Sprintrennen in der Formel 1: Das muss man dazu wissen

·Lesedauer: 4 Min.

Mit dem ersten Sprintrennen in ihrer gut 70-jährigen Geschichte beschreitet die Formel 1 beim kommenden Grand Prix von Großbritannien Neuland - was hat es mit dem umstrittenen Konzept auf sich?

SPORT1 klärt vor der Premiere in Silverstone die wichtigsten Fragen.

Sprintrennen in der Formel 1 - wie läuft das?

Das Sprintrennen wird gefahren, um die Startaufstellung für das eigentliche Rennen am Sonntag zu ermitteln. Am Samstag (ab 17.30 Uhr) geht es über exakt 100,147 Kilometer um die Pole-Position. Die 17 Runden, die absolviert werden müssen, entsprechen einem Drittel der Renndistanz.

Was erhoffen sich die Betreiber der Formel 1?

Mit dem Sprint will man zum Kern des Motorsports zurückkehren: Der Sieger soll auf der Strecke ermittelt werden, ohne taktische Zwänge und die sonst obligatorischen Boxenstopps. Bei einem derart kurzen Rennen brauchen die Piloten weniger Rücksicht auf den Reifenverschleiß nehmen und können bedingungslos attackieren. Außerdem ist durch den zusätzlichen Wettbewerb des Sprints garantiert, dass es an allen drei Tagen um etwas geht.

Was denken Fahrer, Teams und Funktionäre darüber?

Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Kimi Räikkönen wusste bis vor wenigen Tagen nichts Genaues über den Ablauf, Lewis Hamilton glaubt gar, dass es "nicht besonders spannend" wird. Das Problem: Theoretisch können die Fahrer im Sprint deutlich aggressiver fahren als im Grand Prix - doch ein Ausfall im kurzen Rennen hätte einen ruinierten Sonntag zur Folge. Denn wer ausfällt, muss sich bei der Startaufstellung für das Hauptrennen hinten anstellen. Fallen übrigens mehrere Piloten aus, wird der am Sonntag als Letzter starten, der zuerst ausgefallen ist.

Lesen Sie auch: Plötzlich Keeper-Not - was macht Nagelsmann jetzt?

Auch FIA-Präsident Jean Todt ist nicht gerade ein Fan des neuen Sprintrennens – im Gegensatz zu den Formel-1-Bossen Stefano Domenicali und Ross Brawn, die sich dadurch ein zusätzliches Spektakel erhoffen. Wegen Todts Vorbehalten wird offiziell auch nicht von einem "Sprintrennen", sondern von "Sprintqualifying" gesprochen.

"Wir nennen es nicht Rennen. Das liegt zumindest teilweise in meiner Verantwortung. Für mich ist und bleibt das Rennen am Sonntag", sagte der Boss des Automobil-Weltverbandes.

Welche Bedeutung hat das Sprintrennen innerhalb des GP-Wochenendes?

In Silverstone werden nicht nur für die Top-Ten-Plätze und die schnellste Runde im Hauptrennen Punkte vergeben, sondern auch für die ersten drei Piloten des Sprintrennens.

Der Sieger erhält drei, der Zweite zwei und der Dritte einen Punkt. Das Sprint-Ergebnis bestimmt die Startaufstellung für das Rennen. Die Startaufstellung für das Sprintrennen ergibt sich aus dem klassischen Qualifying mit den drei aufeinanderfolgenden Ausscheidungsrunden.

Wie verändert sich durch das Sprintrennen der Zeitplan des Wochenendes?

Der Sprint hat einen erheblichen Einfluss auf den Zeitplan. Am heutigen Freitag (ab 15.30 Uhr) geht es mit dem ersten Freien Training über 60 Minuten los. Danach aber folgt nicht - wie sonst üblich - das zweite Training, sondern bereits das Qualifying (ab 19 Uhr). Der Samstag startet mit dem zweiten Training (ab 13 Uhr), wenig später folgt das Sprintrennen (17.30 Uhr). Am Sonntag dann geht ab 16 Uhr das Hauptrennen über die Bühne.

Was passiert, wenn es regnet?

Für diesen auf der Insel nicht gerade seltenen Fall gilt folgende Regelung: Selbstverständlich können und sollten die Piloten ihre Reifen an der Box wechseln, wenn es während des Sprints anfangen sollte, zu regnen.

Sollte das erste Freie Training oder das Qualifying unter feuchten Bedingungen ausgetragen werden, erhalten die Fahrer zu den vier Sätzen Intermediates einen zusätzlichen Satz dieser Reifenmischung. Jedoch müssen sie einen benutzten Satz Intermediates vor Beginn des Sprintrennens zurückgeben.

Wenn es während des Sprintqualifyings nass ist, müssen die Teams einen benutzten Satz Intermediates oder Regenreifen nach dem Sprintrennen zurückgeben und erhalten im Gegenzug einen frischen Satz Intermediates. Insgesamt erhalten die Teams nicht mehr als neun Sätze Regenreifen und Intermediates.

Wie geht es mit diesem Experiment weiter?

Nach Silverstone soll es auch in Monza und bei einem Übersee-Rennen – höchstwahrscheinlich in Interlagos - einen Sprint geben. Danach wird abgerechnet: Lohnt sich das Format, wird es auch in den kommenden Jahren bei einigen Rennen umgesetzt. Mit berücksichtigt wird dabei auch das Feedback von Fahrern, Teams und Fans. Ein fester Bestandteil eines jeden Grand-Prix-Wochenendes wird das Sprintrennen jedoch nicht werden. 

Mit Sportinformationsdienst (SID)

Im Video: Sprintrennen der Formel 1 in Silverstone - "Viel Marketing"

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.