Einen Sprung vom Kreml entfernt in der Tundra spazieren

Tundra, Moor, Wald und Steppe gleich neben dem Kreml: Mit einem ungewöhnlichen Park im Herzen der russischen Hauptstadt putzt sich Moskau auf dem Weg zur Fußballweltmeisterschaft 2018 weiter heraus

Tundra, Moor, Wald und Steppe gleich neben dem Kreml: Mit einem ungewöhnlichen Park im Herzen der russischen Hauptstadt putzt sich Moskau auf dem Weg zur Fußballweltmeisterschaft 2018 weiter heraus. Am Montag öffnete der neue Sarjadje-Park für die Öffentlichkeit.

Acht Jahre Planung und Streit um das mehr als zehn Hektar große Gelände liegen hinter dem Projekt. Vormals stand an der Stelle das legendäre Hotel "Rossija" - mit mehr als 3000 Zimmern war das Ungetüm aus den 60er Jahren einstmals eines der größten weltweit. Um den Filet-Baugrund wurde hart gerungen, doch schließlich setzte sich die Park-Idee gegen Investorenpläne durch.

Der Park versammelt vier künstlich angelegte typisch russische Landschaftsformen. Weitere Attraktionen sind eine Eisgrotte mit Labyrinth und ein Hügel unter einer Kuppel. In den Hügel soll eine neue Philharmonie einziehen, deren Säle und Räume derzeit noch im Bau sind.

Moskaus Kulturdezernent Alexander Kibowski sprach am Samstag von einem mutigen Projekt, weil wohl keine andere Stadt auf so wertvollem Grund einen öffentlichen Park errichtet hätte. Nun könnten die Besucher einen Steinwurf vom Kreml entfernt durch typische Landschaften des Polarkreises flanieren.

Den Anstoß für den Park gab Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin, der anders als sein Vorgänger Verfechter eines humaneren Städtebaus ist. Sobjanin, der seit 2010 amtiert, machte Schluss mit einer wildwuchernden Bebauung nach Investerorenart, die unter Juri Luschkow in der zwölf Millionen Einwohner zählenden Stadt einige zweifelhafte Ergebnisse zutage brachte.

Verglichen mit anderen Projekten, die nicht allein mit Blick auf die Fußball-WM aufgelegt wurden, war der neue Sarjadje-Park günstig: 14 Milliarden Rubel (200 Millionen Euro) kostete die Anlage. Dennoch sehen Kritiker darin angesichts der russischen Wirtschaftsmisere Verschwendung öffentlicher Gelder.