Sprengstoff-Atrappen nicht erkannt: Kötter-Personal bei Kontrollen überfordert

Bei einem Test des Senders RTL in Düsseldorf fiel Plastiksprengstoff nicht auf.

Die am Düsseldorfer Flughafen eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter sind offenbar nicht in der Lage, bei den Kontrollen von Flugpassagieren Plastiksprengstoff zu erkennen. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte ein langjähriger Mitarbeiter des am Flughafen tätigen  Essener Sicherheitsunternehmens Kötter Aviation Security, er und seine Kollegen würden im Erkennen von Plastiksprengstoff nicht hinreichend geschult. „Uns wird zwar mal ein Bild gezeigt, wie so etwas auf dem Monitor aussieht; das später auch während der Arbeit zu erkennen, wird nicht geübt“, sagte der Mann, der anonym bleiben wollte. Auch die regelmäßig stattfindenden Schulungsprogramme würden diese Inhalte nicht vorsehen.

Kontrolleure seien überlastet

Reporter des Senders RTL hatten in den vergangenen Monaten immer wieder erfolgreich Plastiksprengstoff- und Bomben-Attrappen in den Sicherheitsbereich des Flughafens und in Flugzeuge schmuggeln können. Die Gewerkschaft Verdi macht die für die Flugsicherheit zuständige Bundespolizei für die Mängel  verantwortlich, die Kötter mit den Kontrollen beauftragt hat. „Die Sicherheitsleute arbeiten auf hohem Niveau“, sagte Gewerkschaftssekretär Özay Tarim, „aber unter diesen erschwerten Bedingungen ist ein fehlerfreies Arbeiten einfach nicht möglich.“ Tarim bemängelte die Überlastung der Kontrolleure und deren mangelhafte Ausbildung – die Lehrunterlagen wären veraltet und würden auf aktuelle terroristische Gefahren kaum eingehen.

Kötter war nicht zu einer Stellungnahme bereit. Das der Bundespolizei übergeordnete Bundesinnenministerium äußerte sich gegenüber dieser Zeitung nur oberflächlich zur Schulung der Sicherheitsleute: „Die Ausbildung des Kontrollpersonals erfolgt auf Basis europäischer Grundprinzipien und wird um nationale Besonderheiten ergänzt“, teilte ein Sprecher mit. Aktuelle Entwicklungen und Gefährdungsszenarien flössen aber in die Ausbildung ein.

„Die Sicherheit kann nur gewährleistet werden, wenn die Mitarbeiter auch entlastet werden“, sagte Verdi-Mann Tarim. Die Bundespolizei hatte Ende April die Kontrollstunden, die Kötter in Düsseldorf zu leisten hat, wegen steigender Passagierzahlen kurzfristig um etwa 30.000 nach oben geschraubt. Diesen Anforderungen kann Kötter nicht nachkommen, seit Wochen bilden sich vor den Kontrollen lange Schlangen.

Mitarbeiter werden ausgeliehen

Die Probleme dürften für Kötter in dieser Woche ein Grund dafür gewesen sein, bei einfachen Aufgaben auch Mitarbeiter einzusetzen, deren Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. „Hierdurch können die Teilnehmer ihr theoretisches Wissen um praktische Erfahrungen ergänzen, was bei den potenziellen Mitarbeitern auf ein positives Feedback stößt“, sagte Carsten Gronwald, Pressesprecher des Unternehmens. Özay Tarim widersprach dieser Darstellung: Die unentgeltlichen Extrastunden hätten die Schulungsteilnehmer am frühen Morgen nicht auch noch leisten wollen: „Sie haben sich nur nicht getraut, das zu sagen.“

Inzwischen hat sich Kötter entschieden, die Schulungsteilnehmer nicht mehr bei den Kontrollen einzusetzen. Die Frage, ob die auftraggebende Bundespolizei von der fehlenden Ausbildung des Personals wusste, beantwortete Kötter-Sprecher Gronwald trotz mehrmaliger Nachfrage nicht.

Unterdessen hat das Unternehmen offenbar keinen Erfolg damit, wie angekündigt bei anderen deutschen Sicherheitsunternehmen ausreichend Personal für die Kontrollen auszuleihen. Wie Gronwald bestätigte, würden daher bis zu 30 Mitarbeiter eines befreundeten Unternehmens aus Belgien für die Passagierkontrolle am Flughafen Düsseldorf eingesetzt. „Diese Beschäftigten werden kurzfristig gemeinsam mit der Bundespolizei für die nationalen Spezifika geschult“, so Gronwald....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta