Spotify startet gut und sackt dann ab - Wie geht's weiter?

Martin Mrowka
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Spotify startet gut und sackt dann ab - Wie geht's weiter?

Spotify startet gut und sackt dann ab - Wie geht's weiter?

Der weltgrößte Musikstreaming-Anbieter ist an der Börse überraschend erfolgreich gestartet. Doch bis zum US-Handelsschluss sackte die Spotify-Aktie wieder ab. Was ist künftig noch zu erwarten? 

Spotify wurde als Direktplatzierung an die New Yorker Börse gebracht. Es gab keine neuen Aktien, keine Werbetour, keine Bookbuilding-Spanne, keinen Emissionspreis. Die NYSE hatte lediglich eine Orientierungsmarke für die bislang nicht börsennotierten Aktien ausgegeben - 132 Dollar. Den Rest sollte der Markt machen, so die optimistische Erwartung der Alteigner aus Schweden. 

Verluste gewachsen

Und deren Hoffnung ging auf. Bis auf 169 Dollar zog die Streaming-Aktie am Dienstag im frühen Handel an. Damit war der Newcomer auf einen Schlag fast 30 Milliarden Dollar wert - mehr als beispielsweise die Deutsche Bank oder Infineon. Der Börsengang von Spotify wurde auch besonders beäugt, weil der Streamingdienst noch nie profitabel war. Seit der Gründung 2006 hat Spotify zwar seinen Umsatz kräftig steigern können, die Verluste sind aber ebenfalls stark gewachsen - auf zuletzt 378 Millionen Dollar.

So konnte die Spotify-Aktie das hohe Kursniveau am ersten Börsentag auch nicht verteidigen. Bis zum Börenschluss rauschte der Kurs auf 149 Dollar wieder nach unten. Ist damit die Hoffnung vieler Aktionäre, Spotify könnte in die Fußstapfen des erfolgreichen Video-Streaming-Anbieters Netflix treten, schon wieder Schall und Rauch? 

Firmengründer behalten Stimmrechts-Mehrheit

Gleich mehrere Argumente sprechen gegen einen baldigen Höhenflug von Spotify. Zum einen sind da die Alteigner. Die Firmengründer Daniel Ek und Martin Lorentzon - jetzt Milliardäre - besitzen zwar nur noch knapp ein Fünftel des Unternehmens. Sie haben sich aber spezielle Stimmrecht-Zertifikate gesichert, womit sie etwa 83 Prozent der Stimmrechte halten. Wenn sie ihre Aktien verkaufen, werden auch ihre Stimmrechte kleiner; sie dürften aber auf absehbare Zeit die Mehrheit der Stimmrechte behalten.

Spotify hatte die Direktplatzierung so gestaltet, dass Altinvestoren ihre Anteile auf den Markt werfen konnten, während keine neuen Aktien ausgegeben wurden. Ein Großteil der kräftigen Abwärtsbewegung bis zum Wall-Street-Schluss dürfte auf Gewinnmitnahmen der Alteigner zurückzuführen sein. Zu denen gehören auch die Kreditgeber, weil ihre Forderungen in Spotify-Aktien umgetauscht worden sind. 

Außerdem ist Spotify - anders als Netflix bei den meisten seiner Videos - nicht der Lizenz-Inhaber der Musik. Darauf weist Spotify auf Seite 15 des formellen Börsenprospekts hin, der bei der Börsenaufsicht SEC hinterlegt wurde: „Wir sind von Lizenzen Dritter für Musikaufnahmen und Kompositionen abhängig, und eine ungünstige Veränderung, ein Verlust oder ein Widerruf dieser Lizenzen könnte unser Geschäft, unseren Gewinn und unsere Liquidität negativ beeinflussen.“ 

Abhängig von großen Musik-Konzernen

Dieser Satz ist entscheidend für die Gewinnaussichten von Spotify, schreibt Gründerszene.de. Denn während Netflix seine Video-Inhalte bei Dutzenden verschiedenen Pay-TV-Sendern, Hollywoodstudios und unabhängigen Produzenten zusammenkauft sowie selbst Serien und sogar ganze Filme mit Starbesetzung drehen lässt, ist Spotify völlig abhängig von den großen Musikunternehmen Sony Music, Universal Music und Warner Music.

Die drei halten zusammen fast 80 Prozent aller Rechte der auf Spotify gestreamten Songs. Sollte auch nur einer der drei Musik-Riesen seinen Katalog von Spotify abziehen, wäre das für die Schweden eine mittlere Katastrophe. Da andererseits die Musikkonzerne auch von Spotify abhängig sind, ist ein Ausstieg allerdings wenig wahrscheinlich. 

Spotify hat außerdem zwei mächtige Konkurrenten: Apple und Amazon. Die wollen im weltweiten Streaming-Geschäft ebenfalls kräftig mitmischen. Trotz derzeitiger Vormachtstellung der Schweden dürfte ein weiteres Wachstum in Richtung Profitabilität schwierig werden. DER AKTIONÄR glaubt nicht, dass Spotify eine ähnlich positive Entwicklung wie Netflix nehmen wird und bleibt bei Spotify außen vor.