Mehrere Polizisten bei Rangeleien mit Feiernden in Stuttgart und Hamburg verletzt

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Polizei und Ordnungsamt bei der Kontrolle in einem Bahnhof

Die Stimmung bei den Kontrollen von Corona-Maßnahmen in Deutschland wird aggressiver. Am Wochenende entluden sich Frust und Uneinsichtigkeit von Feiernden erneut in Gewalt gegen Polizeibeamte. In Stuttgart und Hamburg kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Feiernden. Dabei wurden mehrere Einsatzkräfte verletzt. Auch in anderen Städten wurden massenhaft Corona-Auflagen missachtet.

In Hamburg feierten in der Nacht zum Sonntag tausende Menschen im Schanzenviertel und rund um die Reeperbahn und hielten sich laut Polizei kaum an die Corona-Regeln und das bestehende Alkoholverbot. Allein im Schanzenviertel hielten sich knapp 4500 Besucher auf, 1500 davon bei einer illegalen Tanzparty im Florapark.

Aus der im linksalternativ geprägten Schanzenviertel versammelten Menge seien Flaschen auf Polizisten geworfen worden, als die Beamten Straßenzüge räumten. Zwei Beamte wurden leicht verletzt, fünf Streifenwagen beschädigt. Zahlreiche Lokale wurden den Angaben zufolge geschlossen. Erst am frühen Morgen beruhigte sich die Lage.

In Stuttgart versammelten sich am Samstagabend trotz des an zahlreichen öffentlichen Plätzen geltenden Alkoholverbots Menschengruppen in der Innenstadt. Gegen Mitternacht sei die Stimmung dann zunehmend aggressiv geworden, berichtete das Polizeipräsidium.

Flaschen wurden in Richtung der Einsatzkräfte geworfen, woraufhin der Einsatzleiter die Räumung der Freitreppe am Schlossplatz anordnete. Dabei kam es zu weiteren Flaschenwürfen, Auseinandersetzungen und massiven Beleidigungen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Fünf Beamte erlitten Verletzungen, eine Polizistin musste den Dienst vorzeitig beenden. Sechs Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, sie kamen später wieder auf freien Fuß.

Die Stuttgarter Stadtverwaltung will nun ein nächtliches Verweilverbot für Plätze in der Innenstadt prüfen. "Tätliche Angriffe, Sachbeschädigungen in der Stadt und Beleidigungen gegen Polizeibeamte sind durch nichts zu rechtfertigen", erklärte Bürgermeister Clemens Maier.

Auch in Bremen war die Polizei in der Nacht auf Sonntag im Dauereinsatz. Zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens rückten die Streifenwagen knapp 150 Mal aus. Vor allem junge Leute feierten und tranken und ignorierten zum Teil die Corona-Regeln.

Bereits in der Nacht zu Samstag hatten sich in Leipzig Gäste einer Bar mit gewaltsamen Attacken auf Polizeibeamte gegen eine Corona-Kontrolle gewehrt. Drei Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt, zwei von ihnen mussten nach Polizeiangaben im Krankenhaus behandelt werden. Die Angreifer hätten erst von einem bereits am Boden liegende Beamten abgelassen, als ein weiterer Polizist einen Warnschuss abgegeben habe.

Kommunen und Polizei beklagen laut einer Umfrage der "Welt am Sonntag" unter den 15 größten Städten Deutschlands ein steigendes Unverständnis, verbale Konflikte und zum Teil tätliche Angriffe, wenn Mitarbeiter von Ordnungsämtern die Einhaltung etwa von Maskenpflicht und Abstandsgebot kontrollierten.

Ein Sprecher der Stadt Köln sagte der "WamS", die Menschen würden bei Kontrollen "immer ungeduldiger und gereizter" reagieren. "Die Ordnungsdienstkräfte wurden teilweise gezielt angespuckt, gebissen oder anderweitig körperlich angegangen."

Einem Sprecher der Stadt Frankfurt am Main zufolge gebe es vor allem bei Maskenkontrollen "in den allerwenigsten Fällen" Einsicht. Auch die Städte Düsseldorf, Leipzig, Dortmund, Essen, Nürnberg und Duisburg berichten von zunehmenden Aggressionen.

"Gegner der Corona-Maßnahmen und auch uneinsichtige Personen werden heute deutlich schneller aggressiv als noch vor ein paar Monaten", sagte Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der "Welt am Sonntag".

hex/pw

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