Staatsanwaltschaft ermittelt zu Missbrauchsskandal im österreichischen Skisport

Nach Missbrauchsvorwürfen der ehemaligen österreichischen Skiläuferin Nicola Spieß-Werdenigg hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt werde zunächst gegen "unbekannte Täter", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Olympia-Vierte von 1976 hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mannschaftskollegen und den Österreichischen Skiverband (ÖSV) erhoben.

Spieß-Werdenigg, die bei den Olympischen Winterspielen von 1976 Vierte in der Abfahrt wurde, berichtete in einem Zeitungsartikel im "Standard" von weit verbreiteter "sexualisierter Gewalt" im österreichischen Skisport der 70er Jahre. Die Täter seien "Trainer, Betreuer, Kollegen und Serviceleute" gewesen, berichtete die 59-Jährige. Sie selbst sei im Alter von 16 Jahren von einem Mannschaftskollegen vergewaltigt worden.

Eine weitere Ex-Skiläuferin, die allerdings anonym bleiben wollte, berichtete ebenfalls von schweren Übergriffen - häufig unter Alkoholeinfluss. Die Sportlerinnen seien damals "Freiwild" gewesen, sagte sie.

Spieß-Werdenigg will den Namen ihres Vergewaltigers nicht nennen, weil die Tat bereits verjährt sei. In einem anderen Fall aus dem Jahr 2005, der ihren Angaben zufolge eine Kollegin betrifft, will sie den Ermittlern aber Details nennen.

Der ÖSV versicherte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Die im Jahr 2005 zuständigen Verantwortlichen seien bereits befragt worden. Ihnen sei jedoch kein Vorfall bekannt. Ex-Olympiasiegerin Petra Kronberger, die seit 2015 Frauenbeauftragte des ÖSV lobte Spieß-Werdenigg für ihren "Mut".

Die österreichische Skilegende Annemarie Moser-Pröll ging dagegen auf Distanz zu ihrer Kollegin. Sie habe nie von solchen Vorgängen gehört, sagte sie im Fernsehsender Servus TV: "Es tut mir leid für Trainer und Betreuer und Serviceleute, die alles gegeben haben und nun in ein schlechtes Licht gerückt werden."