Energie-Sorgen überlagern Hannover Messe

Hannover (dpa) - Die Hannover Messe soll zeigen, wo es für die deutsche Wirtschaft hingehen könnte: Digitaler soll die Industrie werden, effizienter, ressourcenschonender, klimafreundlicher.

Doch nach der Corona-Pandemie und gestörten Lieferketten machen nun auch noch Sorgen um die Energieversorgung und gestiegene Kosten den Unternehmen zu schaffen.

Da passt es ins Bild, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei seinem Messerundgang am Dienstag auch auf die Spritpreise schaute: Der von Mittwoch an geltende Steuerrabatt müsse sich an der Zapfsäule in niedrigeren Preisen auswirken, machte der Grünen-Politiker in Hannover klar.

Einige Unternehmen gehen bereits dazu über, ihre gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben. Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler etwa erklärt, bislang könne das Unternehmen die Mehrkosten zwar tragen. Aber: «Natürlich führt das auch dazu, dass wir uns überlegen, ob wir und wo wir unsere Preise für unsere Produkte erhöhen», sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Außerdem wolle Schaeffler Energie einsparen - insbesondere Strom.

Kohle - Erdgas - Wasserstoff

So sieht sie aus, die neue Dringlichkeit, die Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Messeeröffnung mit Blick auf die Transformation der Industrie angemahnt hatte. Wie umfassend die angedachten Veränderungen sind, macht das Beispiel Salzgitter besonders deutlich. Der Stahlkonzern ist heute alleine für ein Prozent der CO2-Emissionen Deutschlands verantwortlich, die Produktion mit Kohle in den Hochöfen ist besonders energieintensiv. Bis 2033 soll der Standort Salzgitter trotzdem praktisch CO2-neutral sein - indem von Kohle auf Gas umgestellt wird, zunächst auf Erdgas, dann auf Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden soll.

Allerdings steigt der Strombedarf mit dem Wandel gewaltig an: Rund 14 Terawatt grünen Stroms jährlich wird Salzgitter laut Firmenchef Groebler benötigen, wenn die Produktion vollständig umgestellt ist. Um diesen Bedarf zu decken, will das Unternehmen insbesondere auf Offshore-Windkraftanlagen auf See setzen.

Auch Wirtschaftsminister Habeck stellte in Hannover «einen unfassbaren Hochlauf an Bedarf für Wasserstoff» fest. Er gab sich überzeugt: «Grüner Wasserstoff hat eine sehr gute Chance, in Deutschland wettbewerbsfähig zu sein.»

Optimierte Abläufe

Helfen sollen der Industrie außerdem zunehmend digitale Prozesse. Das Ziel: eine höhere Energieeffizienz durch optimierte, sparsamere Abläufe und die Möglichkeit, mehr Herstellungsverfahren zu automatisieren. Für beides sind in vielen Fällen kleine drahtlose Werksnetze nötig, über die sich Maschinen und Anlagen mit hohem Datendurchsatz austauschen können.

Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia zeigte auf der Messe entsprechende Hard- und Softwaresysteme. Solche «Campusnetze», die die lokale Fertigung in Fabrikhallen, die Bewegung von Robotern oder auch die Logistik in Häfen mitsteuern, werden teilweise schon mit dem Hochgeschwindigkeits-Standard 5G betrieben. «Deutschland ist jetzt ein führender Markt dafür», hieß es aus dem Unternehmen. Wichtig sei es dabei, firmeninterne Daten gut abzusichern, erklärte Nokia etwa mit Blick auf das Entwicklungszentrum eines großen Autokonzerns. Allgemein gelte für das Thema Cybersecurity: «Das Interesse am Markt wird stetig größer.»

Gute Nachrichten in puncto Sicherheit verkündete derweil der Maschinenbau-Verband VDMA. Der Schaden durch Fälschungen in der Branche ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die bekannte Gesamtsumme habe von 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 6,4 Milliarden Euro abgenommen. Die Dunkelziffer und die nicht gemeldeten Umsatzeinbußen könnten jedoch höher sein.

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