchen jemanden, der wie Franz-Josef Höing die Wettbewerbsverfahren auf ein nationales und internationales Niveau gebracht hat. Durch seine Art der Beteiligungsverfahren hat er in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz für die Vorhaben geschaffen.

Nicht zuletzt wegen zu langer Prozesse innerhalb der  Verwaltung werden zu wenig neue Wohnungen gebaut. Wie lässt sich das ändern?

Wir haben  dafür drei Stellschrauben: Grundstücke zur Verfügung zu stellen, Planungsprozesse und Baugenehmigungen zu beschleunigen. Die Politik hat bei den ersten beiden Punkten Beschlüsse gefasst. Es ist völlig klar, dass wir mit den Baugenehmigungen  schneller werden müssen. Das muss die Verwaltung jetzt umsetzen.

Was bringt die neue Wohnungsbauleitstelle im Baudezernat, die mit nur zwei Mitarbeitern besetzt ist und keine Entscheidungen treffen darf?

Der Wohnungsbau muss aus dem Baudezernat gesteuert werden, aber ob die Wohnungsbauleitstelle der richtige Weg ist, sei mal dahingestellt. Wenn man es so macht, dann muss man diese Leitstelle aber auch so aufstellen, dass sie gewisse Durchgriffsrechte hat. Und dann muss ich jemanden haben, der für alle Bauvorhaben ab 250 Wohnungen aufwärts alle beteiligten Ämter an einen Tisch holt, um die Probleme zu lösen und die Vorhaben voranzutreiben.

Die Innenstadt ist bereits jetzt stark verdichtet, die Mietpreise steigen. Wo kann überhaupt noch neuer Wohnraum entstehen?

Aus dem Stadtentwicklungskonzept Wohnen müssen wir größere Vorhaben wie etwa den neuen Stadtteil Kreuzfeld herausholen, um zügig zu untersuchen, was dort hin kann, wie viel und in welcher Dichte. Und dann heißt es: Machen. Natürlich haben wir Leuchtturm-Projekte  wie den Deutzer Hafen, den Mülheimer Süden und die Parkstadt Süd, aber der Wohnungsbau dort löst nicht alleine unsere Probleme. Wir brauchen auch diese Ergänzungen an den Stadträndern, deren Umsetzung weniger komplex ist und daher schneller. Um diese Quartiere attraktiv zu machen, braucht es eine gute Verkehrsinfrastruktur, Kitas und Schulen sowie Arbeitsplätze.

Die Fördergelder des Bundes spielen eine zentrale Rolle dabei, wie lang eine neue Ost-West-U-Bahn ab dem Heumarkt werden kann. Wie sehen Sie das?

Die Ost-West-U-Bahn soll so lang wie möglich werden, damit  sich der Stadtraum entlang der Strecke entfalten kann – mit attraktiven Radtrassen, breiten Gehwegen und einem gutem Konzept für den Individualverkehr. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Eigentümer dann Geld in die Hand nehmen, um ihre Immobilien entlang dieser neuen, attraktiven Stadträume aufzuwerten.

Es ist aber doch absolut realistisch, dass der Bund nur einen kurzen Tunnel bis zum Neumarkt oder zum Rudolfplatz fördert.

Falls  der Bund möglicherweise nur die Strecke bis zum Rudolfplatz bezahlen sollte, macht es Sinn, dass die Stadt den letzten Abschnitt bis Melaten selbst finanziert. Viele Menschen hätte davon einen Nutzen, daher sollten wir das prüfen und nicht von vornherein ausschließen.

Zur Person:

Niklas Kienitz ist Geschäftsführer der CDU-Fraktion und Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses des Stadtrats....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta