Städtebund besorgt über mögliche Fusion von Kaufhof und Karstadt

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Städte- und Gemeindebund ist über einen möglichen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt alarmiert. Norbert Portz, Städtebau-Experte des Kommunalverbands, sagte der "Welt am Sonntag", ein Zusammenschluss sei eine "Riesengefahr". "Damit droht ein großer Brocken aus dem Mosaik des Innenstadtbilds herauszubrechen", sagte der Zeitung.

Karstadt-Eigentümer René Benko hatte dem kanadischen Kaufhof-Mutterkonzern HBC Anfang November ein Übernahmeangebot von schätzungsweise drei Milliarden Euro gemacht. HBC sprach in einer Börsenmitteilung von einem nicht bindenden Angebot, dessen Finanzierung nicht belegt sei.

Für den Fall eines Zusammenschlusses ist für Jörg Funder, Professor am Institut für Internationales Handelsmanagement in Worms, jedes zweite der knapp 180 Häuser von Kaufhof und Karstadt vom Aus bedroht. Neue attraktive Nutzer zu finden, sei schwierig bis unmöglich, sagte Porz der "WamS". "Und es nützt auch nichts, wenn Billigläden einziehen."

Gerüchte um ein mögliches Zusammengehen von Karstadt und Kaufhof gibt es seit Jahren. Unter anderem Benkos Signa-Holding hat sich in den vergangenen Jahren für eine "Deutsche Warenhaus AG" stark gemacht. Vor rund zwei Jahren unterlag Signa im Bieterrennen um den milliardenschweren Kaufhof-Erwerb aber gegen den kanadischen Handelskonzern.

HBC steckt wie die unter Verlusten und rückläufigen Umsätzen leidende deutsche Tochter Kaufhof schon länger in der Krise. Erst kürzlich hatten sich die Kanadier - kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft

- von Konzern-Chef Jerry Storch getrennt. Zudem bekam die deutsche

Tochter vor gut einer Woche einen neuen Chef. Der frühere Metro-Manager Roland Neuwald soll Galeria Kaufhof wieder auf Vordermann bringen. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet Einschnitte für die Beschäftigten bei Bezahlung und Arbeitszeit.