Die Spur führt nach Aserbaidschan: London-Deals im Adler-Umfeld

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(Bloomberg) -- Dokumente zu einer Reihe hochkarätiger Londoner Immobiliendeals werfen neue Fragen rund um die umkämpfte Adler Group SA und ihre Finanziers auf. Sie bringen Akteure aus der Gruppe rund um den österreichischen Geschäftsmann Cevdet Caner in Zusammenhang mit der Familie von Ilham Alijew, dem Langzeitpräsidenten von Aserbaidschan.

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Adler ist im vergangenen Jahr zum Ziel von Attacken von Leerverkäufern geworden, allen voran Fraser Perring und seiner Orginsation Viceroy Research, die Caner als Kopf einer “Clique von Kleptokraten” bezeichnet. Viceroy bemängelt die Intransparenz von Adlers Struktur und Transaktionen, und hat auch einige der aserbaidschanischen Deals herausgegriffen. Adler und Caner bestreiten alle Vorwürfe von Viceroy.

Die Informationen in diesem Artikel stammen zum Teil aus den Pandora Papers der Journalistengruppe Organized Crime and Corruption Reporting Project, die im letzten Jahr Investitionen von Alijew und seiner Familie erstmals nachzeichneten. Andere Quellen sind mit den Transaktionen vertraute Personen und offizielle Unterlagen.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Finanziers, die dabei halfen, Adler zu einem der größten deutschen Vermieter zu machen, mit zentralen Akteuren in dem Finanzimperium der Alijews zu tun hatten, Objekte von ihnen gekauft haben und zwei von ihnen sogar angestellt hatten.

Für Adlers Aktionäre sind die angeblichen Verbindungen auch deshalb relevant, weil laut den Unterlagen eines der Unternehmen aus dem Aserbaidschan-Komplex Adler jedenfalls letzten Juni immer noch fast 250 Millionen Euro aus den Transaktionen schuldete. Das ist etwa ein Drittel von Adlers Außenständen, die Kritiker der hoch verschuldeten Gruppe in den letzen Monaten besonders ins Visier genommen haben.

Zahlreiche Deals liefen über die Triangle Group, ein geheimnisumwittertes Vehikel, das etwa 2014 Holborn Links kaufte, ein 212,5 Millionen Pfund (255 Millionen Euro) teures Renommierprojekt in der Nähe des British Museum. Weil Triangle dabei alteingesessene Interessenten wie Legal & General Group Plc ausstach und seine eigenen Hintermänner anonym blieben, schlug der Deal seinerzeit hohe Wellen in der Londoner Immobilienszene. Nun zeigt sich, dass zu den Käufern ein Geschäftspartner der Alijews gehörte sowie einer mit engen Verbindungen zu Caner.

Caner dementiert jegliche Rolle bei den Deals. Aggregate Holdings SA, Adlers größter Aktionär, teilte mit dass es bis zur Veröffentlichung des OCCRP nicht wusste, dass gewisse Vermittler von Geschäften Partner der Alijews waren. Alijews Sprecher sagt, weder der Präsident noch dessen Familie kenne Caner oder irgendwelche der Firmen und Personen, die das OCCRP mit ihnen in Verbindung gebracht habe. Triangle reagierte nicht auf Anfragen.

Aggregate war allerdings nicht der einzige Investor, der Immobilien aus dem Dunstkreis der Familie Alijew gekauft hat. In den Pandora Papers zeigte sich auch der Kauf einer Gewerbeimmobilie in der Nähe der Maddox Street Row im Jahr 2018 durch die Crown Estate, die Immobiliengesellschaft des britischen Königshauses. Die Enthüllung veranlassten die Crown Estate, eine interne Überprüfung einzuleiten.

Holborn Links - ein Areal, das sich vom Southhampton Place mit seinen millionenschweren Luxuswohnungen bis zur denkmalgeschützten Einkaufsstraße Sicilian Avenue erstreckt - wurde laut Triangle damals von einer Gruppe namens Perez International erworben. Doch die vom OCCRP eingesehenen Unterlagen zeigen, dass hinter Perez Ashraf Kamilow stand, ein zentraler Akteur im Finanzimperium der Alijews. Kamilow reagierte nicht auf Anfragen.

Aus den Dokumenten geht außerdem hervor, dass Kamilow mit einer zweiten Offshore-Gesellschaft namens Sollidaire Limited zusammenarbeitete. Letztere führt einen Anwalt als Direktor an, der auch bei drei Firmen, in die Caners Familie investiert hat, führende Positionen innehatte - etwa bei dem Investmentvehikel, über das die Caners ihre Beteiligung an Adler erwarben, und im Vorstand der Vorläufergesellschaft Adler Real Estate AG. Laut zwei mit dem Geschäft vertrauten Personen, die um Anonymität baten, war Caner am Kauf von Holborn Links selbst beteiligt.

Ende 2016 war Holborn Links wieder auf dem Markt, zusammen mit zwei nahe gelegenen Immobilien, die Kamilow vier Jahre zuvor mit Hilfe von Triangle erworben hatte. Diese beiden Objekte, das Boutique-Hotel L’oscar London in der Southampton Row und ein einstiges Bankgebäude, wurden von Günther Walcher, einem langjährigen Geschäftspartner und Landsmann von Caner, erworben.

