Spritverbrauch bei Benzinern manipuliert? Kraftfahrtbundesamt leitet Verfahren gegen Porsche ein

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Inmitten einer bundesweiten Diskussion über die Erhöhung der Spritpreise hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) nach Informationen von Business Insider ein offizielles Verfahren gegen Porsche eingeleitet. Laut Bundesbehörde soll der Sportwagenhersteller für die Typengenehmigung einzelner Benziner-Modelle die Angaben zum Verbrauch manipuliert haben. Während im Dieselskandal stets zu hohe Stickoxid-Werte sanktioniert wurden, droht nun einem deutschen Hersteller ein Rückruf von vielen Tausend Fahrzeugen wegen CO2-Schwindel.

Es waren aber die Zuffenhausener selbst, die den brisanten Vorgang aufgedeckt haben. Im Rahmen eines konzernweiten Compliance-Programms stieß das Unternehmen auf Hinweise, wonach Porsche staatliche Kontrollen, die die Übereinstimmung der in Betrieb befindlichen Fahrzeuge mit der Typengenehmigung sicherstellen sollen, hintergangen haben könnte. Hintergrund: Im Gegensatz zu Stickoxiden gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert für CO2-Emissionen. Der Hersteller legt einen Wert für die Typengenehmigung fest, der anschließend von einem Technischen Dienst überprüft wird.

Laut Aussagen von Porsche-Mitarbeitern seien Soft- und Hardware der Prüffahrzeuge aber unzulässig präpariert worden, um den CO2-Verbrauch auf dem Rollenstand zu minimieren und die Katalogwerte zu bestätigen. Unter anderem hätte Porsche dafür unterschiedliche Getriebe-Zahnräder in Test- und Serienautos verbaut. Entsprechende Informationen leitete das Unternehmen vor rund einem Jahr an deutsche und amerikanische Behörden weiter.

Monatelang führten Porsche und das KBA anschließend Verbrauchs-Messungen mit willkürlichen Fahrzeugen aus der Serienproduktion durch, um den Sachverhalt zu klären. Das Ergebnis: Bei acht von elf getesteten Modellen blieben die Messwerte im Toleranzbereich. In drei Fällen überstieg der CO2-Ausstoß aber den Typengenehmigungswert um mehr als vier Prozent. Dabei handelt es sich laut eines KBA-Schreibens um ältere Derivate vom Macan und vom Boxter Spyder 981, von denen insgesamt knapp 20.000 Fahrzeuge im europäischen Markt gemeldet sind.

Mit dem Brief, der vor wenigen Wochen beim Autohersteller eintraf, hat die Bundesbehörde ein sogenanntes Anhörungsverfahren eingeleitet und erklärt, dass sie beabsichtigt, einen Rückruf der betreffenden Fahrzeuge anzuweisen. Auf Anfrage bestätigt ein KBA-Sprecher die Untersuchung, wollte sich aber "vor dem Hintergrund des laufenden Verwaltungsverfahrens" nicht weiter äußern. Porsche erklärte dagegen: „Das genannte Verfahren geht auf eine pro-aktive Meldung der Porsche AG zu Konformitätsfragen bei einzelnen Fahrzeugen zurück. Die Meldung erfolgte freiwillig, vorsorglich und bereits vor einem Jahr. Die aktuelle Produktion ist nicht betroffen. Darüber hinaus gibt es zu keinem dieser Fahrzeuge bisher eine Entscheidung. Das Verfahren befindet sich in einem frühen Stadium der Anhörung."

Nach Informationen von Business Insider sind sich Porsche und KBA nicht einig über die Anwendung der Messtoleranz. Laut Behörde gilt die Nachmessung als auffällig, wenn das Messergebnis den Typgenehmigungswert um mehr als vier Prozent überschreitet. "Dieses Kriterium entspricht dem gesetzlichen Akzeptanzintervall, dem die Herstellerangabe gemäß Vorschrift bei der Typprüfung genügen muss", heißt es. Aus Sicht von Porsche ist ein solcher Toleranzwert für Fahrzeuge, deren Produktion bereits seit Jahren eingestellt ist, in Europa nicht geregelt. Daher beruft sich der Hersteller auf amerikanisches Recht, welches den Autobauern eine Toleranz von zehn Prozent zugesteht.

Bleibt das KBA bei seiner Linie, wird Porsche die Autos wohl zurückrufen müssen. Ob dann ein vergleichsweise günstiges Software-Update reicht, um die Konformität zur Typengenehmigung herzustellen, ist fraglich. Fachleute gehen davon aus, dass Porsche in diesem Fall die Hardware von Tausenden Fahrzeugen ertüchtigen oder die Autos sogar zurückkaufen müsste. Offen ist zudem, ob die Steuern für die höheren CO2-Emissionen nachgezahlt werden müssen. In Summe könnte die Affäre den Sportwagenhersteller also eine hohe Millionensumme kosten.

Egal wie es ausgeht, mit einer Strafzahlung rechnet Porsche dem Vernehmen nach nicht. Nach Informationen von Business Insider deckt das Bußgeld in Höhe von 535 Millionen Euro, das die Staatsanwaltschaft Stuttgart 2019 wegen des Dieselskandals verhäng hat, alle vergangenen Emissionsthemen ab. Auch in Zukunft wolle Porsche weiter mit den Behörden kooperieren, betont ein Sprecher. "Die pro-aktive Meldung von Sachverhalten sowie die Kooperation mit den Behörden ist Teil unserer Firmenkultur und Selbstverständnisses."

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