Stabilo erfindet den Textmarker neu

Stifte, Kosmetik, Outdoor-Mode: Mit dieser Mischung erwirtschaftete das Familienunternehmen Schwan-Stabilo zuletzt 713 Millionen Euro Gewinn. Ein besonderer Textmarker findet gerade in Asien reißenden Absatz.


Mehr als 160 Jahre schon besteht das Familienunternehmen Schwan-Stabilo. Doch zurück mag Sebastian Schwanhäußer, der die Gruppe in fünfter Generation führt, gar nicht lange blicken. „Wir müssen uns immer fragen: Was sind die langfristigen Megatrends, und welche Antworten haben wir darauf?“ Und die reichen von zertifizierter Schweizer Bergschaf-Wolle bei der Outdoor-Tochter Ortovox über den Einsatz von Augmented Reality in der Kosmetik-Produktion bis zu neuen Stiften von Stabilo, die ergotherapeutisch eingesetzt werden können.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, zahlte sich der Kurs aus. Der Umsatz in der Gruppe stieg nochmal leicht von 707 auf 713 Millionen Euro. Allerdings schwächte sich das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab. Hauptgrund dafür ist das Ausklingen des Ausmal-Booms.

Im Stiftbereich Stabilo sanken die Erlöse leicht auf 184 Millionen Euro. Auch in der Kosmetik-Sparte, die für mehr als die Hälfte des Umsatzes steht, verzeichnete der fränkische Konzern eine „Normalisierung“.


Das Wachstum kam somit vor allem aus dem Outdoor-Teilkonzern. „Auf die Vielfalt unseres Firmenportfolios können wir zählen“, sagte Schwanhäußer.

Anderthalb Jahrhunderte hatte sich bei Schwan-Stabilo alles um Stifte gedreht. Zunächst um Blei- und Buntstifte, dann zusätzlich um Kosmetikstifte. Vor gut zehn Jahren übernahm mit Schwanhäußer die fünfte Generation. Und die suchte sich ein drittes Standbein – wer weiß, vielleicht sind im Digitalzeitalter ja Stifte irgendwann nicht mehr gefragt. Nach langer Marktanalyse entschied sich Schwan-Stabilo für die Outdoor-Branche.

Zunächst übernahmen die Franken den renommierten Rucksackhersteller Deuter, später folgten Ortovox, Gonso und Maier Sports. Größter Umsatzbringer aber bleibt die Kosmetiksparte. Die Firma vertreibt ihre Eyeliner und Lippenstift nicht unter dem eigenen Namen, sondern beliefert große Labels wie Avon, Revlon, LVMH und Procter & Gamble. Besonders stolz sind sie in Heroldsberg derzeit auf ihrem „The InLiner“, bei dem ein Rädchen-Applikator beim Auftragen von Liquid Eyeliner hilft.


Spannend ist, wie es mit der Stifte-Sparte weitergeht. Stabilo hatte enorm vom Ausmaltrend für Erwachsene profitiert. Doch gerade in den USA ebbte der Boom ab. Die Franken hoffen, dass dieser vom Handlettering abgelöst wird.

Handschrift werde wieder verstärkt künstlerisch und in persönlichen Karten und Briefen eingesetzt. Ein Überraschungserfolg waren zuletzt Textmarkierer, unter der Marke Stabilo Boss Pastel, die nicht leuchten.  „Wir kommen dem Thema seit Monaten nicht hinterher“, sagte Schwanhäußer.

In Asien musste die Abgabe teilweise kontingentiert werden. Allein auf den Philippinen wurden 1,2 Millionen Stück verkauft. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Konzern weiteres Wachstum.


Nachhaltig ist auch der Trend in der Outdoor-Branche: „Die Menschen suchen als Ausgleich zum hektischen Alltag am Wochenende und im Urlaub nach Entschleunigung in der Natur“, sagte Geschäftsführer Martin Riebel.

Um die Zukunft von Schwan-Stabilo mit seinen 5000 Mitarbeitern ist Schwanhäußer nicht bange. Den Gewinn  2016/17 nannte Finanzchef Martin Reim „wie immer zufriedenstellend“. Die Eigenkapitalquote von 48,9 Prozent kann sich jedenfalls sehen lassen. Der Umsatz soll in diesem Jahr um einen mittleren einstelligen Prozentwert wachsen.