Staatsanwaltschaft München I sieht bei Vorwürfen gegen Wedel keine Verjährung

Dieter Wedel

Die Staatsanwaltschaft München I will noch keine Einschätzung zur Dauer ihrer Ermittlungen wegen des Vorwurfs einer Sexualstraftat gegen Regisseur Dieter Wedel abgeben. Sie könne dazu keine Angaben machen, sagte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde am Dienstag. Auch zum bisherigen Verfahrensgang und zur Frage, ob Wedel oder eines seiner mutmaßlichen Opfer bereits vernommen wurden, wollte die Sprecherin nichts sagen.

Den Angaben zufolge laufen die Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts einer nicht verjährten Sexualstraftat. Der Behörde sei es aber "sehr wichtig", darauf hinzuweisen, dass das Ergebnis der Ermittlungen noch völlig offen sei, sagte die Sprecherin.

Hintergrund des Verfahrens ist demnach die Berichterstattung des Magazins der Wochenzeitung "Die Zeit" zu Jahresbeginn. In dem Bericht hatten zwei Frauen namentlich und eine dritte Frau anonym Wedel sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass bei Sexualstraftaten seit einer Strafrechtsverschärfung die Verjährungsfrist bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers ruht. Da eine der von der "Zeit" namentlich benannten Frauen erst 1999 ihren 30. Geburtstag hatte, wäre die Verjährungsfrist von 20 Jahren in ihrem Fall noch nicht abgelaufen.

Wedel hatte die Vorwürfe unmittelbar nach ihrem Bekanntwerden in einer eidesstattlichen Erklärung als "unzutreffend und nicht gerechtfertigt" zurückgewiesen. Am Montag hatte der 75-Jährige die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele abgegeben und in einer Erklärung einen "medialen Pranger" seit Bekanntwerden der Vorwürfe beklagt.

Eine Sprecherin Wedels bestätigte Berichte, wonach sich der Regisseur aktuell mit Herzproblemen zur Behandlung im Krankenhaus befindet.

Die Vorwürfe gegen Wedel waren im Zuge der international geführten Sexismusdebatte aufgekommen. Diese war infolge der im Oktober bekannt gewordenen Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Hollywoodmogul Harvey Weinstein entbrannt. In der Folge berichteten weltweit zahlreiche Menschen, insbesondere Frauen, unter dem Schlagwort "#MeToo" (ich auch) in den sozialen Onlinenetzwerken über sexuelle Übergriffe.

Auch Wedel selbst klagte im Zuge dieser Berichte über eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung, demnach war er als junger Schauspieler Opfer von Belästigungen durch andere Männer geworden. Diese Aussagen des Regisseurs hatten die Frauen nach ihren Angaben dazu veranlasst, ihre Erfahrungen mit Wedel und die schweren Vorwürfe gegen ihn an die Öffentlichkeit zu bringen.