Staaten einigen sich in Glasgow auf Minderung von Methan-Ausstoß

Mit Vereinbarungen zum geringeren Methan-Ausstoß und zum Schutz von Wäldern wollen dutzende Staaten den Klimaschutz vorantreiben. Mehr als 80 Staatenlenker schlossen sich bei der Weltklimakonferenz in Glasgow am Dienstag einer Initiative der EU und der USA zur Methan-Emissionsminderung an. Zuvor war eine Erklärung zum Stopp der Entwaldung bis 2030 verabschiedet worden. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson zeigte sich "vorsichtig optimistisch", dass die Konferenz einen klimapolitischen Durchbruch bringen könnte.

Der Methan-Ausstoß soll bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 sinken. Methan ist eines der stärksten Treibhausgase, es ist etwa 80 Mal klimaschädlicher als CO2. Freigesetzt wird es unter anderem in der Landwirtschaft beim Verdauungsprozess von Rindern sowie in der Erdgas-, Erdöl- und Kohleindustrie. Die jüngste Initiative könnte laut Experten eine starke kurzfristige Wirkung im Kampf gegen die Klimakrise haben.

"Eines der wichtigsten Dinge, die wir bis 2030 tun können, um das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten, ist die schnellstmögliche Reduzierung unserer Methan-Emissionen", sagte US-Präsident Joe Biden mit Blick auf das im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 gesetzte Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Beteiligt an dem Abkommen sind demnach Länder, die für rund die Hälfte der weltweiten Methan-Emissionen verantwortlich sind. Einige der größten Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien schlossen sich dem Vorstoß jedoch nicht an.

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte die Initiative und rief SPD, Grüne und FDP auf, im Koalitionsvertrag ein nationales Reduktionsziel sowie eine deutsche Methanstrategie zu verankern.

Mehr als hundert Staaten einigten sich am Dienstag zudem auf einen verstärkten Kampf gegen die globale Vernichtung der Wälder. Zu den Unterzeichnern zählen auch Brasilien und Russland. "Ich bin froh, dass wir jetzt hier diese Zusammenarbeit hinbekommen haben", sagte der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth zu der Initiative.

Er betonte jedoch, Geld allein reiche nicht für den Schutz der Wälder: "Man braucht schon auch das bewusste Mittun der Länder, die diese Wälder hüten." Insofern mache es "schon ein Stück Hoffnung", dass auch Brasilien sich der Vereinbarung angeschlossen habe. Das südamerikanische Land steht genau wie Russland wegen der raschen Abholzung seiner Wälder in der Kritik.

Die hinter der Erklärung stehenden Länder verfügen gemeinsam über mehr als 85 Prozent der Wälder weltweit, darunter die borealen Nadelwälder in Kanada, der Amazonas-Regenwald in Brasilien und der tropische Regenwald im Kongobecken. Unterstützt wird das Vorhaben mit fast 20 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) an Finanzzusagen.

Der britische Premierminister Johnson zeigte sich angesichts der Vereinbarungen "vorsichtig optimistisch", dass die Klimakonferenz in ein bedeutsames Abkommen münden könnte. Zur Rettung des Planeten sei es aber noch "ein langer Weg", betonte er.

Johnson hob die Bedeutung der Wälder für das 1,5-Grad-Ziel hervor. "Der Klimawandel und die biologische Vielfalt sind zwei Seiten derselben Medaille", sagte er. Auch US-Präsident Biden betonte, die Wälder seien ein "unverzichtbarer Bestandteil, um unsere Klimaziele zu erreichen".

Allerdings hatten rund 200 Teilnehmer eines UN-Klimatreffens in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Dennoch geht die Abholzung in industriellem Maßstab bislang ungebremst weiter, nicht zuletzt im Amazonas-Regenwald unter der Regierung des rechtsradikalen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Glasgower Initiative als unzureichend. Damit werde praktisch grünes Licht gegeben "für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung". Ureinwohner forderten zurecht, dass 80 Prozent des Amazonas bis 2025 geschützt werden müssten, betonte Greenpeace.

Überschattet wird die Klimakonferenz von der Abwesenheit mehrerer Staatschefs großer Treibhausgas-Emittenten wie China und Russland. Dass der chinesische Präsident Xi Jinping nicht nach Glasgow gereist sei, sei ein "großer Fehler", beklagte US-Präsident Biden am Dienstag. China ist der weltgrößte Treibhausgas-Emittent.

isd/pe

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