Sprachexperte erklärt, was wirklich hinter Lindners Rede zum Jamaika-Abbruch steckt

John Stanley Hunter and Christoph Asche
FDP Chef Lindner sagt Jamaika Koalition ab

Nach wochenlangen Verhandlungen hat die FDP kurz vor Mitternacht die Jamaika-Sondierungen abgebrochen und damit eine politische Krise in Deutschland ausgelöst. „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, sagte Parteichef Christian Lindner am späten Sonntagabend in Berlin. „Den Geist des Sondierungspapiers können und wollen wir nicht mitverantworten.“

Auffällig: Lindner hatte im Gegensatz zu sonstigen Reden und Erklärungen von einen Zettel abgelesen — unüblich für den sonst frei vortragenden und wortgewandten Vorsitzenden der Liberalen. „Die Rede ist das Ergebnis zahlloser gegenseitiger medial-öffentlicher Demontagen und Unterdrucksetzungen der Verhandlungsführer und -parteien, die am Sonntag mit dem ‚Bild‘-Interview Jürgen Trittins ihren Höhepunkt erreichten“, sagte Medienlinguist Sascha Michel von der Universität Basel zu Business Insider. Grünen-Politiker Trittin hatte darin erklärt, seine Partei habe sich in den Sondierungsgesprächen „an vielen Stellen bewegt“ und sei „bis an die Schmerzgrenze gegangen“.

Das vollständige Statement des #FDP-Vorsitzenden Christian Lindner zum Abbruch der #Jamaika-Gespräche @c_lindner pic.twitter.com/wbosmmKNS0

— ZDF heute journal (@heutejournal) November 19, 2017

Dies würde Lindners Rede zwischen den Zeilen auch vermitteln, so Michel: „Lindners Äußerung, ‚gravierende Unterschiede zwischen CDU, CSU und FDP wären überbrückbar gewesen‘, und es sei ‚eine neue politische Nähe, auch menschliche Nähe gewachsen‘, hieße umgekehrt: „Die Unterschiede zwischen den Grünen und der FDP waren nicht überbrückbar und es ist keine Nähe zwischen ihnen gewachsen“, sagte Michel.

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