Geplatzter Milliardendeal lässt Aktie abstürzen


Auf die geplatzte Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada dürfte am heutigen Dienstag ein Kursrutsch der Aktie folgen. Nachdem die Nachricht am Montagabend bekannt wurde, rauschten die im Nebenwerteindex Mdax notierten Titel zu Handelsbeginn um 6,6 Prozent auf 57,69 Euro in die Tiefe.

Am Dienstagabend hatten die Finanzinvestoren Bain und Cinven sowie Stada das Scheitern der Übernahme bekannt gegeben: Um zwei Prozentpunkte wurde die Mindestannahmeschwelle von 67,5 Prozent verpasst.
Damit ist eine Übernahme durch die beiden Finanzinvestoren zumindest vorerst von Tisch.

Händler sagten, Spekulationen auf ein mögliches neues Gebot sorgten für einen nicht noch stärkeren Kurseinbruch. „Die Frage ist nun, ob die früheren Bieter Permira und Advent wieder auf der Bildfläche erscheinen und eine zweite Offerte abgeben“, sagte ein Börsianer. Die beiden Investoren hatten nach monatelangem Ringen gegen Bain und Cinven den Kürzeren gezogen.

Bain und Cinven hatten sich nach einem monatelangen Poker um Stada gegen die Konkurrenten Advent und Permira durchgesetzt und mit 66 Euro je Aktie dabei nach Einschätzung von Analysten einen attraktiven Preis geboten. Insgesamt wurde Stada inklusive Schulden damit mit 5,3 Milliarden Euro bewertet.


Dass die Übernahme nicht ganz einfach werden würde, zeichnete sich bereits Anfang Juni ab. Weil weniger Aktionäre als erwartet ihre Aktien angedient hatten, setzten Bain und Cinven am 7. Juni – einen Tag vor Ablauf der ersten Annahmefrist – die ursprünglich gesetzte Annahmequote von 75 Prozent auf 67,5 Prozent herunter und verlängerten die Offerte um weitere zwei Wochen. In den folgenden Tagen dienten die Aktionäre auch weiterhin nur sehr zögerlich an. Am Donnerstagmittag vergangener Woche, zwölf Stunden vor Ablauf der Frist, hatten 45,3 Prozent ihre Aktien angedient.

Das Scheitern der Übernahme wird in Bankenkreisen zu einem großen Teil auf den Einstieg von Hedgefonds zurückgeführt. Sie waren verstärkt bei Stada eingestiegen, nachdem Mitte Mai Spekulationen aufkamen, dass Shanghai Pharmaceuticals aus China auch noch eine Übernahme von Stada erwäge. Dazu kam es allerdings nicht.

Schätzungen gehen davon aus, dass die Hedgefonds im Nachgang zu den Spekulationen um eine Übernahme durch Shanghai Pharmaceuticals mehr als 20 Prozent der Stada-Aktien erworben haben. Sie dürften darauf spekuliert haben, nach dem Gelingen der Übernahme zu einem höheren Preis ausgekauft zu werden und damit ihre Verluste zu begrenzen, da sie zu hohen Preisen eingestiegen waren. Nun haben sie sich verzockt.


Bain und Cinven müssen ein Jahr warten

Aber auch die Privatanleger, die 27 Prozent der Aktien halten, haben weniger als erwartet gezeichnet, war aus Bankenkreisen zu hören. Auf Seiten der institutionellen Investoren durften Indexfonds, die etwa 12 Prozent der Aktien halten, laut ihren Stauten erst verkaufen, wenn eine bestimmte Annahmequote (etwa 50 Prozent oder mehr) erreicht wird.

Als schlechtes Zeichen war an den Märkten bereits gewertet worden, dass der größte Einzelaktionär, der aktivistische Investor AOC, eine Woche vor Ablauf der Angebotsfrist seine mehr als fünf Prozent Stada-Aktien abgestoßen hatte. An wen wurde nicht bekannt gegeben. AOC hatte im vergangenen Jahr mit seinem Einstieg den jahrelangen Stillstand bei Stada aufgebrochen und damit den Verkauf ausgelöst. Stada will sich nun wieder eigenständig auf seine Wachstumsstrategie konzentrieren.


„Wir respektieren das knappe Votum unserer Aktionärinnen und Aktionäre und verstehen es als Auftrag, unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Matthias Wiedenfels. Die für das laufende Geschäftsjahr 2017 ausgegebenen Ziele bleiben von der Beendigung des Übernahmeangebots unberührt. Der Vorstand geht unverändert von einem um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigten Konzernumsatz zwischen 2,28 und 2,35 Milliarden Euro aus.

Der bereinigte Konzerngewinn soll zwischen 195 und 205 Millionen Euro betragen. Auch die im März bekanntgegebenen mittelfristigen Wachstumsziele für 2019 bleiben bestehen. In dem Jahr will Stada weiterhin einen bereinigten Konzernumsatz zwischen 2,65 und 2,7 Milliarden Euro erreichen und einen bereinigten Konzerngewinn zwischen 250 und 270 Millionen Euro.

Bain und Cinven wiederum könnten erst in einen Jahr wieder einen Anlauf nehmen, Stada zu kaufen. Grundsätzlich könnten sie einen Versuch aber auch früher starten, wenn das Stada-Management und die Finanzaufsicht Bafin dem zustimmen würden.