Stöger: Batshuayi ist die Belastung nicht gewohnt

Jochen Stutzky, Jens Tampier
Borussia Dortmund: Trainer Peter Stöger (r.) und Michy Batshuayi

Peter Stöger ist ein Glückspilz. Der 51 Jahre alte Trainer bekommt in dieser Saison nach dem Scheitern mit dem 1. FC Köln mit Borussia Dortmund seine zweite Chance in der UEFA Europa League.

Vor dem Rückspiel der Dortmunder (ab 21 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) im Sechzehntel-Finale bei Atalanta Bergamo (ab 19 Uhr Europa League-Countdown LIVE im TV auf SPORT1) spricht Stöger im SPORT1-Interview über das Duell mit den Italienern, die Situation beim BVB und den neuen Stürmer Michy Batshuayi.  

SPORT1: Herr Stöger, aus unserer Sicht ist es eine kuriose Situation. Vor ein paar Monaten sind Sie als Außenseiter mit dem 1. FC Köln in den Wettbewerb gestartet und jetzt gehören Sie mit Borussia Dortmund zu den Favoriten. Was ist für Sie nun anders?

Peter Stöger: Für mich als Trainer ist es eigentlich nichts anderes. Man möchte international die Spiele gewinnen und das ist uns auch mit Köln gelungen. Jetzt wird von uns erwartet, die Runde zu überstehen und der Aufgabe stellen wir uns. Selbstverständlich ist es ungewöhnlich, weil es so eine Situation noch nicht gegeben hat. Für mich ist das natürlich Luxus.

SPORT1: Das Hinspiel endete 3:2, ein Sieg ist natürlich gut, die zwei Gegentore zu Hause dagegen weniger. Welche Gefahren sehen Sie für das Rückspiel?

Stöger: Ich finde das Ergebnis trotzdem okay. Ich bin schon lange dabei und hatte als Spieler und Verantwortlicher schon viele Europapokalspiele. Natürlich wäre ein 3:0 für alle angenehmer gewesen, aber dennoch ist es immer wichtig, ein Spiel zu gewinnen. Mit der Ausgangssituation, dass der Gegner jetzt ein Spiel gegen uns gewinnen muss, kann ich am Ende des Tages ganz gut leben. Klar ist Bergamo eine Mannschaft, die man von der Wahrnehmung nicht im oberen Bereich ansiedeln würde, aber man weiß auch, dass sie gegen starke Mannschaften bereits richtig gute Ergebnisse erzielt haben. Die Niederlage gegen uns war überhaupt die erste Niederlage in der Europa League in dieser Saison. Das ist schon eine Mannschaft, die den Wettbewerb sehr ernst nimmt und dementsprechend treten sie auch auf.

SPORT1: Bergamo spielt nicht zu Haue sondern im Stadion von Sassuolo. Dort haben sie noch keines ihrer Spiele verloren. Was macht das Stadion für Bergamo und auch für Sie besonders?

Stöger: Es ist dort eine besondere Stimmung. Nach so langer Zeit wieder international dabei zu sein, ist für den Klub ein besonderes Feeling. Und wir als Gegner machen das Ganze wahrscheinlich nicht weniger attraktiv. Aber als Borussia Dortmund ist man bei einem Auswärtsspiel, egal wo, jetzt nicht so von der Stimmung gefangen. Damit werden wir umgehen können.

SPORT1: Die Ergebnisse bei Borussia Dortmund stimmen. Die Attraktivität und Souveränität stimmen nicht. Warum?

Stöger: Das sehen Sie vielleicht so. Ich finde das Hinspiel war richtig gut von uns. Natürlich wird es schwierig wenn man zehn, 15 Minuten verschläft. Aber wir haben das Spiel dann noch gedreht, was gegen eine italienische Mannschaft nicht so einfach ist. Wir können viel diskutieren, was Anspruch und Wirklichkeit ist. Fakt ist aber, wir haben zusammen zehn Spiele gemacht, davon haben wir nur ein Spiel im Pokal verloren. Ich bin nicht beleidigt und nehme das zur Kenntnis, wie es jeder sehen möchte. Wir ziehen unser Ding durch und im Idealfall kommen wir weiter.


SPORT1: Wie wichtig ist die Rückkehr von Marco Reus?

Stöger: Marco ist natürlich ein Ausnahmespieler. Er hat acht Monate nicht gespielt und wir sind in der Breite nicht so aufgestellt, dass wir alles eins zu eins kompensieren können. Deswegen versuchen wir immer wieder Lösungen zu finden. Man kann von ihm jetzt auch nicht jede Woche Überleistungen erwarten. Aber wir haben auch andere wirklich gute Leute. Von denen hat jeder seine eigene Geschichte, die in den letzten Monaten nicht nur positiv war. Diese Spieler versuchen wir aufzubauen, in kleinen Schritten funktioniert das.

SPORT1: Vier Tore in fünf Spielen - was macht Michy Batshuayi so stark?

Stöger: Er ist ein Zentrumstürmer. Aber auch bei ihm muss man sagen, er ist es nicht gewohnt, drei Spiele in der Woche über 90 Minuten zu bestreiten. Er hat bei Chelsea nicht viel gespielt aber wenn, dann hatte er eine gute Quote. Wir geben ihm die Zeit, die er braucht und verlangen von unseren Spieler die Dinge, von denen wir glauben, dass sie in der Lage sind, diese umzusetzen. Wir sind froh, dass er getroffen hat aber wir sind uns nicht sicher, dass das Woche für Woche so funktionieren kann. Ganz einfach, weil er den Rhythmus in den letzten Monaten nicht hatte.