Ist Stöger wirklich die BVB-Zukunft?

Christoph Küppers
Aktuell steht Peter Stöger mit dem BVB auf dem zweiten Tabellenplatz

Peter Stöger präsentierte sich am Donnerstagmittag bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Leipzig zumindest etwas milder gestimmt als noch drei Tage zuvor.

"Der Weg ist vollkommen in Ordnung", versichert Stöger. Das mittelfristige Ziel sei es, "aktiver, interessanter, offensiver zu spielen und dass wir vielleicht mit mehr Toren Spiele entscheiden."

Schon tags zuvor war der Ärger über den müden Auftritt von Borussia Dortmund beim 1:1 gegen den FC Augsburg größtenteils verflogen. "Manchmal ist es ja so, dass die Jungs etwas beleidigt sind, wenn man Kritik übt. Das war überhaupt nicht der Fall. Sie wissen, dass wir alle enttäuscht sind - und dass sie es besser können“, sagte der Österreicher nach der Trainingseinheit.

Trotz dieser Milde beweisen die vergangenen Tage jedoch: Stöger legt einen schärferen Ton an den Tag. Der Trainer übt offen Kritik - noch deutlicher als bereits nach dem Bundesliga-Spiel in Mönchengladbach und dem UEFA-Europa-League-Rückspiel gegen Bergamo.


Der Trainer weiß, dass Anspruch und Realität in Dortmund derzeit auseinanderklaffen. Zwar blieb der Österreicher als erster BVB-Trainer in den ersten neun Bundesliga-Spielen ungeschlagen (fünf Siege, vier Unentschieden). Der ideenlose und zuweilen antriebslose Spielstil stellt aber weder den Trainer noch die Bosse zufrieden.

Ist Stöger wirklich der Richtige?

Und auch wenn Manager Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke weiter bestrebt sind, Stöger über den Sommer hinaus zu halten, mehren sich im Umfeld tatsächlich Stimmen, die fragen: Ist Stöger wirklich der richtige BVB-Trainer?

Nicht von der Hand zu weisen ist: Der 51-Jährige hat den BVB stabilisiert. Unter seiner Ägide verteidigt der BVB tiefer - die Abwehr steht in Bundesligaspielen durchschnittlich nur noch 36,3 Meter vor dem eigenen Tor. In den ersten neun Spielen von Vorgänger Peter Bosz lag dieser Wert noch bei 40,2 Metern.


Ein ähnliches, gar nicht mehr so eindeutiges, Bild zeichnen auch die offensiven Daten: Die Borussia erzielte nach dem Trainerwechsel elf Tore weniger (14 zu 25) und erarbeitete sich nur 120 Torschüsse sowie 19 Großchancen (zu Beginn der Saison noch 162 und 24).

Weitere Belege für ein defensiv kompakteres Auftreten: Die Borussia führte und gewann mehr Zweikämpfe als noch unter Bosz, auch die Laufleistung stieg unter dem neuen Trainer an (drei Kilometer mehr pro Spiel).

Schon ein Wert in der Defensive macht allerdings stutzig: Ließ der BVB in den ersten neun Ligaspielen nur 73 gegnerische Torschüsse zu, sind es seit Stögers Amtsantritt satte 116.


Vorwurf von Zorc

Zu diesen Werten passt der Vorwurf von Manager Zorc, der am Montagabend nach dem müden Kick gegen Augsburg in den Katakomben vor den Journalisten wütete "Wir spielen Beamtenfußball!" und das BVB-Spiel in den Ruhr Nachrichten als "bürokratisches Ballgeschiebe" abtat.

Natürlich weiß auch Stöger um die Problematik des aktuell zu statischen BVB-Spiels. "Die reinen Ergebnisse interessieren hier keinen, Dortmunds Selbstverständnis ist, dass auch attraktiver Fußball gespielt wird“, sagte der Trainer zuletzt in einem Amazon-Interview.

Genau diese Attraktivität geht seiner Truppe aktuell allerdings ab. Stögers Erklärung: "Wir haben aktuell ein sehr zerbrechliches Gebilde. Die lange Durststrecke in der Hinrunde hat viele Spieler verunsichert. Jetzt passen die Ergebnisse, aber die Spielphilosophie nicht. Das ist für die Jungs nicht einfach."

Nicht einfach könnte auch die nahe Zukunft für Stöger werden: In den nächsten sechs Wochen stehen für den BVB die starken Gegner an, über die in der Hinrunde Peter Bosz nach gutem Start stolperte (u.a. Leipzig, Frankfurt, Bayern, Schalke). In diesem Zeitraum entscheidet sich wohl Peter Stögers Zukunft.

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