Walcher steht hinter dem Adler-Großaktionär Aggregate Holdings. Er machte sein Vermögen mit der Skidata GmbH, einem Pionier für elektronische Liftpässe in Skigebieten und wurde von Caner in das Immobiliengeschäft eingeführt. Caner berät Aggregate nach wie vor bei einzelnen Deals.

Die aserbaidschanischen Eigentümer hatten im L’oscar zwei Direktoren von Triangle eingesetzt, Gafar Gurbanov und Metin Guvener. Doch auch nach dem Kauf beschäftigte Aggregate sie für vier Jahre bis März 2021 weiter, wie die Anwälte von Aggregate bestätigen.

Die beiden Direktoren werden inzwischen vom OCCRP mit der Familie Alijew in Verbindung gebracht. Gurbanov, ein ehemaliger Beamter des aserbaidschanischen Steuerministeriums, saß im Vorstand von Offshore-Gesellschaften, die den Alijews beim Kauf von Immobilien halfen. Guvener vermittelte ein Projekt in Bukarest für die Familie.

Aggregate teilte über seine Anwälte mit, dass es zum damaligen Zeitpunkt nichts von den angeblichen Verbindungen wusste. Es gebe nichts Ungewöhnliches an den Transaktionen und der Weiterbeschäftigung der beiden. Aggregate habe sich beim Kauf auf die Due-Diligence-Prüfung und die “Know-Your-Client”-Prüfung einer angesehenen britischen Anwaltskanzlei verlassen, so die Anwälte.

Die beiden Objekte waren nicht die einzigen im Portfolio von Aggregate, die zuvor im Besitz von Kamilow waren. Im August 2016 kaufte Aggregate eine Immobilie in der Maddox Street Row in der Nähe des berühmten Londoner Grosvenor Square in Mayfair und setzte damit den Schlusspunkt unter eine Reihe von Veräußerungen des Objekts. Nach Angaben des OCCRP kaufte Kamilow die Immobilie 2009 und übertrug sie an den damals 11-jährigen Sohn von Ilham Alijew. Sieben Jahre später nahm Kamilow die Immobilie zurück und übertrug sie für einen Tag an eine andere Offshore-Gesellschaft, bevor Aggregate sie kaufte. Aggregate verkaufte es nach nur vier Monaten wieder, wie aus den Dokumenten hervorgeht.

Die Anwälte von Aggregate erklären, dass derartige Umstrukturierungen “gängige Praxis” vor einem Verkauf seien, und dass es “in der Verantwortung der beaufsichtigten Berater des Verkäufers” liege, einschlägige Überprüfungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und zur Feststellung der Kundenidentität durchzuführen. Es gab “kein Fehlverhalten seitens unseres Klienten” und keine “Anzeichen dafür, dass Aggregate irgendwie in Korruption und/oder ruchlose Aktivitäten verwickelt ist, was einfach nicht der Fall ist”, hieß es in einer Erklärung.

Die Spur nach Aserbaidschan reicht über Aggregate und Adler selbst hinaus. Perrings Viceroy Research wies in seinem Bericht auf eine Reihe von Transaktionen hin, an denen ein anderer aserbaidschanischer Staatsangehöriger mit Verbindungen zu Triangle beteiligt war - Natig Ganijew, wie Gurbanov und Guvener ein ehemaliger Direktor bei Triangle Equity Partners Ltd.

Während diese Firma inzwischen aufgelöst wurde, haben andere aus seinem Dunstkreis eine Reihe von Geschäften mit Adler getätigt. Im Jahr 2017 kaufte eine von Ganijews Vestigo Capital Advisors LLP beratene Firma - früher bekannt als Triangle Equity Partners (UK) LLP - eine Beteiligung an der Berliner Accentro Real Estate AG von Adler Real Estate. Wieder eine andere Firma des Geschäftsmanns kaufte Objekte im Wert von rund 400 Millionen Euro von Adler, geht aus den Unterlagen hervor.

Ende Juni standen Ganijews Firmen für diese Deals jedoch immer noch mit 249 Millionen Euro bei Adler in der Kreide - einschließlich 60 Millionen Euro für das vier Jahre alte Accentro-Geschäft, wie aus Adlers Geschäftsbericht für das zweite Quartal hervorgeht. Im Bericht zum dritten Quartal schlüsselt Adler die Außenstände nicht auf.

Perring behauptet, Adler nutze solche Transaktionen, um seine Objekte aufzuwerten, wobei der veröffentlichte Preis tatsächlich nicht vollständig beglichen werde. Adler hat diese Vorwürfe von Perring zurückgewiesen, lehnt es aber ab, nähere Angaben zu den Forderungen zu machen.

“In der Regel geben wir Transparenz entlang unseres Finanzkalenders, aber geben keine Wasserstandsmeldungen ab”, sagte Adler per E-Mail. “Wir werden mit den Ergebnissen für das Gesamtjahr 2021 einen umfassenden Überblick geben.”

Überschrift des Artikels im Original:

In Adler’s Orbit, a String of Deals Leads to Azeri First Family

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