Razzia bei Audi-Chef – Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Stadler


Die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Abgasskandal nun auch gegen Audi-Chef Rupert Stadler. Das teilten die Ermittler am Montag mit. Ihm und einem weiteren Vorstandsmitglied werde Betrug und mittelbare Falschbeurkundung vorgeworfen.

Hierbei gehe es um den Vorwurf, dass Dieselfahrzeuge mit manipulierter Software zur Abgassteuerung auf den europäischen Markt gebracht worden seien. Die Staatsanwälte werfen Stadler konkret vor, daran mitgewirkt zu haben, dass Händlern und Kunden in Europa wissentlich manipulierte Fahrzeuge verkauft wurden – auch nach Bekanntwerden des Dieselskandals.

Die Zahl der Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren habe sich damit auf 20 erhöht. Die Privatwohnungen der beiden genannten Beschuldigten seien am Montag durchsucht worden, um Beweismaterial zu sichern.

Ein Audi-Sprecher bekräftigte, die VW-Tochter kooperiere „vollumfänglich“ mit den Ermittlern. Volkswagen lehnte wegen der laufenden Ermittlungen eine Stellungnahme ab. Es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung, sagte ein Sprecher.

Für Volkswagen-Chef Herbert Diess könnten sich die Ermittlungen gegen Stadler zu einem Problem auswachsen. Denn er setzt auf den Audi-Chef beim Umbau des Konzerns. Stadler leitet die wichtige Premiumgruppe der Wolfsburger mit Audi an der Spitze.

Die Staatsanwaltschaften in München und Braunschweig ermitteln seit zweieinhalb Jahren in der Dieselaffäre gegen zahlreiche Beschuldigte bei Volkswagen und Audi. Die Vorwürfe lauten auf Betrug und strafbare Werbung.


Stadler hat jede Beteiligung an den Manipulationen bestritten und konnte sich trotz interner Kritik bisher als Audi-Chef halten, weil die Eignerfamilien Porsche und Piëch zu ihm halten. Die Porsche SE wollte sich zunächst nicht äußern. Über sie halten die Familien mit 52 Prozent die Mehrheit an Volkswagen.

Zuletzt hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den Rückruf von 33.000 Autos in Deutschland angeordnet. Weltweit musste der Hersteller aus Ingolstadt 60.000 Wagen in die Werkstatt holen. Grund sind die Anfang Mai bekanntgewordenen Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung bei Dieselvarianten der Oberklasse-Typen A6 und A7. Auch für andere Dieselmodelle hatte es bereits Umrüstungen gegeben.

Die Ingolstädter VW-Tochter hatte schon vor einem Monat die Auslieferung neuer Fahrzeuge dieser Typen gestoppt. Audi muss nun die Abschaltvorrichtung in der Motor-Software entfernen.

Ermittler sorgen mit Razzien für Unruhe

Im September 2015 hatte Volkswagen eingeräumt, die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen mittels einer Software manipuliert zu haben, die zwischen Test- und Realbetrieb der Fahrzeuge unterscheiden konnte. Das Prinzip: Auf dem Prüfstand fuhren die Autos so sauber wie vorgeschrieben, auf der Straße stießen sie dagegen weit mehr giftiges Stickoxid aus als erlaubt.

Schnell griff der Skandal auch auf die VW-Tochter Audi über, die im Konzern für die Entwicklung und den Bau der Drei-Liter-Dieselmotoren verantwortlich war. Während bei VW die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, kümmert sich die Staatsanwaltschaft München II um Audi.


Die Staatsanwälte waren in den vergangenen Monaten mehrfach im Zusammenhang mit der Abgasaffäre bei Audi zu Razzien ausgerückt. In einer spektakulären Aktion hatten sie am 15. März 2017 während der Jahres-Pressekonferenz von Stadler in Ingolstadt die Konzernzentrale durchsucht. Damals ging es um 80.000 in den USA verkaufte Autos. Nach Rückrufen des Kraftfahrtbundesamts für 127.000 in Europa verkaufte Autos mit Schummel-Software waren die Ermittlungen erweitert worden.

Als einziger Beschuldigter ist bisher der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 festgenommen worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Mit Material von Reuters und dpa.