Staatsanwaltschaft in Istanbul fordert Freilassung von Mesale Tolu

Protest für Freilassung von Mesale Tolu

Die Staatsanwaltschaft in Istanbul hat am Montag die Freilassung der deutschen Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu gefordert. Die Anklage habe verlangt, Tolu und die fünf anderen Beschuldigten in dem Verfahren unter Auflagen auf freien Fuß zu setzen, erklärten ihre Anwälte im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, die den Prozess beobachtet, bestätigte die Angaben.

Auch Tolu selbst habe ihre Freilassung und einen Freispruch gefordert, teilte Hänsel der Nachrichtenagentur AFP mit. Die 33-jährige Angeklagte habe vor Gericht gesagt, sie sitze in Haft, weil sie ihre Arbeit als Journalistin gemacht habe.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verlangte Tolus' sofortige Freilassung. Wenn selbst die Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der "Propaganda für Terrororganisationen" ablasse, habe das Gerichtsverfahren keine Grundlage mehr, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. "Die unmenschliche Haft muss sofort beendet werden."

Tolu war in der Türkei als Journalistin und Übersetzerin für die linksgerichtete Nachrichtenagentur ETHA tätig. Die 33-Jährige muss sich wegen "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und "Terrorpropaganda" verantworten. Sie wird beschuldigt, der verbotenen linksextremen Gruppierung MLKP anzugehören. Bei einer Verurteilung drohen ihr 15 Jahre Haft. Bereits zum Auftakt ihres Prozesses im Oktober hatte sie die gegen sie erhobenen Terrorismus-Vorwürfe klar zurückgewiesen.

Tolu war Ende April festgenommen worden und sitzt im Istanbuler Frauengefängnis Bakirköy hinter Gittern. Zeitweise war auch ihr kleiner Sohn mit ihr im Gefängnis. Ihr Mann Suat Corlu war ebenfalls in der Türkei inhaftiert. Er wurde Ende November freigelassen.

In der Türkei sitzen derzeit mehrere Deutsche in Haft, unter ihnen der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel. Die Bundesregierung wertet das Vorgehen der türkische Justiz gegen ihn und weitere Inhaftierte als politisch motiviert und dringt auf ihre Freilassung. Im Oktober waren der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner sowie eine namentlich nicht bekannte Deutsche aus der Haft entlassen worden.