Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Amokfahrer von Trier

Im Prozess um die Amokfahrt von Trier hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten lebenslange Haft und die Unterbringung in eine psychiatrische Einrichtung gefordert. Der 52-jährige habe mit seinem grauen Land Rover "Jagd auf unschuldige Personen" gemacht, sagte Staatsanwalt Eric Samel in seinem Abschlussplädoyer am Freitag. Bei der Tat am 1. Dezember 2021 waren fünf Menschen getötet worden, darunter auch ein neun Wochen altes Baby.

Die Vorwürfe der Anklageschrift hätten sich im Laufe des Prozesses "absolut bestätigt", sagte Samel weiter. Dem Angeklagten Bernd W. wird fünffacher Mord, versuchter Mord in 18 Fällen sowie gefährliche und schwere Körperverletzung in 14 Fällen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft beantragte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Das genaue Motiv der Tat blieb unklar - der Angeklagte äußerte sich im Verlauf des Prozesses nicht zu den Vorwürfen. Zumindest mittelbar stand die Tat laut der Staatsanwaltschaft jedoch im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung des mutmaßlichen Täters. Ein Sachverständiger hatte W. in einem Gutachten eine Wahnstörung und eine paranoide Schizophrenie bescheinigt. Der Angeklagte sei deshalb nur vermindert schuldfähig.

Laut dem Gutachter sei der Angeklagte überzeugt, dass er 1973 - im Alter von etwa drei bis vier Jahren - "Versuchskaninchen" in einem staatlichen Experiment gewesen sei, führte Samel aus. Damals habe man ihm eine "radioaktive Substanz" gespritzt. Nachfragen, ob das wirklich so sein könne, hatte der Angeklagte laut dem Gutachter relativiert oder übergangen. W. sei überzeugt, dass ihm bis heute dafür Geld vorenthalten werde. Er habe sich deshalb in einer "Spirale der Aggression und der Wut" befunden, sagte Staatsanwalt Samel.

Laut dem Gutachter bestehe zudem die Gefahr, dass sich die Wahnstörung des Angeklagten weiter ausweite: So sei dieser überzeugt, dass auch persönliche Bekannte in einen "Komplott" gegen ihn verstrickt seien. Diese Überzeugung sei für ihn unverrückbar und habe sich über die Jahre verdichtet. So habe W. nach wenigen Tagen im Gefängnis auch Justizbeamte in seine Wahnvorstellungen mit eingebaut.

Der Staatsanwalt argumentierte in seinem Abschlussplädoyer allerdings, dass die Tat nur mittelbar mit der Erkrankung des Angeklagten in Zusammenhang stehe. So habe er sich bereits in den Wochen vor der Tat "intensiv" mit seinem Vorhaben auseinandergesetzt. Zudem soll er wiederholt konkret mit einer Gewalttat gedroht haben.

Auch die Mordmerkmale der Heimtücke und der Nutzung gemeingefährlicher Mittel stünden "außer Frage", sagte Samel. "Niemand musste oder konnte in irgendeiner Weise" mit der Attacke rechnen, sagte er. Der Angeklagte sei "von hinten in Tötungsabsicht angefahren" gekommen, die Menschen seien "arg- und wehrlos gewesen". Es habe es sich um "eine gezielte Jagd auf Passanten" gehandelt.

Während der Tat habe sich der Angeklagte in keiner medizinischen Notsituation befunden, seine kognitiven Fähigkeiten waren nicht eingeschränkt. Vielmehr sei der 52-Jährige "immer wieder zielgerichtet auf Menschen zugefahren", eine Engstelle in der Fußgängerzone habe er problemlos und mit hoher Geschwindigkeit passiert.

Mehr als zwanzig Menschen waren bei der Tat teils schwer verletzt worden. Der Verlauf der Amokfahrt quer durch die Fußgängerzone von Trier sei dank einer "erschlagende Fülle an Beweismitteln und Zeugenaussagen" lückenlos nachvollziehbar, betonte Samel. Ein Urteil soll voraussichtlich Mitte August fallen.

fho/ul

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