"Staatliche Luftpiraterie": Griechische Regierung verurteilt die Umleitung eines Ryanair-Flugs von Athen nach Minsk

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Am späten Sonntagnachmittag wurde ein Ryanair-Flug von Athen mit dem ursprünglichen Ziel Vilnius (Litauen) nach Minsk umgeleitet. Ein Aktivist an Bord, der im Exil lebende belarussische Regierungskritiker und Blogger Roman Protasewitsch, wurde nach der "Notlandung" der Maschine am Flughafen von Minsk festgenommen.

Der regimekritische belarussische Telegram-Kanal "Nexta" hatte am Sonntag zunächst berichtet, der Flug sei auf dem Weg von Athen nach Vilnius in Litauen wegen einer "Bombendrohung" in die belarussische Hauptstadt umgeleitet worden und dort notgelandet. Nach der Notlandung sei bei einer Überprüfung des Flugzeugs keine Bombe gefunden worden, berichtete "Nexta" . "Alle Passagiere" seien daraufhin "zu einer weiteren Sicherheitskontrolle geschickt" worden, unter ihnen auch Protasewitsch. "Er wurde festgenommen."

"Griechenland verurteilt den Akt staatlicher Luftpiraterie"

Das griechische Außenministerium hat die Umleitung eines Passagierflugs nach Minsk und die Festnahme eines Aktivisten am Sonntagabend scharf kritisiert. "Griechenland verurteilt den Akt staatlicher Luftpiraterie, der heute zur Umleitung und Notlandung des Flugs Ryanair FR 4978 auf dem Weg von Athen nach Vilnius in Minsk führte." Die griechische Regierung gab an, sie verurteile die illegale Festnahme des weißrussischen Aktivisten Protassewitsch, dem in Belarus die Todesstrafe drohe.

Wie Ryanair bestätigte, waren es die Behörden in der autoritär regierten Republik Belarus, die das Flugzeug zur Landung gebracht haben. Auch das Menschenrechtszentrums Wesna gab an, dass der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Protasewitsch an Bord war und in Minsk festgenommen wurde. Protasewitsch hatte den oppositionellen Nachrichtenkanal Nexta mitgegründet und war dort Redakteur.

Wie das griechische Außenministerium sagte, war Protasewitsch in Griechenland Teil einer Delegation gewesen, die vor zwei Wochen am internationalen griechischen "Delphi-Forum" teilgenommen habe. Das Delphi-Forum lädt jährlich internationale Fachleute und Politiker zur Diskussion über politische und wirtschaftliche Themen ein.

"Wir sind der Ansicht, dass solche Praktiken, die aus einer anderen Zeit stammen und sich für keinen zivilisierten Staat gehören, nicht unbeantwortet bleiben dürfen", heißt es abschließend in der Mitteilung des griechischen Ministeriums.

Die Behörden in Belarus hatten Roman Protasewitsch im vergangenen November auf die Liste der "an terroristischen Aktivitäten beteiligten Personen" gesetzt.

Miguel Berger, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, forderte eine Stellungnahme aus Belarus: »Wir brauchen eine sofortige Erklärung der belarussischen Regierung zur Umleitung eines Ryanair-Flugs innerhalb der EU nach Minsk und der angeblichen Inhaftierung eines Journalisten", twitterte Berger.

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mit Material von dpa/jsk

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