Sportkonzerne wehren sich gegen Turnschuh-Zölle


Vietnam, Indonesien, Kambodscha und vor allem China: Die Shirts, Hosen und Turnschuhe der großen amerikanischen Sportmarken stammen größtenteils aus Asien. Sportartikelfabriken in den USA sind so selten wie Schnee in Las Vegas.

Daher fürchten die großen Anbieter nichts mehr als neue Einfuhrzölle auf ihre Ware aus Fernost. 82 Schuhmarken haben sich Anfang der Woche zusammengetan und einen Brief an US-Präsident Donald Trump geschrieben. Darin fordern sie ihn auf, von Strafmaßnahmen abzusehen.

Letztlich wären ihrer Ansicht nach die Konsumenten die Leidtragenden, denn sie müssten höhere Preise bezahlen. Der Brief hat Gewicht, denn zu den Unterzeichnern gehört Nike, der größte Sportkonzern der Welt, sowie Under Armour, eine aufstrebende Marke aus Baltimore.


Damit nicht genug. Parallel dazu haben auch die größten Händler des Landes in die Tasten gegriffen. Ketten wie Walmart, Target, Best Buy und Macy's setzten ebenfalls ein Schreiben auf, um den Präsidenten von Zöllen abzubringen.

Trump hat vor allem China im Visier und erwägt Einführzölle auf Elektronik, Bekleidung, Schuhe und sogar Spielzeug. Der Präsident beschuldigt das Land schon länger, amerikanische Waren zu kopieren und geistiges Eigentum zu klauen. Zudem ärgert ihn, dass ausländische Firmen in der Volksrepublik stets Partner brauchen, wenn sie investieren. US-Medien berichten, der Präsident könnte die Maßnahmen mit einem Volumen von 60 Milliarden Dollar bereits am Freitag verkünden.

Alle zusätzlichen Zölle würden amerikanische Arbeiterfamilien bestrafen, argumentieren die Handelsketten. Die Leute müssten für Güter des täglichen Bedarfs schlicht und einfach mehr bezahlen. Die Sportfirmen betonten darüber hinaus, dass sie bereits saftige Einfuhrzölle entrichten. Jede weitere Erhöhung würde die Schuhe noch teurer machen und damit Jobs in Amerika vernichten. Die Käufer seien sehr preisbewusst, daher würden die Abgaben den Absatz bremsen.

Im Handelsblatt-Interview hatte sich Adidas-Chef Kasper Rorsted vergangene Woche noch zuversichtlich gezeigt, dass Trump von Zöllen absieht. „Ich denke nicht, dass das passieren wird“, betonte der Däne. „Durch Zölle würden ja keine neuen Arbeitsplätze entstehen. Es gibt niemanden, der unsere Produkte in Amerika herstellen könnte.“


Adidas aus Herzogenaurach ist nach Nike die Nummer zwei in der Sportbranche. Das Know-how für die Massenproduktion liege in Asien, betonte Rorsted. „Schuhe und Bekleidung würden dann in den USA einfach nur teurer. Das kann kein Politiker wollen.“

Die amerikanischen Konkurrenten des Dax-Konzerns sind sich da offenbar nicht so sicher. Von den Zöllen wären jedoch auch Adidas und der kleinere fränkische Konzern Puma betroffen. Auch sie führen in großem Stil Ware aus Fernost in Amerika ein. Neben China ist für die beiden Sportmarken Amerika der wichtigste Wachstumsmarkt. Allerdings ist der US-Anteil am gesamten Umsatz bei Nike und Under Armour wesentlich größer.

Anfang des Monats hatte Trump bereits Zölle von 25 Prozent auf ausländischen Stahl und zehn Prozent auf Aluminium angekündigt. Chinas Premierminister Li Keqiang sicherte am Dienstag zu, das Land werde seine Wirtschaft öffnen sowie Zölle und Steuern senken.

Ob das Trump umstimmen wird? Wohl kaum. Vielleicht sollten sich die US-Verbraucher am kommenden Wochenende sicherheitshalber schnell noch neue Joggingschuhe besorgen, ehe der Preis in die Höhe schnellt.